Renommierter Wissenschaftler kehrt mit 95 in Geburtsstadt Jena zurück

Jena  Der renommierte und immer noch aktive Materialwissenschaftler John B. Goodenough erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Jena.

Zwei, die sich verstehen – und das nicht nur fachlich: Ulrich S. Schubert , Direktor des Zentrums für Energie und Umweltchemie (CEEC) in Jena, erklärte John B. Goodenough die derzeitigen Projekte zur Batterieforschung.

Zwei, die sich verstehen – und das nicht nur fachlich: Ulrich S. Schubert , Direktor des Zentrums für Energie und Umweltchemie (CEEC) in Jena, erklärte John B. Goodenough die derzeitigen Projekte zur Batterieforschung.

Foto: Katja Dörn

Sein schallendes Lachen und sein pointierter Humor sind ansteckend, sein Geist ist zu beneiden. Und dann noch sein Alter. Diesen stolzen Lebensabschnitt zu erreichen, darüber wären viele froh.

Wer John Bannister Goodenough, 95 Jahre alt, zuhört, dem wird bewusst: Altersangaben sind Schall und Rauch, es kommt darauf an, was einen antreibt. Denn selbst mit Mitte 90 forscht der Materialwissenschaftler und Physiker weiterhin an der Universität von Texas in Austin.

Als John Goodenough die Nachricht erhielt, dass ihm die Universität in seiner Geburtsstadt Jena die Ehrendoktorwürde verleiht, zögerte er nicht und stieg vor wenigen Tagen in den Flieger. Zuvor hatte er schließlich auch einen Termin im französischen Bordeaux, erzählt er im feinsten Englisch.

Ein paar Sätze Deutsch lässt er ab und zu lachend einfließen, entschuldigt sich aber, dass er die Sprache nicht beherrscht. Denn aufgewachsen und studiert hat er in den USA.

Sein Vater Erwin, der 1922 in Oxford seine Promotion ablegte, vertraute vor 95 Jahren mehr der deutschen als der englischen Medizin. Also reiste er mit seiner Frau nach Jena, wo John Bannister zur Welt kam. Nur kurze Zeit später zog die Familie wieder aus Deutschland weg.

Seine Geburt ist exakt nachvollziehbar: Er erblickte am 25. Juli 1922, 16.16 Uhr, das Licht der Welt. Das hat ihm am Mittwochmittag Ekkehard Schleußner, Direktor der Geburtsmedizin am Universitätsklinikum, per Beweisstück gezeigt. Nach einem Bericht dieser Zeitung vor einem Jahr wurde Schleußner auf Goodenough aufmerksam und suchte die Geburtsdokumente aus dem Archiv des Klinikums heraus.

Zuletzt – und das erste Mal nach seiner Geburt – reiste Goodenough 1984 nach Jena, als er auf Einladung von Professor Adalbert Feltz einen Vortrag in der Sektion Chemie hielt.

Einer, der sich gestern besonders fachlich auf die Rückkehr des Jenaer Sohns gefreut hat, ist Ulrich S. Schubert, Direktor des Zentrums für Energie und Umweltchemie (CEEC) von der Universität Jena. Der Chemiker forscht an den Batterien der Zukunft und stellte dem fachlich versierten US-Amerikaner am Nachmittag unter anderem das Projekt der weltweit größten Batterie vor, die ausgehend von der Jenaer Forschung in Norddeutschland entsteht.

Goodenough hörte sich alles aufmerksam an, fragte nach und sagte schließlich verheißungsvoll in Richtung Presse: Seien Sie gespannt, in den nächsten fünf Jahren wird der Durchbruch in der Batterieforschung kommen.

Später am Abend wird Ulrich S. Schubert den 95-Jährigen als Erfinder des „Rückgrats“ von Lithium-Ionen-Batterien in seiner Laudatio würdigen. 1979 machte Goodenough die „bahnbrechende Erfindung“ im Bereich der Lithium-Ionen-Batterie (siehe Kasten).

Der Laudator hob Goodenoughs Forschung hervor, „die über beinahe sieben Dekaden wichtige Schritte zur Unabhängigkeit der modernen Gesellschaft von fossilen Brennstoffen gesetzt hat“.

Sechs Tage in der Woche, acht Stunden am Tag sitzt Goodenough heute noch in seinem Büro in der Universität von Texas in Austin. Er macht das um der Arbeit Willen, die er für wichtig hält, sagt er. Und schmerzlich für ihn: Seit seine geliebte Frau vor zwei Jahren starb, hält ihn zu Hause auch nicht viel.

Sage und schreibe 850 Publikationen und acht Bücher hat John B. Goodenough Zeit seines Lebens verfasst. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Um nur eine zu nennen: 2013 überreichte ihm US-Präsident Barack Obama die National Medal of Science – die größte Ehre für Wissenschaftler in den USA. Jährlich werden davon nur bis zu 20 verliehen.

Bekannt ist Goodenough dennoch nur in Fachkreisen. Die Ehrendoktorwürde der Jenaer Universität ist auch die erste, die ihm im deutschsprachigen Raum zuteil wird.

Seitens der Universität würde man zum 100. Geburtstag von John B. Goodenough eine große Party schmeißen. Grundsätzlich abgeneigt ist der Senior von der Idee nicht, zumal er auch gern bis dahin weiterarbeiten möchte – „so god will“. Es gehe alles ein bisschen langsamer als früher, aber allein reisen kann er weiterhin.

Und vielleicht wird dem 95-Jährigen bis dahin noch die Ehre zuteil, den Chemie-Nobelpreis zu bekommen. Dafür wird er seit langem als Favorit gehandelt.

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