5. Jenaer Schulmesse

Orientierung in bunter Jenaer Schullandschaft

Jena.  40 Schulen - 40 Konzepte - da fällt die Auswahl für die richtige Schule nicht leicht.

Großer Andrang herrschte bei der 5. Schulmesse in Jena. 40 Schulen der Stadt  präsentierten sich im Volksbad.    

Großer Andrang herrschte bei der 5. Schulmesse in Jena. 40 Schulen der Stadt präsentierten sich im Volksbad.    

Foto: Angelika SchimmeL

Es gab nichts zu kaufen, auch waren keine Schnäppchen im Angebot – und trotzdem herrschte auf dieser Messe im Jenaer Volksbad am Sonnabend extremes Gedränge. Zum fünften Mal hatte die Stadt Jena zur „Schulmesse“ eingeladen. 40 Schulen, von Grundschule bis Berufsschule, von Staatlichen Schulen bis solchen, die einen Freien Träger haben, präsentierten sich. Zur richtigen Zeit, wie sich bewies, denn im Dezember stehen die Schulanmeldungen für die künftigen Abc-Schützen an. Und im Frühjahr dann müssen sich die Eltern der Viertklässler entscheiden, welchen Ausbildungsweg ihre Kinder weiter gehen sollen.

Weit mehr als 1000 interessierte Eltern kamen ins Volksbad

Kein Wunder also, dass das Interesse für die Jenaer Schulmesse ziemlich groß war. „Mit einem solchen Andrang, wie wir ihn von Beginn an erlebten, haben wir aber nicht gerechnet“, gestand Christine Wolfer, Fachdienstleiterin für Jugend und Bildung.

Weit mehr als 1000 Eltern wollten sich im Volksbad über pädagogische Konzepte, Lern- und Freizeitangebote sowie Besonderheiten der einzelnen Schulen informieren, suchten das direkte Gespräch mit den Lehrern an den Ständen. „Bis zum Mittag war es richtig voll hier, man brauchte schon Geduld, um an den Ständen zu den Gesprächspartnern durchzukommen“, sagte sie. Besonders groß war das Gedränge am Stand der Werkstattschule – dem jüngsten Stein im bunten Jenaer Schulpuzzle. Viele Mütter und Väter nutzten die Chance, sich mehr über das Konzept dieser neuen Schule berichten zu lassen, an der es mehr als anderswo um praktische Tätigkeiten, um das Sichaus­probieren der Kinder geht. Klassischen Unterricht in Deutsch, Mathematik oder Sachkunde gebe es hier dienstags bis freitags. Jeder Montag sei ein Praxis- und Projekt-Tag, an dem sich die Kinder mit Berufen beschäftigen und selbst zum Handwerker werden.

„Gelernt wird dabei natürlich auch, denn wer etwas bauen will, muss die Anleitung lesen können und auch messen und rechnen können“, sagte Marco Tänzler, dessen Sohn Jason begeistert mit der Holzbohrmaschine hantierte, die die jungen Lehrer mitgebracht hatten. Nicht nur das Konzept dieser Schule sei prima, auch der Schulweg für Jason sei nur kurz und deshalb sehr passend für seinen Sohn, zeigte sich Tänzler überzeugt.

Suche nach der richtigenSchule gar nicht so einfach

Auch Thomas Hanemann, Francis Eißmann und Familie Boywitz waren am Sonnabendvormittag hier auf der Suche „nach der Schule, die zu unseren Kindern passt“. Dass das gerade in Jena nicht einfach ist, wo die Schullandschaft so vielseitig wie in kaum einer anderen Stadt in Thüringen ist, gestanden alle ein. Hier gibt es Schulen, die stringent nach reformpädagogischen Konzepten von Montessori über Jenaplan bis Waldorf arbeiten, und viele Schulen, die einzelne Aspekte der Reformpädagogik wie die Jahrgangsmischung in ihre Arbeit eingebunden haben. Großen Zulauf haben die seit 2010 in Jena etablierten Gemeinschaftsschulen sowie die Schulen freier Träger, die einen unkomplizierten Wechsel des Bildungsweges für die Kinder ermöglichen. Und dann gibt es mit „Kulturanum“, „Kaleidoskop“ und „Werkstattschule“ noch drei Schulen, die kommunal als Schulversuch geführt werden. Ein Novum in Thüringen. Gerade weil das Angebot an Schule in Jena so riesig ist, sei die Schulmesse eine gute Veranstaltung, ist Familie Boywitz überzeugt. Hier bekomme man einen guten Überblick über die Unterschiede der Konzepte und könne sehen, welche den Eigenheiten der eigenen Kinder am besten entsprächen. Auch für Thomas Hanemann ist wichtig, „die passende Schule für seine Töchter zu finden. „Schule soll den Kindern schließlich auch Spaß machen“, sagt er.

Dass das keine Seltenheit in Jena ist, zeigten am Stand der Westschule große bunte Porträts, die Kinder von sich gemalt hatten und auf denen sie berichten, warum es gerade an ihrer Schule Spaß macht zu lernen: weil die Lehrer hier cool sind, weil es ein großes Miteinander gibt und eine Kantine, zum Beispiel. Von Schülern des Otto-Schott-Gymnasiums konnten Messebesucher aus direktem Mund erfahren, wie es sich dort so lernt. Am Stand der Grete-Unrein-Gesamtschule erzählten Sara Moranjkic und Jennifer Krause, welche Vorteile eine Schule ohne Rassismus, dafür mit Courage hat, wie mit dem Projekt „Schüler helfen Schülern“ die Nachhilfe zum Kinderspiel wird, und warum überhaupt hier ein prima Klima herrsche.

Wie von Christine Wolfer zu erfahren war, denken die Organisatoren der Schulmesse wegen des extrem großen Interesses an der bisher im Zweijahresrhythmus veranstalteten Veranstaltung schon jetzt über einen Standortwechsel oder ein jährliches Informationsangebot nach. Auch habe es mehrfach die Anregung gegeben, Kindergärten als Träger der frühkindlichen Bildung mit einzubinden in die Schulmesse. Selbst Partner der Schulen wie der Blasmusikverein Carl Zeiss hätten Interesse angemeldet.