Schülerinnen sind schneller als Jenas Stadtpolitik

Von Jördis Bachmann
| Lesedauer: 3 Minuten
Die beiden 17-jährigen Abiturientinnen Helene Flohrer (links) und Charlotte Meynhardt haben Sponsoren gewonnen, um den Schülerinnen am Angergymnasium „kostenfreies Menstruieren“ zu ermöglichen. Auf den Schultoiletten finden sich nun Tampons und Damenbinden.

Die beiden 17-jährigen Abiturientinnen Helene Flohrer (links) und Charlotte Meynhardt haben Sponsoren gewonnen, um den Schülerinnen am Angergymnasium „kostenfreies Menstruieren“ zu ermöglichen. Auf den Schultoiletten finden sich nun Tampons und Damenbinden.

Foto: Jördis Bachmann

Jena.  Helene Flohrer und Charlotte Meynhardt haben Sponsoren gewonnen, um am Angergymnasium kostenfreie Monatshygiene zur Verfügung zu stellen – sie wollen ihr Projekt „Power To The Period“ weiter ausbauen.

Sie sind der Jenaer Stadtpolitik bereits ein großes Stück voraus. Was die Jenaer SPD-Fraktion mit einer Beschlussvorlage in der jüngsten Stadtratssitzung forderte, haben die beiden 17-jährigen Abiturientinnen Helene Flohrer und Charlotte Meynhardt bereits umgesetzt. Sie haben unter dem Projekttitel „Power To The Period“ auf eigene Faust Sponsoren gefunden, die kostenfreie Monatshygiene für alle Schülerinnen des Angergymnasiums zur Verfügung stellen.

Während das Thema kostenfreie Monatshygiene auf städtischen Toiletten beispielsweise in Verwaltungsgebäuden, Museen, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie auch in kommunalen Schulen nun durch die Gremien wandert bevor ein Stadtratsbeschluss fällt und die Sache möglicherweise in die Umsetzung geht, hängt auf der Schultoilette des Angergymnasiums bereits ein Tampon-Spender und in einem kleinen Behälter findet man Binden. Im Oktober 2021 hatten die beiden jungen Frauen das Projekt gestartet, bereits im Januar diesen Jahres hing der Spender an der Wand.

Jede menstruierende Person, so erklären die beiden Initiatorinnen, könne sich nun kostenfrei an den Monatshygieneartikeln bedienen. „Wir streben eine Gleichberechtigung an“, sagt Charlotte Meynhardt. „Frauen haben neben dem Toilettenpapier nun mal noch weitere Hygieneartikel nötig. Die Männer würden sich ja auch wundern, wenn es plötzlich kein Papier mehr auf den Toiletten gebe.“

Edeka und DM als Sponsoren

Im Bedarfsfall habe es bereits vorher die Möglichkeit gegeben, im Sekretariat der Schule oder bei der Schulsozialarbeiterin Monatshygieneartikel zu erhalten. „Doch gerade bei den jüngeren Mädchen ist das Thema noch immer an ein Schamgefühl gekoppelt. Viele möchten nicht danach fragen müssen“, so Helene Flohrer. Für die beiden Schülerinnen war klar, dass die Bereitstellung dieser Hygieneartikel eine Selbstverständlichkeit sein muss, sie gingen aus fester, innerer Überzeugung das Thema deshalb selbst an.

Die „erste Charge“ an Hygieneprodukten habe der Edeka Jakobi in Jena-Ost zur Verfügung gestellt. „Später haben wir in den Jenaer Drogeriemärkten nachgefragt und Unterstützung im DM am Teichgraben gefunden“, so Charlotte Meynhardt. Regelmäßig – etwa einmal im Quartal – erhält das Angergymnasium nun kostenfrei Hygieneartikel. „Der Hausmeister der Schule schraubte uns den Tamponspender an die Wand und fertig.“

Doch die Abiturientinnen wollen an dieser Stelle nicht Halt machen. „Wir möchten das Projekt natürlich gern auf alle weiterführenden Schulen der Stadt ausweiten“, so Flohrer. „Wir haben bereits mit den Schulsprechern anderer Schulen Kontakt aufgenommen, um einen Impuls zu setzen“, so Charlotte Meynhardt. Die größte Schwierigkeit sei hier die Finanzierung. Die bisher gefundenen Sponsoren könnten zwar eine Schule unterstützen, aber nicht alle Jenaer Schulen. Falls der Jenaer Stadtrat die Beschlussvorlage der SPD annehmen sollte, könnte sich das Finanzierungsproblem erübrigen. Aber möglicherweise sind die Jenaer Schüler mit ihrer Eigeninitiative auch schneller.

Der Nachhaltigkeit verpflichtet

Auch dem Nachhaltigkeitsgedanken fühlen sich Helene Flohrer und Charlotte Meynhardt verpflichtet. Doch bis sich Produkte wie die wiederverwendbare Menstruationstasse in der Breite durchgesetzt haben, müsse man den Frauen zunächst ein kostenfreies Angebot machen, erklären die Projekt-Initiatorinnen. Sie seien derzeit im Gespräch mit einem Hersteller von Bio-Tampons, um zumindest nachhaltigere Produkte zur Verfügung zu stellen.

Erst kürzlich hat Helene Flohrer übrigens gemeinsam mit Anika Schneidewind, die ebenfalls das Angergymnasium besucht, beim Landeswettbewerb „Jugend forscht“ einen Sonderpreis für ihr Projekt zur Bewältigung von negativem Stress mit Naturheilmitteln gewonnen. Und auch Charlotte Meynhardt hat bereits Erfolge bei „Jugend forscht“ erziehen können. Nach dem Abitur wollen beide Medizin studieren.