Parkplätze am neuen Jenaer Eichplatz bleiben umstritten

Jena.  Zwei interessierte Teilnehmer beim Bürgerrundgang – am Donnerstag politische Aussprache im größten Hörsaal der Uni

Ein Hochstart am Eichplatz? Etwa 90 Stellplätze soll eine Tiefgaragenebene unterm Baufeld A neben der Neue Mitte haben. Das entspricht zwei kurzen Doppelreihen Reihen auf dem heutigen Eichplatz.

Ein Hochstart am Eichplatz? Etwa 90 Stellplätze soll eine Tiefgaragenebene unterm Baufeld A neben der Neue Mitte haben. Das entspricht zwei kurzen Doppelreihen Reihen auf dem heutigen Eichplatz.

Foto: Thomas Beier

Das Desinteresse an der Eichplatz-Bebauung ist fast schon wieder beunruhigend. Parallel bilden sich die politischen Gremien der Stadt eine Meinung zu den drei Hochhäusern am Uniturm. Donnerstagabend wurde für die gemeinsame Sitzung zweier Ausschüsse ein großer Hörsaal der Uni gemietet. Deutlich wurde: Die meistens Politiker goutieren den Entwurf und hadern mit Details.

Große Worte angesichts einer Bebauung, die das Stadtbild verändern wird: Diese fanden viele Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses und des Werkausschusses Kommunale Immobilien Jena, die am Donnerstag im Hörsaal 2 zusammenkamen. Mit seiner Kritik an einem „architektonischen Einheitsbrei“ blieb Christian Wächter, der für die Linken als sachkundiger Bürger im Ausschuss sitzt, jedoch allein. Fragen und Wünsche betrafen Klima und Energie (Heiko Knopf, Bündnisgrüne), die Zufahrt zur Tiefgarage in der Kollegiengasse (Ralph Lenkert, Linke) und eben auch die Stellplätze, die Gernot Köhler – ein sachkundiger Bürger für die CDU – als zu gering einstufte.

Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD) betonte, dass es am Ende über die Bauleitplanung und durch den Stadtrat entschieden werde, ob die Tiefgarage mit derzeit 91 Plätzen um eine zweite Ebene erweitert werde. Er verdeutlichte die zwei Abschnitte des Verfahrens: Nicht öffentlich wird über den Verkauf der zu bebauenden Grundstücke an die Strabag Real Estate GmbH entschieden. Der Entwurf aber als sogenannte Berichtsvorlage werde weiterhin transparent diskutiert. Da die Gestaltung der Freiflächen eine Aufgabe der Stadt bleibe und Skepsis angesichts der zu erwartenenden Qualität und finanziellen Möglichkeiten aufkam: Mit einem Teil der Erlöse soll das Karree gestaltet werden. Und: Bereits jetzt habe ein neues Werkstattgremium für das Baufeld B und den Stadtgarten seine Arbeit aufgenommen.

Schon am Mittwochabend hatte Bastian Ebert von der Bürgerinitiative „Eichplatz“, der zugleich Mitglied der Eichplatz-Bürgerwerkstatt ist, zum öffentlichen Rundgang eingeladen. Er wollte die Pläne zum Baufeld A vor Ort erklären. Gerade mal zwei interessierte Bürgerinnen nahmen an dem Spaziergang teil. Sie verglichen die Investoren-Entwürfe mit der Realität und bekamen vom städtischen Eichplatz-Beauftragen Martin Fischer Fragen beantwortet.

„Ich habe den Rundgang als Versuchsballon betrachtet“, berichtet Bastian Ebert. Er hatte über soziale Netzwerke zu dem Rundgang eingeladen, wo es schon die ein oder andere kritische Anmerkung gebe. Da auch die städtische Infoveranstaltung am Volkshaus eher schwach besucht war, geht er davon aus, dass es derzeit offenbar keine grundsätzlichen Probleme mit dem Bauvorhaben gibt.

Am gleichen Abend gab es eine Sitzung des Ortsteilrates Jena-Zentrum, der sich ebenfalls mit den Eichplatz-Plänen befasste. Bürger waren nicht da. Am Ende gab es ein positives Votum zum ersten Baufeld.

Für manches Ortsteilratsmitglied überraschend war die kleinteilige Gestaltung der Ladenzonen im Erdgeschoss: 20 bis maximal 211 Quadratmeter groß sollen die Läden sein. Genau so wurde es in den zehn Planungsgrundsätzen vom Stadtrat vorherbestimmt.

Auch wurde die Frage gestellt, ob es noch extravagantere Hochhaus-Entwürfe gab? Ja, die gab es, wie Martin Fischer berichtete. Mehr Glas, mehr Spiegelungen, ein bisschen Abu-Dhabi – letztlich setzte sich aber im Werkstattgremium die Meinung durch, dass der eher ruhigere Entwurf einen besseren Ausgleich zwischen dem schon sehr extravaganten Uniturm und den anderen hohen Gebäuden Jenas schaffe. Das höchste der drei Hochhäuser hat etwa die halbe Höhe des Uni-Turmes und ist kleiner als die Stadtkirche. Nach dem Notartermin, wenn die Bauflächen verkauft sind und das Wettbewerbsverfahren beendet ist, soll jedermann auch die anderen Entwürfe bestaunen können.

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Den Parkplatz sprach Gernot Köhler auch als Mitglied des Ortsteilrates an. Für die Nutzer von 179 Wohnungen, 6600 Quadratmetern Bürofläche und 3900 Quadratmetern Gastronomie würde eine Tiefgarage mit 91 Plätzen unter Baufeld A doch niemals ausreichen, sagt er. Dies müsse die Stadt jetzt klar sagen. Vertraglich geregelt sei, so Martin Fischer, dass sich die Stadt Jena an den Baukosten beteiligen müsse, wenn mehr als eine Etage verlangt werde. Dies würde den Verkaufserlös schmälern. Weil eine Tiefgarage mit zwei Etagen trinkwasserführende Schichten berührt, wird mit zusätzlichen Kosten von etwa 10 Millionen Euro für 90 weitere Stellplätze gerechnet. Ob dies zu diesem Preis gewollt sei, sei letztlich eine politische Entscheidung der Stadt.

Baustart für das Baufeld A soll voraussichtlich im Jahre 2023 sein. Bis dahin bleiben die Freiflächen wie heute nutzbar. Im Prinzip bleibt auch die heutige Grünfläche unterhalb der Johannisstraße während der Bauzeit offen. Weil auf Bänken neben einer Baustelle eine Siesta wenig Freude macht, soll es aber Eichplatz-Ersatzsitzplätze geben.