Nach Abschied mit Tränen startet Trainersuche beim FC Carl Zeiss Jena [2. Update]

Jena  Die Spieler reagieren geschockt auf die Absetzung von Lukas Kwasniok beim FC Carl Zeiss Jena. Derweil machen erste Kandidatennamen die Runde. Christian Fröhlich übernimmt vorerst als Interimstrainer. Eine dauerhafte interne Lösung ist wenig wahrscheinlich.

Schneller Abgang nach Abpfiff: Lukas Kwasniok verlässt den Innenraum.

Schneller Abgang nach Abpfiff: Lukas Kwasniok verlässt den Innenraum.

Foto: Tino Zippel

Am Tag eins nach der Absetzung von Lukas Kwasniok als Cheftrainer des FC Carl Zeiss Jena läuft die Suche nach einem Nachfolger. Am Sonntag will die Klubführung mögliche Kandidaten sondieren. Die Mannschaft hatte geschockt auf die Entscheidung des Vorstandes reagiert, während Fans vorm Presseraum laut jubelten. Wir blicken hinter die Kulissen.

Am Sonntag legte Geschäftsführer Chris Förster zunächst das weitere Vorgehen in dieser Trainingswoche fest. „Christian Fröhlich, unser Trainer der U21-Oberligamannschaft, wird am Dienstag das Training übernehmen - unterstützt von Co-Trainer Lucca Strolz, Athletik-Trainer Max Habereder und Torwarttrainer Bernd Lindrath“, sagt Förster. „Wir sind parallel dabei, Gespräche zu führen, um den Nachfolger auf der Cheftrainerposition zu finden. Hier wollen wir nichts übereilen, aber wir arbeiten mit Nachdruck daran, spätestens mit Beginn der zweiwöchigen Ligapause nach dem Spiel in Kaiserslautern den neuen Trainer vorstellen zu können.“

Finanziell wird der Wechsel für den FC Carl Zeiss teuer. Der Vertrag von Lukas Kwasniok ist wie bei Fußballtrainern üblich befristet angelegt. Das Arbeitsrecht verbietet eine fristgerechte Kündigung, sodass er bis zum Vertragsende auf der Gehaltsliste bleibt. Beim Abstieg gilt der Kontrakt bis 30. Juni 2020, bei Klassenerhalt eine Spielzeit länger. Möglich ist aber eine vorzeitige Auflösung bei Verständigung auf eine Abfindung.

Doch stellt sich die Frage, wer auf den 38-Jährigen folgt. Eine interne Lösung ist wenig wahrscheinlich. Christian Fröhlich, der sehr gute Arbeit in der zweiten Mannschaft leistet, kommt wegen der fehlenden Lizenz als Fußballlehrer nur für zwei Wochen als Interimslösung infrage. Im Klub hat der einstige Sportdirektor und heutige A-Junioren-Trainer Kenny Verhoene die nötige Qualifikation. Aber auch Heiko Nowak, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, ist Fußballlehrer.

Die Klubführung will nun eine Liste von Kandidaten aufstellen, die ins Profil passen: Erfahrung, so heißt es, sei ein Kriterium. Ein Kandidat mit Drittliga-Kenntnissen wäre Marco Antwerpen, der im Sommer freiwillig seinen Vertrag bei Preußen Münster nicht verlängert hatte, weil er auf Angebote aus der zweiten Liga hoffte. Aufs erste Sondieren soll er verhalten reagiert haben, wie es aus Vereinskreisen heißt. Unterdessen laufen die Telefone heiß. Berater wollen ihre vereinslosen Kandidaten ins Spiel bringen. Ein Blick auf Transfermarkt.de zeigt eine lange Liste von wartenden Trainern, die von Ersan Parlatan (zuletzt Berliner AK) bis zu Florian Schnorrenberg (zuletzt SG Sonnenhof Großaspach) reicht.

In der Mannschaftskabine waren am Samstagnachmittag die Tränen bei mehreren Spielern geflossen, darunter Maximilian Rohr. Kwasniok hatte den gelernten Stürmer und in der Oberliga als Verteidiger eingesetzten Fußballer in die dritte Liga geholt. Kurz nach dem Spielschluss hatte er noch gesagt. „Ich hoffe persönlich nicht, dass wieder die Trainerfrage gestellt wird. Lukas ist ein absolut überragender Trainer. Auch wie er uns heute eingestellt hat gegen die beste Mannschaft in der Liga: Wir dominieren das Spiel, haben die viel besseren Chancen.“ Auf die Nachfrage, ob nicht ein neuer Reizpunkt nötig sei, um endlich Führungen über die Zeit zu bringen, fügt er an: „Für mich nicht. Wir funktionieren mittlerweile, haben das Pech, dass wir das Spiel verloren haben. Letztendlich kann man in drei, vier Wochen wahrscheinlich eine Putzfrau hinstellen als Trainer und wir werden punkten.“

Am Samstagabend veröffentlichte Kapitän Dominic Volkmer einen emotionalen Post bei Instagram, in dem er sich bei Kwasniok bedankt. „Du hast uns als Spieler und als Menschen besser gemacht. An dir lag es ganz sicher nicht.“ Einige Spieler teilen die Botschaft, andere klicken auf „Gefällt mir“ – darunter auch Reservisten, die gar nicht zum Einsatz gekommen sind.

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