Gefragter Nah-Versorger

Schkölener: Supermarkt nicht ohne Hilfe

Schkölen.  Paulus Nettelnstroths Engagement hält Einkaufsmarkt in der Stadt – Von dort erwartet er mehr Engagement

Der Schkölener Supermarkt Nahkauf gehört über eine stille Teilhabe Paulus Nettelnstroth. Der Unternehmer sorgt damit bewusst den Standort attraktiv halten und dafür sorgen, dass sich auch das Seniorenwohnen lohnt.

Der Schkölener Supermarkt Nahkauf gehört über eine stille Teilhabe Paulus Nettelnstroth. Der Unternehmer sorgt damit bewusst den Standort attraktiv halten und dafür sorgen, dass sich auch das Seniorenwohnen lohnt.

Foto: Florian Girwert

Es ist der Abend vor der jüngsten Stadtratssitzung Ende Oktober. Die Dämmerung hat bereits eingesetzt. Schnell noch in den Supermarkt, ehe die Sitzung losgeht. Ein Happen zum Kauen, etwas zu Trinken. Zu dieser Zeit müssen die Leute vor der Kasse warten, die Nachfrage ist hoch. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, dass der Nahkauf-Supermarkt in Schkölen überhaupt dort ist, wo er jetzt ist. Unser Leser Erwin Ponert hat unserer Zeitung deshalb geschrieben. Als 2015 Angebote verschwunden seien, „entstanden bei den Bürgern der Einheitsgemeinde, die nicht mobil waren, erhebliche Probleme bei der Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs.“ Zu dieser Zeit habe sich für das Problem in der Politik vor Ort niemand interessiert.


Ohne Engagement von Paulus Nettelnstroth wäre die Lage wohl heute anders. Der Gründer der Firma Nestro, die im Ortsteil Hainchen residiert, ergriff damals die Initiative: „Der Laden muss bleiben“, sagt er. Wolle Schkölen sich weiter entwickeln, brauche es Einzelhandel. Der kann sich in Schkölen eigentlich sehen lassen – es gibt Bäckerei, Konditorei, Apotheke, Blumenhändler, Dienstleister. „Imbiss und Friseur sind da, aber auch ein Nahversorger muss sein“, so Nettelnstroth, der das Engagement auch im Sinne des Gemeinwohls sieht. Er findet, die Stadt selbst müsse sich an der Stelle mehr kümmern.

Der Unternehmer kann, was die Stadt nicht darf

Im Sommer hat sich in dem kleinen Gebäudekomplex ein orientalischer Imbiss angesiedelt. „Auch der funktioniert gut.“ Der Nahkauf selbst habe Anschubhilfe gebraucht, um die Nachfrage zu steigern. Von Frühjahr bis Spätherbst werden Tomaten verkauft, die bei der Gemüseproduktion Schkölen wachsen. „Das machen wir dreimal pro Woche – und es geht richtig gut. Manche kommen deshalb sogar aus größerer Entfernung zu uns“, sagt er. Zudem verkaufe der Imbiss im Markt etwa anderthalb Dutzend Mittagessen pro Tag. Das umfassende Angebot mit Handel und Dienstleistungen sei nötig, wenn Schkölen Altersresidenz im Kreis werden und bleiben wolle.

Zu den Mittagskunden gehört nach eigenen Angaben auch Schkölens Bürgermeister Matthias Darnstädt. „Der Markt ist wichtig für den Ort“, findet er. Man sei Nettelnstroth dankbar für das Engagement. „Denn es spielt bei der Entscheidung, ob jemand zu uns zieht oder nicht, eine wichtige Rolle, ob es einen Einkaufsmarkt gibt.“ Dass die Stadt das Problem nicht gelöst habe und deshalb der Unternehmer ran musste, will er nicht gelten lassen: „Wir sind kein Unternehmen.“ Nettelnstroth habe auf eigenes Risiko handeln können, das dürfe die Stadt nicht. Dieses Hemmnis dürfte ein Grund dafür sein, dass aus vielen anderen kleinen Orten auch der letzte Händler verschwunden ist, Verluste kann der Steuerzahler nicht einfach ausgleichen.

Mitarbeiter-Gutscheine als Umsatzhebel

Doch wie sind Unternehmer und Supermarkt noch verbunden? Den derzeit 180 Nestro-Mitarbeitern gehen mit ihrem Gehalt monatlich auch 30-Euro-Gutscheine für den Schkölener Supermarkt zu, die steuerfrei sind und nur im Nahkauf eingelöst werden können – und die die Mitarbeiter doppeln müssen. Das sind pro Monat immerhin 11.200 Euro möglicher Umsatz – und die können Hebel für höhere Ausgaben sein.

Das Gebäude gehört Nettelnstroth. „Gekauft habe ich das vor einigen Jahren, weil es damals verpachtet war“, erinnert er sich. Dann habe die Marktinhaberin wegen privater Umstände aufgehört – und die Schkölener Einkaufsmarkt GmbH sprang ein, für die heute drei Vollzeit-Mitarbeiter, vier Teilzeit-Kräfte und eine Aushilfe tätig sind, wie Geschäftsführerin Nancy Schlegel sagt. Nettelnstroth ist in der Firma stiller Gesellschafter und kommt damit auch für mögliche Verluste auf. Die sollen möglichst nicht anfallen: „Aktuell kommen zu wenige Leute zum Einkaufen“, sagt Nettelnstroth. Wie Erwin Ponert wünscht er sich, dass das Angebot mehr genutzt wird.

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