Mordfall Jena: Gutachten soll wahres Alter des Angeklagten zutage bringen

Gera.  Nach dem Mord an einer 87-jährigen Seniorin in Jena-Winzerla gibt das Landgericht Gera ein weiteres Gutachten in Auftrag und plant vorsorglich schon Prozesstermine bis März.

Nach dem Mord an einer Rentnerin in Jena-Winzerla: der Angeklagte im Gerichtssaal.

Nach dem Mord an einer Rentnerin in Jena-Winzerla: der Angeklagte im Gerichtssaal.

Foto: Tino Zippel

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Im Prozess um den Tod einer 87-jährigen Seniorin in Jena sollen Experten des Jenaer Universitätsklinikums das wahre Alter des Angeklagten ermitteln. Schon am Dienstag beginnen intensive Untersuchungen. Unterdessen laufen Ermittlungen, um die Angaben jenes Mannes zu prüfen, den der Angeklagte des Mordes bezichtigt hat.

Einzelheiten nannten weder der Vorsitzende Richter Uwe Tonndorf noch der Oberstaatsanwalt Horst Sauerbaum. Der Angeklagte hatte den Mann beschuldigt, ihn zu Drogenkurier-Diensten gezwungen zu haben. Beim Versuch, in seiner Wohnung Geld einzutreiben, habe der andere die Rentnerin umgebracht. Jener habe auch einen Keller in der Hermann-Pistor-Straße in Brand gesteckt, um einem anderen zum Zahlen seiner Schulden zu bringen. Auffällig: Der neue Beschuldigte trug auf dem Unterarm ein Tattoo, das wie auf einer Brandwunde gestochen aussah.

Experten des Uniklinikums Jena sollen wahres Alter herausfinden

Unterdessen läuft der Prozess gegen den Angeklagten weiter. Die erste Strafkammer des Landgerichtes entsprach dem Antrag der Verteidigung, das wahre Alter des Angeklagten zu ermitteln. Jener hatte berichtet, dass nach der Einreise sein Alter nach Untersuchung seiner Hand auf 16 Jahre festgelegt worden sei, obwohl er erst 13,5 Jahre alt gewesen sei. Die Frage ist von Relevanz, weil er damit im Tatzeitraum noch unter Jugendstrafrecht fiele. Der Prozess müsste an einer Jugendstrafkammer neu beginnen.

Die forensische Psychiaterin Helmburg Göpfert-Stöbe hat den Angeklagten untersucht, ob er an einer posttraumatischen Belastungsstörung nach den Vorkommnissen in Afghanistan leidet. Im Asylverfahren hieß es, der Angeklagte sei in der Kindheit von Taliban entführt worden.

Taliban-Überfall in der Kindheit

Gegenüber der Gutachterin berichtete er die Situation anders: Taliban hätten in der Nacht das Haus der Familie gestürmt und ihn im Gesicht gepackt. Sie wollten von seinem Vater, der für die kanadische Armee übersetzte, Dokumenten erlangen. Vater und Bruder kamen beim Überfall ums Leben. Die andere Version sei im Asylverfahren entstanden. Er habe den Dolmetscher, der einen anderen Dialekt sprach, kaum verstanden. Jener habe ihm versichert, „eine gute Geschichte zu erzählen, damit er als Asylbewerber anerkannt werde“.

Keine posttraumatische Belastungsstörung

Dem Angeklagten bescheinigte die Gutachterin authentische Aussagen bei Exploration. Er habe weder Symptome vorgetäuscht noch übertrieben dargestellt. Zwar gebe es Hinweise auf traumatische Ereignisse und eine Traumasymptomatik mit Leidensdruck, aber krank im klinischen Ausmaß sei er dadurch nicht. Hypothetisch angenommen, er sei der Täter, ließe sich eine verminderte Schuldfähigkeit nicht über eine posttraumatische Belastungsstörung begründen, fasst die Gutachterin zusammen.

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