Lichtsignale aus Jena

Neue Glasfaser-Fertigung in Jena geht in Betrieb

Jena.  J-Fiber und die Hengtong-Gruppe produzieren zusammen Glasfasern in Jena. Bis zu 40 neue Mitarbeiter sollen dafür angestellt werden..

Einweihung des neuen Ziehturms bei J-Fiber in Jena-Maua: Hier sollen Glasfasern auch für den Breitbandausbau hergestellt werden. Wirschafts-Staatssekretärin Valentina Kerst lässt sich zusammen mit Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitsche (Mitte) von J-Fiber-Geschäftsführer Ulrich Lossen erläutern, wie die Produktion funktioniert. Im Hintergrund ist eine glühende Pre-Form aus Glas zu sehen. Sie wiegt etwa 300 Kilogramm. Aus ihr werden tausende Kilometer Faser gezogen.

Einweihung des neuen Ziehturms bei J-Fiber in Jena-Maua: Hier sollen Glasfasern auch für den Breitbandausbau hergestellt werden. Wirschafts-Staatssekretärin Valentina Kerst lässt sich zusammen mit Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitsche (Mitte) von J-Fiber-Geschäftsführer Ulrich Lossen erläutern, wie die Produktion funktioniert. Im Hintergrund ist eine glühende Pre-Form aus Glas zu sehen. Sie wiegt etwa 300 Kilogramm. Aus ihr werden tausende Kilometer Faser gezogen.

Foto: Florian Girwert

Am Freitag haben die chinesische Hengtong-Gruppe und das Jenaer Unternehmen J-Fiber ihr gemeinsames Tochterunternehmen j-fiber Hengtong GmbH in Betrieb genommen. Die Produktion von sogenannten Singlemode-Fasern ist damit in Jena planmäßig angelaufen. Eigentlich sind solche Glasfasern – oder Lichtleitkabel – keine schwer zu verstehende Technik: „Es gibt zwei Möglichkeiten für ein Signal: Licht an, Licht aus“, sagt Ulrich Lossen. Die Produktion aber ist knifflig. Mit den besonders dünnen Singlemode-Fasern will man in den Bereich des Breitband-Ausbaus vordringen. „In Europa liegt der jährliche Bedarf für solche Fasern bei etwa 60 Millionen Kilometern“, so Lossen. 40 Prozent davon würden bisher noch importiert. Die Lücke wolle man mit der Fertigung in Jena kleiner werden lassen

Fast 1 Kilometer Faser pro Minute

J-Fiber stellte bisher dickere Multimode-Fasern her, der zum Beispiel in Rechenzentren Anwendung finden. Für längere Strecken, wie sie für den Breitbandausbau zum Beispiel auf dem Land überwunden werden müssen, sind die Multimode-Fasern nicht geeignet. Nun hat man zusammen mit dem chinesischen Partner mehrere Millionen Euro investiert, um Fasern auch für den Breitbandausbau herzustellen. Das Ausgangsprodukt, die sogenannte Pre-Form, kommt dabei von Hengtong aus China, wo man im asiatischen Markt ganz vorn mitmischt, und ist ein mehrere hundert Kilogramm schwerer Glaskörper. „Später werden hieraus mehrere tausend Kilometer Glasfaser gezogen“, sagt Lossen.

Ein paar Ecken weiter geht es mit dem Fahrstuhl über 35 Meter in die Höhe auf den Ziehturm. „Wer hier arbeitet, sollte halbwegs schwindelfrei sein, sonst ist das nichts.“ Von oben kann man über mehrere Etagen mit Gitterrost-Fußboden bis nach unten schauen. Hier werden die Glasstäbe von oben durch einen Graphitofen geschleust, der das Material auf etwa 2000 Grad Celsius erhitzt. Heraus kommt eine Faser, die so dünn ist, wie wenige aneinandergelegte Haare – mit Schutzschicht sind es 250 Mikrometer. Es sieht aus, als würde die Faser stillstehen – tatsächlich läuft fast 1 Kilometer Faser pro Minute hier durch. Die Faser kann später Lichtsignale transportieren – darin versteckt digitale Informationen, die entweder Telefongespräche, Computerdateien oder Videos sein können.

Knapp 200 Mitarbeiter arbeiten derzeit für das Unternehmen, ein Teil von ihnen ist noch bis Ende des Jahres von Kurzarbeit betroffen. „Wir gehen jetzt aber davon aus, dass das mit Inbetriebnahme der neuen Fertigung planmäßig zu Ende geht“, sagt der Geschäftsführer. Tatsächlich sollen in nächster Zeit bis zu 40 neue Mitarbeiter angestellt werden. Obwohl hier mit Glas gearbeitet wird, hat man einen Anerkennungs-Tarifvertrag mit der IG Metall abgeschlossen. Grund dafür ist die j-fiber-Konzernmutter Leoni AG, die als Autozulieferer in der Metall- und Elektronindustrie verortet wird.

Die deutsch-chinesische Zusammenarbeit wird am Freitag von zahlreichen Gästen aus Politik und Wirtschaft gelobt. „Bis 2025 soll Thüringen mit Glasfasern ausgelegt sein“, sagt die Thüringer Wirtschafts-Staatssekretärin Valentina Kerst (SPD). „Wir sind eine weltoffene Stadt“, lobte Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitsche (FDP). Solche Investitionen hätten Vorbildwirkung – auch weil die Umsetzung nicht einmal ein Jahr gebraucht habe.

Zu den Kommentaren