Nostalgische Spritzengeschichte

Katja Dörn
Katja Dörn

Katja Dörn

Foto: Peter Michaelis

Katja Dörn über robuste rote Ausweise.

Ein neuer Witz zieht durch das Land:

Woran erkennt man einen Geimpften? Er wird es Ihnen erzählen.

Ungefragt hochgeladene Fotos des Impfausweises sind auch im Trend, um das eigene Privileg zu untermauern. Statt Selfie also ein „Impfie“. Hübsch. Währenddessen kramt man selbst erstmal in den Schubläden, um den eigenen Impfausweis zu finden. Meiner besitzt noch einen roten Einband mit Ährenkranz, Hammer und Zirkel darauf. Das Innenleben strotzt vor biografischer (N)ostalgie. Viele kleine Stiche fürs Leben und Daten aus dem Leben. Ach, so viel wog man in der dritten Lebenswoche. Und oha, die Masern-Impfung wurde zu DDR-Zeiten gleich mal jedem Kind in der Krippe verabreicht. Impfpflicht, gar nicht so lange her.

Das rote DDR-Impfbuch aber hat ausgedient, sollte man irgendwann wieder reisen wollen. International anerkannt ist nämlich der gelbe Impfpass nach WHO-Richtlinien. Hausärzte können ihn ausstellen und notfalls auch den Anti-Corona-Piks nachtragen, wenn eine Impfbescheinigung aus dem Impfzentrum vorliegt. Ziemlich flattrig sieht der gelbe Ausweis allerdings auch aus, böse Zungen meinen, es könnte auch das Bonus-Heft aus einer Bäckerei sein. Früher war wahrlich nicht alles besser, die Ausweis-Machart aber schon.