Mut zur Lücke auf dem Jenaer Weihnachtsmarkt

Thomas Beier
| Lesedauer: 3 Minuten
Willy Jacobi ist die jüngste Generation in der Schaustellerfamilie. Er setzte am Dienstag den Weihnachtsmann aufs Dach des Verkaufsstandes in der Rathausgasse.

Willy Jacobi ist die jüngste Generation in der Schaustellerfamilie. Er setzte am Dienstag den Weihnachtsmann aufs Dach des Verkaufsstandes in der Rathausgasse.

Foto: Thomas Beier

Jena.  Viele Händler kommen seit Jahrzehnten auf den Markt und freuen sich ab Freitag auf die Jenaer.

Beim Aufbau des Jenaer Weihnachtsmarktes wird jetzt wieder in die Hände gespuckt. Nicht zu übersehen ist, dass es dieses Jahr luftiger zugeht in Jenas guter Stube und in der Rathausgasse. Standplätze bleiben frei, denn die zweijährige Zwangspause ist nicht spurlos vorbeigegangen an der Branche. Einige Händler wechselten in andere Jobs oder gingen in Ruhestand. Doch die verbliebenen Händler stecken nicht auf.

„Ich glaube, die Menschen brauchen gerade in der heutigen Zeit die Abwechslung und freuen sich auf den Weihnachtsmarkt“, sagt Doreen Jacobi von der Bäckerei Jacobi, deren besondere Spezialität in diesem Jahr Heidelbeerquarkbällchen sind. Jacobis können in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum auf dem Jenaer Markt feiern. Ihr Heimatstandort vor dem Umzug nach Thüringen war der Berliner Vergnügungspark im Plänterwald. Aber die Firmengeschichte reicht bis 1927 zurück. In Jena sei die Händlerschaft eine gute Gemeinschaft. Viele kennen sich seit Jahrzehnten.

Nach Oma Trudes Rezept

Was viele Händler nach wie vor umtreibt, ist die geplante Bebauung des Eichplatzes. Zum Beispiel die Schausteller-Familie Steffen, die auch in diesem Jahr wieder die 13 Meter hohe Weihnachtspyramide aufgebaut hat, um in deren Erdgeschoss Winzer-Glühwein zu verkaufen. Dafür wäre mit einem bebauten Eichplatz – wie auch für Autoscooter oder Achterbahn – kein Platz mehr. „Und eine Alternative ist nicht in Sicht“, sagt Susann Steffen. Gut zu wissen für die Kunden: Der Glühwein aus dem Schlossgartenhof Saulheim kommt noch auf dem Eichplatz an. „Oma Trudes“ heißt die Marke, weil die Oma ihn dereinst erfunden hatte. Leider sind auch die Preise für Hochprozentiges deutlich gestiegen.

Nach Absagen von Händlern springen andere in die Bresche. So konnte „Jacobs Almstube 19“ in diesem Jahr vom Standort vor Corona in der Löbderstraße direkt auf den Markt neben die dortige Bude umziehen. Die Stube ist rustikal ausgestattet mit Stühlen und Tischen und kann reserviert werden.

Gleich gegenüber baute gestern Oliver Schneider seinen Lederwarenstand auf. 1990 fing er auf dem Jenaer Weihnachtsmarkt an, damals verkaufte er noch Textilien. In seiner Heimatstadt Köln gab es damals eine Situation, die später auch in Jena jahrzehntelang zum Alltag gehört: Die Nachfrage nach Standplätzen auf den Märkten war so groß, dass neue Anbieter es sehr schwer hatten, einen Platz zugewiesen zu bekommen. Also ging er in den Osten und begleitetet den Weihnachtsmarkt in all den Jahren.

Marktmeister Oliver Klinke sagte , dass bis zum Start des Weihnachtsmarktes weiter aufgebaut wird, sich also noch einige Lücken schließen werden.

Die ersten Besucher haben schon Durst

Einige Marktbesucher versuchten bereits am Dienstag, Glühwein unterm Weihnachtsbaum zu bekommen. Noch wurden diese Anfragen abgelehnt. Einzelne Händler am Markt befanden sich sogar noch in der Glühweinpreisfindungsphase. Es dürfte bei Preisen um die 4 Euro pro Becher losgehen.