Neues Gleis nach Löbstedt: Zu Besuch auf Jenas größter Straßenbaustelle

Thomas Beier
| Lesedauer: 4 Minuten
Ganz schön was los auf der Baustelle: Die Firmen Streicher und TS-Bau teilen sich in den Auftrag. Hier werden die Schienen auf der festen Fahrbahn verbaut.

Ganz schön was los auf der Baustelle: Die Firmen Streicher und TS-Bau teilen sich in den Auftrag. Hier werden die Schienen auf der festen Fahrbahn verbaut.

Foto: Foto: Thomas Beier

Jena.  Auf Jenas größer Straßenbaustelle ist der Tiefbau abgeschlossen. Eine planmäßige Winterpause soll es an der Naumburger Straße nicht geben.

Weihnachts-Endspurt auf der Straßenbahn-Baustelle in der Naumburger Straße. Passanten sehen auf Jenas größter Straßenbaustelle fast schon chinesische Verhältnisse.

Denn an die 50 Bauleute waren am Dienstag gleichzeitig im Einsatz auf dem Areal an der Naumburger Straße. Die Tiefbauarbeiten sind abgeschlossen, ein Großteil der Schienen liegt, nächstes Jahr geht es an die Fertigstellung der Fahrbahnoberflächen. Fußwege werden jetzt schon gepflastert.

„Gearbeitet wird noch die komplette Woche vor Weihnachten“, sagte am Dienstag Sandra Werner von den Stadtwerken, wo der Bauablauf zentrale koordiniert wird. Eine Winterpause sei nicht vorgesehen, so dass die Arbeiten nach den Weihnachtsferien wieder aufgenommen werden, wenn es die Witterung zulässt.

Anwohner leben seit 14 Monaten mit der Riesenbaustelle

Bewohner von Löbstedt und Jena-Nord haben sich an den Baustellen-Riesenslalom seit mittlerweile 14 Monaten gewöhnt. „Zum Glück ist jetzt trocken, da komme ich mit meinem Hackenporsche gut durch“, sagt Maria Hoppe. Sie meint damit ihren Einkaufswagen mit Griff und Rädern, den sie zur Kaufhalle zieht.

Es habe schon Zeiten gegeben, auf denen es sehr ruhig auf der Baustelle zuging, kaum Leute gearbeitet haben. Die Bäckerei mitten im Baustellenbereich tue ihr nach wie vor leid. Dienstagvormittag saßen immerhin drei Personen im Café: davon zwei Bauleute.

Ein älterer Herr interessierte sich für die feste Fahrbahn, auf der die neuen Schienen in Richtung Zwätzen liegen. „Das sieht ja so massiv aus wie eine ICE-Strecke“, sagte er.

42 Meter lange Stützwand vor dem Korb-Krines

Tatsächlich wird beim Verlegen der Gleise im Bereich der gemeinsam mit den Autos genutzten Fahrbahnen ein Bauprinzip angewandt wie im Hochgeschwindigkeitsverkehr: Auf einer fast 30 Zentimeter starken Betonplatte sind die Schienen befestigt. Um das Gefälle in Beton zu gießen, wird ein etwas zähflüssigerer Beton eingesetzt, der dann mit Rüttelbohlen auf die entsprechende Neigung gezogen wird.

Noch mehr Beton liegt unter der Steinbach-Kreuzung, wo der Steinbach ein neues Bachbett und einen -Kanal erhalten hat. Baujahr 2019 steht als Jahreszahl am Brückenportal des Durchlasses.

Fast genauso massiv ist die 42 Meter lange Stützwand, die derzeit vor dem als „Korb-Krines“ bekannten Eckgebäude errichtet wird. Sie hält den neuen Kreuzungsbereich an Ort und Stelle.

Einen bemerkenswerten Kontrast dürfte die hochmoderne Straße nach ihrer Fertigstellung zu dem Anwesen bieten, dessen Stirnseite nach dem Teilabriss des Gebäudes seit längerer Zeit irgendwie halbfertig aussieht.

Bewohnt ist die obere Etage aber noch, war am Dienstag aus Zwätzen zu erfahren.

Als Fertigstellungstermin für Straßenbahn und Straße steht Sommer 2020, sagte Sandra Werner von den Stadtwerken am Dienstag.

Mit der Freigabe von Straßen und Wegen fährt die Straßenbahn dann wieder bis zur Schleife in Zwätzen. Der Schienenersatzverkehr entfällt. Erklärtes Ziel im Stadtrat war aber zuletzt, dass die in diesem Jahr zum Leben erweckte Busanbindung des Himmelreiches damit an den Jenaer Nahverkehr nicht schon wieder stirbt.

Wie geht es weiter mit dem Straßenbahn-Projekt?

Mit dem Bau der beiden Gleise bis nach Löbstedt ist der erste Bauabschnitt des Straßenbahn-Projektes beendet.

Wann die Arbeiten in Richtung Zwätzen und in Richtung Himmelreich/Drösel-Wohngebiet weitergehen, hängt davon ab, ob die Stadt Fördergelder bekommt. Danach sieht es kurz- und mittelfristig aber nicht aus.

Bedingungen für den Abschnitt nördlich der Wendeschleife Zwätzen ist zudem, dass es eine funktionierende Umleitung für die B88 gibt. Es mehren sich Anzeichen, dass dies nur eine verlängerte Wiesenstraße sein kann.