Mildaer Ganztagsschule braucht finanziellen Wegweiser

Milda.  Für faire Bezahlung der Lehrer muss die Landesförderung erhöht werden, fordern die freien Schulträger. CDU-Fraktion organisiert Forum in Milda

Die Freie Ganztagsschule in Milda wurde 1996 gegründet.

Die Freie Ganztagsschule in Milda wurde 1996 gegründet.

Foto: Katja Dörn

Die Zahl hat Carsten Krüger geschockt: 62 Prozent. So viel schießt der Freistaat Thüringen für die Kosten eines Schülers an freien Schulen im Vergleich zu jenen an staatlichen Schulen zu. Dabei müsste dieser Wert bei 80 Prozent liegen, so steht es im Thüringer Gesetz über Schulen in freier Trägerschaft (ThürSchfTG). Für den Schulleiter der Freien Ganztagsschule in Milda sowie weitere Schulleiter und -träger ein Zeichen, dass sich endlich etwas ändern muss.

Berechnet hat diesen Wert Thomas Beukert vom Institut für Strukturpolitik und Wirtschaftsförderung gGmbH in Halle (ISW). Das Schülerkostengutachten fertigte er im Auftrag der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Schulträger in Thüringen (LAG) an, die Licht ins komplexe Feld der Finanzierung bringen wollte.

Beukert stellte diese Zahlen am Montagnachmittag in der Freien Ganztagsschule in Milda vor, wo Mario Voigt und Christian Tischner von der CDU-Fraktion des Thüringer Landtags zu einem Forum in der Turnhalle geladen hatten. Schulleiter und Träger von freien Schulen in Thüringen debattierten zur jetzigen Finanzsituation. Der Konsens war schon vorher absehbar: Es braucht mehr Geld für die freien Schulen. Die CDU plädiert seit Wochen für eine langfristige Lösung mit verlässlichen Steigerungsraten für die Träger.

„Jungen Kollegen eine Perspektive bieten“

Dem schließt sich Schulleiter Carsten Krüger an. „Wir sehen die derzeitige Haushaltsbelastung und die Coronaauswirkungen“, sagt er, allerdings brauche es in den nächsten fünf bis acht Jahren eine finanzielle Lösung für die freien Schulen, um die 80 Prozent für die Kostendeckung zu erreichen. „Wir müssen den jüngeren Kollegen eine Perspektive bieten“, sagt er.

Das Hauptproblem bestehe darin, dass die freien Schulen durch ihre Unterfinanzierung den Lehrern ein geringeres Gehalt zahlen können. Auf etwa 10 bis 20 Prozent schätzt Krüger die Unterschiede im Vergleich zu den Kollegen an staatlichen Schulen. Kein Wunder, dass sich Lehrer „in den warmen Schoß des Staatsdienstes“ verabschieden, sagt er. So passiert auch schon in Milda. „Das ist ein Schlag ins Kontor. Damit geht eine Menge Know-how verloren.“ Problematisch sei es zudem, da weiter ein Lehrermangel vorherrscht. Kreditrückzahlungen sowie steigende Betriebskosten müssten außerdem finanziell bewerkstelligt werden.

Aufstockung nicht im Haushaltsentwurf verankert

Eigentlich schien schon alles klar in Sachen Finanzierung: Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hatte mit der Landesarbeitsgemeinschaft der freien Schulen eine Aufstockung der Landesförderung auf 217 Millionen Euro für das kommende Jahr vereinbart. Bei Finanzministerin Heike Taubert (SPD) holte er im Haushaltsentwurf aber lediglich 183 Millionen Euro heraus.

Linke-Bildungspolitiker Torsten Wolf betonte, dass freie Schulen nicht in ihrer Entwicklung gebremst werden dürften. Auch die Grünen im Landtag stellten sich zuletzt auf die Seite der Freien Schulen und verwiesen auf veraltete Berechnungsmethoden. Wie auch die CDU bereiten sie einen eigenen Gesetzesentwurf vor.

In Milda kein Stundenausfall

Dass jeder Euro gut ausgegeben ist, wollte Schulleiter Krüger vor einiger Zeit Bildungsminister Holter verdeutlichen, als er ihn durch das Mildaer Schulhaus führte. „Wir haben seit 25 Jahren keinen Stundenausfall“, sagt Krüger, da habe der Minister ungläubig reagiert. Möglich werde das durch die Lehrerteams, die sich wechselseitig vertreten und daher auch krankheitsbedingte Ausfälle besser kompensieren könnten.

Das Konzept der Ganztagsschule in Milda stößt bei einigen Eltern auf Gefallen. Die Wartelisten sind lang. Allein 80 Bewerber gebe es jährlich für die 20 Grundschulplätze. Das Schulgeld musste vor drei Jahren indes von 75 Euro monatlich auf 100 Euro angehoben werden. Sollte die finanzielle Ausstattung des Landes weiter niedrig bleiben, müsse angesichts steigender Kosten wieder eine Anpassung erfolgen. „Aber wir wollen es so lange es geht vermeiden“, sagt Krüger. Denn wichtig sei, dass die freien Schulen keine elitären Einrichtungen sind. „Wir haben ein gemischtes Publikum. Teilweise zahlen auch Großeltern das Schulgeld“, sagt Krüger. „Wir sind keine Schule der Reichen und Schönen.“