Prothmann oder Ludwig? Am Sonntag Stichwahl zur Ortsteilbürgermeisterwahl in Jena-Süd

Thomas Beier
| Lesedauer: 5 Minuten
Zwischen Christina Prothmann (Bündnisgrüne) und Stig Ludwig (SPD) entscheidet sich am Sonntag die Frage, wer neuer Ortsteilbürgermeister beziehungsweise Ortsteilbürgermeisterin wird.

Zwischen Christina Prothmann (Bündnisgrüne) und Stig Ludwig (SPD) entscheidet sich am Sonntag die Frage, wer neuer Ortsteilbürgermeister beziehungsweise Ortsteilbürgermeisterin wird.

Foto: Screenshot / OTZ

Jena.  Die beiden Stichwahlkandidaten für das Ehrenamt im abschließenden Interview.

Zwei Frauen und zwei Männer haben sich beworben, zwischen Christina Prothmann (Bündnisgrüne) und Stig Ludwig (SPD) entscheidet sich am Sonntag die Frage, wer neuer Ortsteilbürgermeister beziehungsweise Ortsteilbürgermeisterin in Jena-Süd wird. Prothmann kam am 12. Juni bei einer Wahlbeteiligung von 26,6 Prozent auf 36 Prozent der Stimmen, 23,6 Prozent stimmten für Ludwig. Eine Stichwahl bringt jetzt die Entscheidung.

Haben oder hatten Sie vor der Stichwahl noch wichtige Wahlkampftermine?

Prothmann: Termine mit wichtigen Firmen wie Schott und Akteuren wie Kassa und Magdelstube, hatte ich bereits vor dem ersten Wahlgang. Diese Woche habe ich noch Termine mit Bürger:innen, die wegen unterschiedlichster Anliegen für den Ortsteil mit mir Kontakt aufgenommen haben. Ich bin wieder kreuz und quer im Ortsteil unterwegs, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen.

Ludwig: Keine großen Termine, aber ich werde weiterhin im Ortsteil unterwegs sein und versuchen, mit den Anwohnern und Menschen ins Gespräch zu kommen.

Wie können Sie die Bürger als Ortsteilbürgermeister(in) nach der Wahl am besten erreichen?

Prothmann: Durch eine offene Bürgersprechstunde und Bürger:innenversammlungen, wechselnde Sitzungsorte des Ortsteilrates, einen zeitgemäßeren Internetauftritt aber auch eine Stadtteilzeitung, um verschiedene Zielgruppen zu erreichen. Außerdem möchte ich auf meinen Spaziergängen weiterhin Menschen ansprechen, ansprechbar sein und in Kontakt kommen, damit Kommunalpolitik noch näher an Bürger:innen heran tritt.

Ludwig: Zu allererst im persönlichen Gespräch im Ortsteil, mit regelmäßigen Bürgersprechstunden und Ortsteilratssitzung an wechselnden Orten im gesamten Ortsteil sowie über die Medien und diverse Social-Media-Kanäle.

Mal angenommen, ein Bewohner ruft Sie an und sagt, der Zeiss-Neubau macht viel zu viel Lärm? Was tun Sie?

Prothmann: Ich mache mit dem Bewohner und Zeiss einen gemeinsamen Termin vor Ort aus, um den Baulärm zu besprechen und wahrzunehmen. Dann wird geschaut, inwieweit eine gemeinsame Lösung gefunden werden kann, soweit die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Bau – zum Beispiel Arbeitszeiten und Ruhezeiten – eingehalten sind.

Ludwig: Ich treffe mich vor Ort mit dem Bürger, mache mir ein unabhängiges Bild „von der Lage“ und vermittle dann gegebenenfalls zwischen dem Bürgeranliegen und Zeiss.

Und wenn es für den am Gleis 3 geplante Radweg bis zum Jahresende immer noch kein Baustart in Aussicht ist, passiert was?

Prothmann: Dies hängt von einer Freigabe der Grundfläche von der Deutschen Bahn ab. Hier braucht es noch mal Druck von allen Seiten. Zeitgleich müssen wir über eine Umgestaltung von Magdelstieg und Mühlenstraße nachdenken, um kurzfristig eine sichere Radinfrastruktur zu gewährleisten.

Ludwig: Bleibe ich trotzdem an dem Thema dran, sowohl im Gespräch mit der zuständigen Verwaltung aber auch mit Bürgeranfragen an geeignete Stellen.

Besserer Hochwasserschutz ist ein großes Thema in der Ringwiese. Was kann der Ortsteilrat da tun?

Prothmann: Ich habe mir die Thematik vor Ort erklären lassen und es bedarf einer Ausarbeitung eines umfassenden Hochwasserschutzkonzepts durch die Weiterführung des Bürger:innendialogs mit Ortsteilrat, Fachexpert:innen wie Feuerwehr, Stadtentwicklung et cetera, um Lösungen heraus zu arbeiten und im Stadtrat einzubringen.

Ludwig: Der Ortsteilrat war und ist beständig an dem Thema dran und hat durch diverse Vor-Ort-Gespräche mit verantwortlichen Stellen der Stadt auch schon einiges im Sinne der Anwohner erreichen können. Dies wird weiterhin ein Thema im Ortsteilrat bleiben.

Haben Sie besonders enge Berater in Familie oder Partei?

Prothmann: Ja. An dieser Stelle ein besonderer Dank an meine Familie und meine Freunde, die mich in den vergangenen Wochen unterstützt haben, sowie an Kreis- und Landesverband der Grünen, die mir stets mit gutem Rat zur Seite standen.

Ludwig: Nein. Sicherlich bespricht man das ein oder andere Thema auch einmal in Familie oder mit Parteikollegen, aber hauptsächlich bilde ich mir meine Meinung in der Sache gemeinsam mit den Mitgliedern im Ortsteilrat und den betroffenen Anwohnern und Menschen im Ortsteil.

Wenn Sie nicht in Jena-Süd unterwegs sind, welchen Ort mögen sie dann am meisten in Jena oder anderswo?

Prothmann: In Jena alle Orte an der Saale. Und anderswo ganz allgemein das Meer. Ich bin sehr gerne am Wasser.

Ludwig: Sowohl die Saale, an den Ufern wie auch auf einem Paddelboot, aber auch die Berge und Wälder rings um Jena.

Was fehlt aus Ihrer Sicht in Jena-Süd am meisten?

Prothmann: Abgesehen von einer Toilette auf dem Friedensberg und ausreichend Mülleimern, könnte man individuelle Nachbarschaftszentren noch besser ausgestalten und zu attraktiven Orten des sozialen Miteinanders machen.

Ludwig: Allgemein braucht Jena-Süd noch mehr junge (Geschäfts-)Ideen, Läden oder (Eck-)Kneipen.

Gibt es noch etwas, was Sie vor der Wahl noch gesagt haben wollen?

Prothmann: Danke! Danke an alle, die mir im ersten Wahlgang ihr Vertrauen geschenkt haben. Ich würde mich sehr freuen, ab nächster Woche mir als Ortsteilbürgermeisterin von Jena-Süd die Ärmel hochkrempeln und viele Dinge anpacken zu dürfen.

Ludwig: Ich hoffe im Sinne unseres schönen Stadtteils, dass wir eine/n Ortsteilbürgermeister/in bekommen, welche/r nicht wieder nach kurzer Zeit „weg“ ist, damit Jena-Süd endlich eine beständige und durchsetzungsstarke Stimme erhält – wie andere Stadtteile auch.