„Schiri unter aller Sau“: FC Carl Zeiss Jena fühlt sich gegen FSV Zwickau im falschen Film

Zwickau  Dritte Liga: Nach der 0:2-Niederlage beim FSV Zwickau hadert der FC Carl Zeiss Jena vor allem mit dem Schiedsrichter.

Torhüter Jo Coppens (links) muss aufmunternde Worte für Maximilian Weiß finden.

Torhüter Jo Coppens (links) muss aufmunternde Worte für Maximilian Weiß finden.

Foto: Gabor Krieg/Picture Point

„Von vorne bis hinten muss man heute sagen, dass der Schiri unter aller Sau war.“ Stürmer Julian Günther-Schmidt machte nach der 0:2-Niederlage beim FSV Zwickau am Sonntag vor 7342 Zuschauern seinem Unmut Luft. Es war nicht allein die Tatsache, dass Referee Michael Bacher einige strittige Entscheidungen zuungunsten des FC Carl Zeiss traf. Er verweigerte Stürmer Günther-Schmidt und anderen Jenaer Kickern nach Spielende auch den versöhnlichen Handschlag. „Das sagt alles zum Charakter des Schiedsrichters. Der stand heute über allen Dingen.“

Auch Trainer Lukas Kwasniok machte den Schiri zum Hauptthema nach der vierten Niederlage im vierten Saisonspiel. Er hatte eine von insgesamt sechs Gelben Karten der Jenaer erhalten, zu der noch glatt Rot für Pflichtspiel-Debütant Maximilian Rohr kam (82. Minute). „Wie Tiere“ würden die Trainer mittlerweile in der Coaching-Zone gehalten, kritisierte Kwasniok. Die Verantwortlichen dürften keine Emotionen mehr zeigen und würden „für jeden Mist“ mit Gelb oder Rot bestraft. „Die neuen Regeln sind schwer nachzuvollziehen“, meinte auch Zwickaus Coach Joe Enochs, der Verständnis für den Unmut von Kwasniok zeigte. Jenas Trainer habe zwischenzeitlich den Eindruck gehabt, „im falschen Film zu sein“.

Dabei hatte der FCC-Coach durchaus Grund zur Freude, zeigten sich seine Mannen doch stark formverbessert gegenüber dem 0:2 am Dienstagabend gegen Eintracht Braunschweig. Nach anfänglichen Problemen setzten die Thüringer die Spielidee vom Ballbesitz nämlich hervorragend um und erarbeiteten sich in der ersten Halbzeit zahlreiche gute Chancen, die aber allesamt ungenutzt blieben. „Wenn wir die machen, sieht alles ein bisschen anders aus“, meinte Eroll Zejnullah. Der zweitligaerfahrene Mittelfeldspieler, erst am Freitag verpflichtet, gab wie Rohr sein Pflichtspiel-Debüt für den FC Carl Zeiss. Ein ordentliches, ohne Frage. Aber: „Ich erwarte noch mehr von mir, da ist viel mehr Luft nach oben.“

Video: So sieht FC Carl Zeiss-Trainer die Niederlage gegen Zwickau

Doch die vergeblichen Jenaer Angriffsbemühungen und ein folgenschwerer Pfiff von Referee Bacher stellten den Spielverlauf auf den Kopf. Als Marius Grösch nach einem unberechtigten Freistoß für Zwickau im eigenen Strafraum zu Fall kam und FSV-Torjäger Ronny König über ihn fiel, zeigte Bacher auf den Punkt. Dass Grösch die Hände an König hatte, war für Trainer Kwasniok ein Schutzreflex, „weil da gleich ein 100-Kilo-Mann auf einem landet“. Über den Elfer könne man streiten, der Freistoß davor sei aber völlig unberechtigt gewesen.

Letztlich störte das Zwickaus Fabio Viteritti nicht, der cool zur Führung für die Gastgeber kurz vor der Pause traf (42.). Zwickaus Bester stand auch beim zweiten großen Aufreger der Partie im Mittelpunkt. Rohr, den Kwasniok „ein fantastisches Spiel“ bescheinigte, versuchte als letzter Mann gegen Viteritti in der 82. Minute zu klären. Der geriet ins Stolpern, machte aber weiter und scheiterte dann an Jenas Keeper Jo Coppens. „Wie das so ist, wenn man unten steht, kommt man in einen Strudel rein, dass alles gegen einen läuft“, haderte Zejnullah. Referee Bacher zeigte Rohr für die Aktion nämlich glatt Rot. Kurios: Der ehemalige Oberliga-Spieler musste schon die ersten drei Partien zuschauen, weil er eine Sperre aus der Vorsaison absitzen musste. „Jetzt müssen wir schon wieder auf ihn verzichten“, ärgerte sich Kwasniok, der seinen Schützling aber keinen Vorwurf machen wollte. Der eingewechselte Marius Hauptmann sorgte in der Nachspielzeit (90. + 1) für die Entscheidung für Zwickau.

Unruhe-Diskussionen schob Kwasniok nach der vierten Niederlage im vierten Spiel aber umgehend einen Riegel vor: „Das Schöne bei uns ist, dass sowohl Vorstand, der Investor, die Mannschaft als auch das Trainerteam, der gesamte Staff von diesem Weg überzeugt sind. Deshalb entsteht bei uns innerhalb des Vereins keine Unruhe.“ Glaube und Überzeugung sei der Weg zum Erfolg. Und die habe sein Team in Zwickau ausreichend gezeigt. Nun sei ein Weiterkommen im Landespokal am Freitag (18 Uhr) in Schleiz Pflicht, ehe in zwei Wochen gegen Aufsteiger Waldhof Mannheim die guten Spielansätze auch endlich in Punkte umgemünzt werden sollen.

Spieler-Zeugnis

Coppens 2,5 Kircher 3,0 Rohr 3,0 Grösch 3,5 Sarr 3,5 Hammann 3,0 Eckardt 3,0 Gabriele 3,5 Zejnullahu 3,5 Käuper 4,0 Günther-Schmidt 3,0 Skenderovic (ab 68. Minute) 4,0 Weiß (ab 85. Minute) - Pagliuca (ab 85. Minute) -

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