Nazis ermordeten 60 kranke und behinderte Menschen in Jena

Jena  Gedenktafel in den Rathausarkaden erinnert an die Opfer. „Aktion T4“ brachte mindestens 300.000 Menschen den Tod

Eine Gedenktafel in den Rathausarkaden soll an die Morde unter dem Vorwand der „Rassenhygiene“ erinnern. OB Thomas Nitzsche wird zu der Veranstaltung sprechen. Wolfgang Rug und Gisela Horn haben recherchiert und wurden dabei von Jonas Zipf (Jenakultur) unterstützt.

Eine Gedenktafel in den Rathausarkaden soll an die Morde unter dem Vorwand der „Rassenhygiene“ erinnern. OB Thomas Nitzsche wird zu der Veranstaltung sprechen. Wolfgang Rug und Gisela Horn haben recherchiert und wurden dabei von Jonas Zipf (Jenakultur) unterstützt.

Foto: Stadt Jena

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Eine Gedenktafel wird künftig an jene Menschen erinnern, die krank und behindert waren und deshalb von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Die Tafel wird am 1. September enthüllt.

Mindestens seit 1999 gibt es in Jena Diskussionen zu den Krankenmorden, die während der nationalsozialistischen Zeit stattfanden und Jenaer Bürger und Bürgerinnen betrafen. Dabei hatte sich die mitunter sehr kontrovers geführte Debatte zunächst auf die Verstrickung von Jenaer Ärzten konzentriert. Der Arbeitskreis „Sprechende Vergangenheit. Jena in der Zeit des Nationalsozialismus“ recherchierte seit 2014 zu den Jenaer Opferschicksalen und wurde dabei vor allem von dem Leiter der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein, Boris Böhm, unterstützt. Die Auswertung verschiedener Archivmaterialien zeigte, dass die höchste Zahl Thüringer Opfer aus Jena stammte, allein 60 kranke und behinderte Menschen wurden zwischen Herbst 1940 und Sommer 1941 im Rahmen der „Aktion T4“ in der Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein vergast, einige wenige Menschen in anderen Tötungsanstalten.

Eine Gedenktafel in den Rathausarkaden soll nun an diese Morde unter dem Vorwand der „Rassenhygiene“ erinnern, die die Nationalsozialisten „Euthanasie“ (aus dem Griechischen „der gute Tod“) nannten, und den bisher eher vergessenen Opfern einen Erinnerungsort in Jena geben. Als Zeitpunkt der Einweihung wurde der 1. September ausgewählt, da das Ermächtigungsschreiben Adolf Hitlers unter der Tarnbezeichnung „T4“ (für die Adresse Tiergartenstraße 4, wo die Berliner Zentrale untergebracht war) vom 1. September 1939 stammt. Es war der Tag, an dem der Zweite Weltkrieg begann. Der Beschluss brachte mindestens 300.000 kranken und behinderten Menschen den Tod. 80 Jahre nach dieser tödlichen Anweisung gedenkt die Stadt Jena als erste in Thüringen der Opfer, die wegen einer Krankheit oder Behinderung in den Tod geschickt wurden. Auf der Gedenktafel werden die Namen von 60 früheren Jenaer Mitbürgerinnen und Mitbürgern benannt.

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