Mit der Drohne um den Jenaer Hanfried

Barbara Glasser
| Lesedauer: 5 Minuten
Interessantes Motiv: Ein Mann sitzt am Steinweg, und hinter ihm fährt die Straßenbahn.

Interessantes Motiv: Ein Mann sitzt am Steinweg, und hinter ihm fährt die Straßenbahn.

Foto: Frank Liebold

Jena.  Menschen in Jena: Frank Liebold ist Werbe-Fachmann und pflegt sein Hobby, die Fotografie

Vom Landgrafen aus eröffnen sich wunderbare Motive für Fotoliebhaber. „Am schönsten ist es nachts, wenn die Innenstadt beleuchtet ist und Wolkenspiele am Himmel für immer neue Bilder sorgen“, sagt Frank Liebold. Der 48-Jährige liebt es, nachts zu fotografieren und dabei immer neue Einstellungen an der Kamera auszuprobieren. „Das kann so toll aussehen, wenn man 30 Sekunden belichtet.“

Wenn man in den sozialen Medien nach Jenaer Fotos schaut, findet man ihn schnell: Hannes Gründler. Doch Hannes Gründler ist eigentlich Frank Liebold. Unter seinem eigenen Namen wollte er allerdings nicht in die Medien, also lag für ihn Hannes nah, sein Comic-Maskottchen mit Schiebermütze, und Gründler kam dazu, es hat etwas mit dem Tieferschauen zu tun und weil es den Namen nicht so häufig in der Stadt gibt. So war schnell der Künstlername gefunden für einen Mann mit kreativen Ideen.

Nein, das Fotografieren war nicht sein Traum von Kindesbeinen an. Zuerst kamen andere Dinge. Als Zweijähriger kam er mit seinen Eltern nach Jena, ging zur Schule. Eine Ausbildung als Industriemechaniker brach er ab, um dann in Hermsdorf den Beruf eines Kaufmanns für den Groß- und Außenhandel zu erlernen.

Nach zwei Jahren im Beruf ging er 1997 nicht zur Bundeswehr, sondern absolvierte 13 Monate Zivildienst in der ambulanten Krankenpflege. Als er dann allerdings zur Firma zurückkehrte, war seine Stelle weg. Folglich musste er zum Arbeitsamt, besuchte Informationsveranstaltungen und gründete schließlich mit zwei Partnern einen Tele-Informationsservice, der rund um die Uhr Lieferanten und Dienstleistungen aller Art organisierte, vom Bäcker übers Reisebüro. Aber leben konnte man davon nicht.

Daneben begann Frank Liebold, Plakate für den Fußballverein zu gestalten, es folgten Faltblätter, Visitenkarten, Werbematerialien, Internetseiten. „Das hat Spaß gemacht, die Technik habe ich mir alles selbst angeeignet.“ Dann begann er, Aufkleberfolien zu gestalten. Eins kam zum anderen: Werbung, Grafik, Gestaltung.

Vorher nur Schnappschüsse mit dem Handy

Heute arbeitet Frank Liebold beim Deutschen Caravan-Verband. Die Leidenschaft fürs Fotografieren hat ihn erst vor einigen Jahren gepackt. „Vorher habe ich nur mit dem Handy oder mit einer kleinen Kamera mal Schnappschüsse gemacht“, erzählt er lachend.

2016 wollte er einen eigenen Blog im Internet gestalten mit Veranstaltungen in Jena. „Das war damals eine Lücke. Deshalb habe ich Veranstalter angeschrieben, um Informationen gebeten – und um die Erlaubnis, Fotos nutzen zu dürfen“, sagt er. Viele Veranstalter fanden das gut mit den Fotos, andere nicht. „Dann habe ich mir eine Kamera gekauft und bin los, habe im Kulturbahnhof und im Rosenkeller fotografiert.“

Er hatte nur das Benutzerhandbuch für die Kamera gelesen und dann eben probiert. Bis er die Künstlerische Abendschule in Jena kennenlernte. „Das war das Nonplusultra für mich. Dort habe ich nicht nur technische Dinge gelernt, sondern auch geübt, um das gewisse Auge für ein Motiv zu entwickeln.“

Aber natürlich habe er gemerkt, dass seine Bilder auch noch besser werden müssen. Also üben, üben, üben. Oft ist er in den Abendstunden losgegangen, hat in der „Blauen Stunde“ fotografiert, hat Langzeitbelichtungen ausprobiert. „Zum Glück gibt es in Jena immer etwas zu fotografieren.“

Sein Lieblingsmotiv sei der Turm, den habe er wohl schon aus nahezu allen Perspektiven fotografiert. Aber: „Ich bin kein Profi-Fotograf. Dazu fehlt mir noch ein gewaltiges Stück“, schätzt er ein. Aber das habe auch etwas Gutes: Wenn ein Muss beim Fotografieren steht, gehe für ihn auch der Spaß verloren. So, als Hobby, sei das Fotografieren eine feine Sache. Man bekomme sogar den Kopf frei dabei.

„Ich gehe auch schon mal nachts auf den Cospoth, um Fotos zu machen. Zum Glück hat meine Familie dafür Verständnis“, erzählt er. Und er werde dabei bleiben: Fotografie sei in erster Linie ein Hobby, auch wenn öfter mal ein Auftragsfoto dabei sei.

Ein Lieblingsmotiv: das Feuerwerk beim Altstadtfest 2019

Eines seiner Lieblingsfotos sei übrigens eins vom Feuerwerk beim Altstadtfest 2019. „Das habe ich vom Jentower aus fotografiert, das war eine tolle Perspektive.“ Aber er will sich auch weiter entwickeln. „Porträtfotografie ist für mich noch ziemliches Neuland, da möchte ich mich verbessern. Eventuell will ich mich auch mal in der Aktfotografie versuchen. Aber mal schauen...“

Erst kürzlich hatte er die Idee für ein interessantes Motiv: Ein Mann, die Zeitung lesend, am Steinweg, während im Hintergrund die Straßenbahn vorbei fährt, mit vier Sekunden belichtet - es ist ein spannendes Bild geworden.

Doch, Frank Liebold hat auch einen fotografischen Wunsch: „Mit Hilfe einer Drohne möchte ich den beleuchteten Hanfried von oben und allen Seiten fotografieren – eine Begegnung der dritten Art haben“, sagt er. Aber da brauche er noch etwas Geduld, denn dafür sei eine besondere Genehmigung nötig. Also: Daumen drücken.