Neues Stadion für FC Carl Zeiss Jena: „Das würde Bruce Springsteen gefallen“

Tino Zippel
| Lesedauer: 3 Minuten

Jena.  Unsere Leserinnen und Leser durften hinter die Kulissen im Ernst-Abbe-Sportfeld schauen: Die Haupttribüne wächst, doch an zwei anderen Punkten stockt der Bau.

„Als der Konzertveranstalter auf der Tribüne stand und die Kernberge sah, sagte er: Das würde Bruce Springsteen gefallen“, berichtet Andreas Kuhn, als er Leserinnen und Leser unserer Zeitung exklusiv hinter die Kulissen des Jenaer Stadionbaus führt. Er kümmert sich als Geschäftsführer der EAS Betriebsgesellschaft darum, dass künftig nicht nur der Fußball im Ernst-Abbe-Sportfeld rollt, sondern auch Konzerte, Veranstaltungen oder Hochzeiten stattfinden.

Nach der Corona-Pandemie spürt Kuhn ein Umdenken in der Veranstaltungsbranche. „Die großen Stadien sind bei Konzerten nicht mehr ausverkauft. Deshalb werden auch kleinere Arenen für Stars attraktiver“, sagt Kuhn. Punkten könne das Jenaer Stadion durch niedrige Produktionskosten. So bleibe vor der Haupttribüne ein Stück Laufbahn erhalten, die für den Aufbau mit Lkw befahrbar sei. Bis zu 15.000 Zuschauer passen bei Konzerten ins Stadion, wenn die Westtribüne zur Bühne wird.

Leck in der Fernwärmeleitung

Doch bis dahin gibt es noch viel zu erledigen, wie Kuhn den Teilnehmern beim Rundgang zeigt. Hinter der Nordtribüne hat beispielsweise eine Fernwärmeleitung ein Leck, was den Zeitplan torpediert. Schon Ende Juli muss das Areal hergerichtet sein, damit im DFB-Pokal gegen den VfL Wolfsburg die Nordtribüne eingeweiht werden kann.

Bei der Südtribüne laufen hingegen die Arbeiten noch im Untergrund. Ein altes Fundament, möglicherweise noch vom Flutlichtmast, lässt sich nicht bergen. „Wir wollen es weiter freilegen, müssen aber aufpassen, dass der Boden nicht an Spannung verliert und die nahen Wasser- und Fernwärmeleitungen Schaden nehmen“, sagt Kuhn. Im schlechtesten Fall muss komplett umgeplant werden, weil just an der Stelle des Fundaments der größte Bohrpfahl sitzen soll.

Leser suchen nach den besten Plätzen

„Die Herausforderungen lauern im Untergrund“, sagt Steffen Hitzke, dessen Frau die Plätze für die Stadiontour gewonnen hatte. Beide besuchen gern die Spiele des FC Carl Zeiss Jena und rätseln schon, welche Tribüne sie künftig wählen. „Wahrscheinlich die Südtribüne“, sagt der Geraer. Jörg Bonenkamp aus Zeulenroda-Triebes und sein Sohn Oliver haben die heutige Haupttribüne im Blick. Aber auch die neue Nordtribüne, so sagen sie nach der Sitzprobe, biete einen fantastischen Blick.

In die Höhe wächst schon die künftige Haupttribüne nebst Funktionsgebäude. In dessen Erdgeschoss kommen der Mannschaftsbereich, das Pressezentrum und eine Polizei­wache nebst Gewahrsamszellen unter. Im Obergeschoss nimmt der Rohbau des VIP-Bereiches mehr Gestalt an; auch das Standesamt richtet eine Außenstelle ein. Noch in der nun beginnenden Fußballsaison soll der Umzug erster Teilbereiche erfolgen.

Neuer Brunnen, neue Rasenheizung

Der Stadionchef klärt auch auf, warum die Tore auf dem Feld gelb verfärbt sind. Eine Untersuchung ergab: Das Wasser für den Rasensprenger aus dem Tiefbrunnen ist belastet. Drei neue Flachbrunnen lösen diesen bald ab.

Geplant ist, die Rasen­heizung zu ersetzen. Derzeit liegen mehrere Rohrkilometer unterm Platz, in denen eine aufwendig erhitzte Chemikalie ein Einfrieren des Bodens verhindert. Eine elektrische Rasenheizung soll beim Sparen helfen, da nicht immer das komplette Feld, sondern nur die gefrorenen Teilbereiche beheizt werden müssen. Solarzellen auf den Tribünendächern füllen einen Stromspeicher für Abendveranstaltungen. Womöglich auch für Großkonzerte mit einem Star wie Spring­steen. „Jena ist ein schlafender Riese, nicht nur im Fußball“, sagt Stadionchef Kuhn zum Abschied.

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