Preis für grüne Fassaden Jenas: Da brummt das Haus

Jena  Grüner Balkon. grüne Firma: Jenaer Preis für Fassadenbegrünung wird in diesem Jahr geteilt.

Jenas vermutlich grünster Balkon: Ekkehard Seidler auf dem Haus in der Schillstraße 6.

Jenas vermutlich grünster Balkon: Ekkehard Seidler auf dem Haus in der Schillstraße 6.

Foto: Thomas Beier

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Geteilte Freude ist doppelte Freude: Das galt gestern Abend bei der Auszeichnungsveranstaltung für den Jenaer Preis für Fassadenbegrünung: Die Preisträger-Häuser befinden sich in der ­Schillstraße 6 in Wenigenjena und in der Kahlaischen Straße 53a. Das eine ist Wohnhaus und kinderärztliche Praxis, das andere ist vor allem als Sitz einer Firma bekannt, die sich auf Gartengeräte spezialisiert hat.

„Angefangen hat alles 1997 mit zwei Pflanzen, die wir in zwei ­tiefen Gefäßen in die Erde gesetzt habe“, berichtet Ekkehard Seidler, der gemeinsam mit Helga Birckner einen der beiden ersten Preise erhielt. Der über mehrere Etagen neu gesetzte Balkon sah nämlich nicht so hübsch aus. Zunächst gossen die Bewohner die Pflanzen noch, später war das nicht mehr erforderlich. Der Wilde Wein hatte so viel Kraft, dass seine Wurzeln die Töpfe sprengten, um eigenständig nachzutanken. Jetzt konzentriert sich die Pflege darauf, im Herbst das Grün zu verschneiden und anzubinden. „Der Wilde Wein wächst nach oben oder nach unten – vertikal gibt es nicht“, sagt Seidler.

„Im Sommer brummt die ganze Wand“, sagt Horst Volkmer, der für das grüne Wohn- und Geschäftshaus in der Kahlaischen Straße den anderen ersten Preis bekam. Es sind vor allem Hunderte Bienen, die die Fassade bevölkern. Probleme mit den Insekten hatte er noch nie. Im Herbst kommen die Amseln und räumen alle Früchte ab. Dann ist Ruhe. Horst Volkmer findet, dass Wilder Wein ein idealer Fassadenkletterer ist. Er sei zur Fassade netter als Efeu.

Die Preise für Fassadenbegrünung wurden gestern im Klimapavillon übergeben. Der Veranstaltungsort passt in die Zeit, denn die positiven Effekte fürs Stadtklima durch Wilden Wein & Co sind unbestritten.

Der Jenaer Preis für Fassadenbegrünung ist eine Erfindung Jenaer Bürger, die sich in den Neunzigerjahren in einer Arbeitsgruppe „Lokale Agenda“ zusammengefunden hatten. Eines der Ziele hieß, umweltfreundliches Engagement von Hausbesitzern zu würdigen. Die Stadt Jena unterstützt das Anliegen seit Jahren und überlegt jetzt, die Grünförderung auf eine neue Basis zu stellen.

Wie Jurymitglied und Landschaftsarchitekt Wolfram Stock gestern sagte, gehe es darum, mehr grüne Oasen in der Stadt zu schaffen. „Klimaschutz kann Spaß machen“, fügte er hinzu. Gute Beispiel dafür waren am Rande der Auszeichnung von Jenaer Gemeinschaftsgarten-Initiativen, von Jenawohnen und der Bürgerstiftung zu hören. Die weiteste Anreise hatten die „Leipziger Ökolöwen“, die ihre Aktion Kletterfix vorstellten: Bis zu fünf geeignete Kletterpflanzen werden im Rahmen des Projektes jedermann kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dazu bekommen Interessenten Pflegetipps für ein grünes Leipzig.

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