Missbrauch der Enkelin: Landgericht Gera reduziert Strafe

Gera.  Ein Mann aus dem Raum Jena, der seine Enkelin über Jahre sexuell missbraucht hatte, hat eine deutliche Absenkung seiner Haftstrafe erreicht.

Verteidiger Udo Freier (rechts) mit dem Angeklagten.

Verteidiger Udo Freier (rechts) mit dem Angeklagten.

Foto: Tino Zippel

Das Landgericht Gera hat einen 58-Jährigen wegen des schweren sexuellen Missbrauchs seiner Enkelin verurteilt. Er hatte im Prozess zugegeben, das Kind in einem Dorf bei Jena in 73 Fällen sexuell missbraucht zu haben, in 65 Fällen davon schwer. Die neunte Strafkammer verhängte eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren.

Bundesgerichtshof hatte Verfahren zurückverwiesen

Das Verfahren hatte 2019 vor einer anderen Strafkammer des Gerichtes stattgefunden. Damals schob der nicht vorbestrafte Angeklagte seiner Enkelin die Schuld zu. Gegen die verhängte Strafe von neuneinhalb Jahren ging er in Revision. Der Bundesgerichtshof sah Mängel in der Urteilsbegründung und verwies den Fall zurück.

Diesmal gestand der Mann die Taten, die die frühere Strafkammer festgestellt hatte. Der erste Übergriff auf das Mädchen fand demnach auf einer Hollywood-Schaukel im Garten statt, als das Kind sechs Jahre alt war. Später verging sich der Mann regelmäßig an seiner Enkelin, wenn sie am Wochenende bei den Großeltern übernachtet hat. Für den Missbrauch stieg er mit ins Hochbett, während seine Frau im Nachbarzimmer schlief. Der einstige Kranführerin redete der Schülerin ein, dass „das viele Opas mit ihren Enkeltöchtern machen“. Er bestach das Mädchen mit Geschenken.

Anträge liegen weit auseinander

Staatsanwalt Andreas Petzel forderte eine Haftstrafe von neun Jahren und drei Monaten, weil der Angeklagte die Taten gestanden hat und dies berücksichtigt werden müsse. Nebenklage-Vertreterin Stefanie Biewald schloss sich an. Verteidiger Udo Freier verwies auf das harte vorherige Urteil. Zudem sei sein Mandant sehr haftempfindlich und im Gefängnis angegriffen worden. Er hält deshalb fünf Jahre Haft für angemessen.

So begründet die Kammer die niedrigere Strafe

Wie kommt die für harten Strafen bekannte neunte Kammer zu ihrem Spruch? Der Vorsitzende Harald Tscherner erläuterte, dass nach der erfolgreichen Revision das Verschlechterungsverbot auch für Einzelstrafen gelte. Die höchste Einzelstrafe wiederum sei nicht haltbar gewesen. Wenn die Gesamtstrafe wiederum die abgesenkte höchste Einzelstrafe um das doppelte übersteige, verlange der Bundesgerichtshof eine besondere Begründung, sagte Tscherner.

Der Angeklagte akzeptierte das Urteil. Der Staatsanwalt gab noch keine Erklärung ab.