Stadt Jena forciert den Aktiv-Tourismus

Jena.  Deutschlandurlaub wegen Corona: Jena OB will Saalestadt zu einer erholungstouristischen Destination ausbauen.

Saale-Horizontale: Qualitätswanderweg mit Perspektive.

Saale-Horizontale: Qualitätswanderweg mit Perspektive.

Foto: Michael Groß

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Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) hat in seiner jüngsten Wochen-Videobotschaft auf der städtischen Internetseite Jenas touristische Maßstäbe neu eingenordet. Wenn wegen Corona der regionale Tourismus in deutschen Landen auf Hochtouren komme, möge Jena nicht nur an seinem traditionellen Tagungstourismus gemessen werden, so gab der OB zu verstehe. Auch in Jena gebe es eine erholungstouristische „Destination“ mit viel Potenzial: den Qualitätswanderweg Saale-Horizontale.

Ganz genau habe der OB da gewusst, was er sagt, merkte Stadtförster Olaf Schubert im Gespräch mit unserer Redaktion an. Schließlich sei ein Konzept zur „Naturerlebnis-Region“ als Beschlussvorlage bereits im Werkausschuss des Eigenbetriebes Kommunalservice KSJ wie auch im Naturschutzbeirat bestätigt worden. Er erhoffe sich noch vor der Sommerpause die abschließende Zustimmung des Stadtrates, sagte Schubert.

All dies weist nach seiner Beschreibung auf die derzeit noch mit 71 Kilometern bemessene Saale-Horizontale rund um Jena hin, die demnächst neuerlich als Qualitätswanderweg nachzertifiziert werden soll. Dabei dränge es sich auf, in den Panorama-Wanderweg Saale-Horizontale einige „Highlights zu integrieren“, sagte der Stadtförster.

Gibt’s so noch nicht auf der Welt

Tatsächlich fließt hier vieles trefflich ineinander: Nach vielen Jahren der Konzept- und Lobby-Arbeit des Stadtforsts war 2019 der 1,88-Millionen-Zuschuss des Thüringer Umweltministeriums für den Aufbau des Naturerlebniszentrums auf dem Schottplatz in Sack und Tüten; Baubeginn soll noch im Herbst 2020 sein. Und hier biete es sich an, den Qualitätswanderweg von der Papiermühle in Jena-West aus bis zum Schottplatz um fünf, sechs Kilometer zu verlängern, so sagte Schubert. Einerseits. Andererseits habe sich am Jenzig der tourismuspreisgekrönte Saurier-Pfad mit seinen Erläuterungen im Digital-Format als wahrer Hit erwiesen.

Das gab nach Darstellung des Stadtförsters den Anstoß für die Planung weiterer digitaltechnisch flankierter Wege, die mit der Saale-Horizontale zusammenlaufen: der Naturlehrpfad „Schlauer Ux“ als „attraktive Zuwegung“ zum Schottplatz; der „Pfad der Ottonen“, der den Fuchsturm als Symbol der einstigen Kaiser- und Königspfalz ins Licht rückt; der Napoleonpfad, der gedanklich zur Schlacht bei Jena von 1806 führt. Die Finanzierung ist hier zu 80 Prozent mit dem 536.000-Euro-Zuschuss des Wirtschaftsministeriums gesichert.

Schubert sieht somit die Chance, dass die Besucher „nicht in großen Scharen kreuz und quer durch die Natur laufen“, sondern ein „Erlebnis auf hochwertigem Niveau haben“. Wohl entwickle sich hier ein Angebot, „das es so auf der Welt noch nicht gibt“, sagte er. Damit gewinne Jena „einen Vorsprung durch Technik“, ohne dass das Hauptziel der Umweltbildung aus dem Blick gerate.

Jena will beim Aktiv-Tourismus zulegen

Zugegeben, der Aktiv-Tourismus sei in den Jenaer Strategie-Papieren „immer bisschen hinten runtergefallen“, sagte Carsten Müller, Vize-Chef des Eigenbetriebes Jenakultur und verantwortlich für die touristische Vermarktung der Stadt. Nicht zuletzt wegen Corona hätten das „alle als klares Signal begriffen“: Wolle Jena seine Anziehungskraft stärken, müsse beim Aktiv-Tourismus zugelegt werden.

Müller sucht aber den größeren Zusammenhang, denkt an die dringliche Kooperation mit den Tourismusverbänden Saaleland und Saale-Unstrut. Und er fragt, wie etwa die „interessante Zielgruppe“ der Radtouristen besser in Jena anlanden kann. Wann seien zum Beispiel ein „Bike-Port“ konzipiert und Verträge mit Fahrradwerkstätten gesichert? Und: Wie stellen sich Hotels auf den Aktiv-Tourismus ein? „Für die ist das auch ein Wechsel.“

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