Rothensteiner Tunnel wird am 25. August freigegeben

Marcus Voigt
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Stephan Saalfeld vom Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr vor dem Südportal des Tunnels Rothenstein.

Stephan Saalfeld vom Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr vor dem Südportal des Tunnels Rothenstein.

Foto: Marcus Voigt

Rothenstein.  Der Tunnel der neuen B 88- Umfahrung von Rothenstein wird am 25. August freigegeben. Autofahrer müssen aber zunächst langsamer unterwegs sein.

Der Tunnel der neuen B 88-Umfahrung von Rothenstein wird am 25. August für den Verkehr freigegeben. Das bestätigte Stephan Saalfeld vom Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr gegenüber dieser Zeitung. Die Fahrzeit von der A4-Anschlussstelle Jena-Göschwitz bis nach Kahla soll sich durch den Tunnel auf fünf Minuten reduzieren, gleichzeitig Rothenstein von täglich tausenden Fahrzeugen befreit werden.

Das 385 Meter lange Bauwerk war seit September 2018 errichtet worden. Geplant war ursprünglich, dass der Tunnel im Frühjahr oder Mitte 2021 fertiggestellt wird. Dass es über ein Jahr länger dauerte, lag vor allem an Problemen mit dem Gestein des markanten Felsens, durch den der Tunnel führt. Der Bau des Südportals in Richtung Kahla galt dabei als kritischste Phase und erforderte zahlreiche Umplanungen. „Aber wir müssen ja so bauen, dass das zuverlässig steht und wir nicht nach zehn Jahren wieder anfangen“, so Saalfeld. Auch die Corona-Pandemie sorgte für Verzögerungen im Bauablauf.

Deshalb und wegen der seit Jahren andauernden Preissteigerungen in der Baubranche liegen die Kosten für den neuen Tunnel nun bei circa 57 Millionen Euro – wobei die Schlussrechnung noch aussteht. Als es vor 20 Jahren die ersten Planungen für den Tunnel gab, seien Kosten von 24 Millionen Euro veranschlagt gewesen, so Saalfeld. „Und da können wir noch froh sein, dass wir nicht von den Auswirkungen des Ukraine-Krieges betroffen sind“, sagt er.

Wachdienst rund um die Uhr vor Ort

Derzeit läuft der Testbetrieb im Tunnel, am Mittwoch wurden die Markierungen auf die Fahrbahn aufgebracht. Circa 100 Meter der Dr. Striegler-Straße, die künftig als Zufahrt für die Rothensteiner Feuerwehr dient, sind fertig asphaltiert. Oberhalb des Tunnels laufen die Restarbeiten an einem Wirtschaftsweg von der Schulstraße zur Straße An der Trebe, der künftig Anliegern, der Landwirtschaft und Wanderern zur Verfügung stehen soll.

Damit es bis zur Tunnel-Freigabe am 25. August zu keinen Komplikationen mehr kommt, ist an beiden Tunnelportalen ein Wachdienst rund um die Uhr vor Ort. „Wir hatten unschöne Vorfälle wie Graffiti-Schmierereien oder Jugendliche, die Betonteile herumgeschmissen haben, und wollen einfach die im Tunnel verbaute Technik schützen“, sagt Saalfeld.

Vor der Freigabe werde es am gleichen Tag eine Festveranstaltung geben, aber keine Möglichkeit für Bürgerinnen und Bürger, den Tunnel zu besichtigen. Saalfeld bedauert, dass dies aufgrund der Corona-Pandemie nicht in früheren Bauphasen möglich gewesen sei.

Tempo 60 statt 80

Autofahrerinnen und Autofahrer werden den Tunnel in der Anfangszeit mit Tempo 60 statt Tempo 80 passieren können. „Zum einen sollen sie sich erst einmal an den Tunnel gewöhnen, zum anderen muss noch der Bitumfilm vom Asphalt heruntergefahren werden“, sagt Saalfeld. Eine Herausforderung sei auch, am 25. August den Verkehr von der bisherigen Umleitungsstrecke gefahrlos auf die Tunnelzufahrten zu lenken. „Das wird sich etwas ziehen“, so Saalfeld.

Für ihn selbst endet mit der Tunnel-Freigabe ein Projekt, dass ihn während seiner 20 Jahre beim Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr intensiv beschäftigt habe. „Das macht schon Freude, wenn man etwas Bleibendes geschaffen hat. Aber ich bin auch froh, dass es jetzt geschafft ist, denn viele graue Haare habe ich nicht nur wegen meines Alters bekommen“, so Saalfeld.

Ganz abgeschlossen ist für ihn das Rothenstein-Projekt aber nicht. Zeitgleich mit der Tunnel-Freigabe beginne der Rückbau der Umleitungsstrecke durch Rothenstein und Oelknitz, was auch mit einer Sperrung des Dorfangers verbunden sei. Perspektivisch soll zudem am Heizkraftwerk in Kahla ein neuer Knotenpunkt entstehen, um die Ampel an der Griesson-Kreuzung zugunsten eines dreistreifigen Ausbaus hin zum Südportal des Tunnels verschwinden lassen zu können. Dafür wartet Saalfeld aber noch auf eine Freigabe aus dem Bundesverkehrsministerium.