Science-City-Geschäftsführer Eberlein über die neue Saison, den Abstieg und Roster

Jena  Am Sonntag können die Basketball-Anhänger in der Sparkassen-Arena das runderneuerte Team von Sience City im Test gegen Paderborn erleben. Geschäftsführer Lars Eberlein wird dann wieder am Rost stehen.

Science-City-Geschäftsführer Lars Eberlein.

Science-City-Geschäftsführer Lars Eberlein.

Foto: Christoph Worsch

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Im vergangenen Jahr gingen sechshundert Roster durch ihre Hände. Und das im Wortsinn? Wie es „Rummelsnuff“ in ihrem Song Bratwurstzange fordern?

An dem großen Rost in der Arena geht das nicht so einfach. Ich nehme auch schon mal die Zange und drehe die Roster.

Rechts und links und raus?

Ein paar Mal drehe ich die Roster und dann sind sie lecker. Aber die Hitze am Rost ist riesig, ich habe heute noch zwei Brandstellen vom letzten Jahr. Diesmal nehme ich eine Lederschürze.

Kulinarisch gesehen kann also nichts anbrennen. Wie schaut es sportlich aus – mit Blick auf die ProA-Saison?

Wir haben eine deutlich verjüngte Mannschaft zusammen. Sie hat Charakter, trainiert extrem hart und fokussiert. Zum Auftakt am 22. September geht es nach Rostock, einem der Favoriten in der ProA.

Ist nicht Science City die Mannschaft, die sofortigen Wiederaufstieg in die erste Bundesliga angehen sollte?

Sportlich ist die BBL eine große Herausforderung. Wirtschaftlich ist die ProA aktuell für uns besser zu händeln. Wir haben den Wiederaufstieg im Blick, aber er ist in dieser Saison kein Muss. Der Abstieg aus der BBL schmerzt noch immer, hätte nicht passieren dürfen – er kam zur Unzeit.

Ein Abstieg passt doch nie.

Sicher, aber ich der vergangenen Saison hatten sich die Rahmenbedingungen in der BBL geändert, ein Mindestetat von drei Millionen Euro musste nachgewiesen werden. Wir haben viele Projekte angeschoben, in die Struktur investiert, in den Vertrieb, in den Nachwuchs, in Trainerstellen. Wie der Bauer müssen auch wir erst die Saat kaufen, um dann die Ernte einfahren zu können. Wir hätten den Etat hinbekommen, wenn wir die Klasse gehalten hätten. Die Ernte wäre gut gewesen.

Mit dem Abstieg in die zweite Bundesliga kam dann alles auf den Prüfstein. Gab es einen Kahlschlag?

Nein, den gibt es nicht. Wir halten an unseren Projekten fest, denken nicht von Saison zu Saison, sondern langfristig. Und dafür braucht es die angeschobenen Maßnahmen.

Was sind Projekte, die Science City angeschoben hat?

Unsere zweite Mannschaft soll mittelfristig in die Pro B aufsteigen, damit sich unsere Top Talente noch besser entwickeln können. Dazu haben wir eine Kooperation mit den Basketballvereinen in Weimar beschlossen und werden kommende Saison in Weimar spielen. Zusätzlich haben wir eine extra Stelle im Nachwuchs mit einem hauptamtlichen Jugendkoordinator geschaffen, um insbesondere den Leistungsbereich noch weiter zu professionalisieren. In Weimar haben wir auch einen hauptamtlichen Jugendtrainer Vorort, gleiches planen wir auch in Gera. In der Geschäftsstelle haben wir eine weitere Vollzeitstelle im Vertrieb/Marketing besetzt. Hinzu kommen Projekte wie unser neues E-Sports-Team und das Thema Merchandising, das wir künftig selber koordinieren und einen Online-Shop aufbauen. Auch unser Außenauftritt wie zum Beispiel das Logo wird künftig runderneuert sein.

Die U-16-Mannschaft ist im Vorjahr Vizemeister geworden.

Ein schöner Erfolg und ich hatte sogar gehofft, dass wir im Endspiel den FC Bayern schlagen können. Aber aus dieser Mannschaft und unseren anderen Nachwuchsteams sollen Spieler kommen, die einmal für uns in der ProA oder der BBL spielen können. Wir investieren damit viel Geld in die Zukunft. Bei Science City haben wir über zwanzig Jugendtrainer, vier sind davon sogar hauptamtlich plus Marius Linartas, der für das Individualtraining verantwortlich ist und die zweite Mannschaft coachen wird. Wir wollen als Verein wachsen – über Jena hinaus, die Kinder für den Basketball begeistern. Ich war beim Training und es ist eine Freude zu sehen, mit wie viel Spaß die Kids unseren Fahrdienst nutzen, aus den Bussen steigen und sich aufs Training freuen.

Marius Linartas war ja anstelle von Björn Harmsen schon Trainer der BBL-Mannschaft.

Björn hatte zum Ende der Saison sein Amt zur Verfügung gestellt und wir waren froh, dass Marius eingesprungen ist. Wir hatten fünf sehr gute Jahre, mit dem Aufstieg, mit dem Klassenerhalt. Aber der Vertrag mit Björn hat sich durch den Abstieg aufgelöst. Wir haben nach der Saison mit allen Entscheidungsträgern die Situation bewertet und uns in Folge dann für Frank Menz als neuen Headcoach entschieden. Es war keine leichte Entscheidung, aber am Ende die Mehrheit.

Warum Frank Menz?

Frank kennt Jena und unseren Verein, er war ja hier schon Trainer. Er ist ein akribischer Trainer, er dreht jeden Stein um, fordert sehr viel, hat aufgrund seiner Aufgaben als Nationaltrainer ein exzellentes Netzwerk.

Ist das auch ein Grund, warum Science City keinen bezahlten Sportdirektor hat?

Wir sind bisher immer gut damit gefahren, dass der Trainer als Sportdirektor in Personalunion auch seine Spieler aussucht. Ein eigener Sportdirektor ist ja auch eine Geldfrage. Das wollten wir bisher einsparen.

Wie hoch ist denn der Etat in der neuen Saison?

Wir planen mit 2,4 Millionen Euro. Noch sind nicht alle Gespräche mit den Sponsoren beendet, vielleicht haben wir sogar noch mehr Geld zur Verfügung und könnten noch einen Spieler verpflichten.

Gibt es eine Wunschposition?

Wir sind in der Defensive gut aufgestellt, auch auf den großen Positionen. Aber ein richtiger Scorer, der auch den Korb attackieren kann, könnte uns noch helfen.

Sie sehen Jena nicht als Topfavorit der neuen Saison?

Das ist Chemnitz und es gibt sieben, achte Vereine, die sportlich auch für den Aufstieg in Frage kommen – dazu zähle ich uns. Wir sind nicht der Top Favorit.

Und im Falle eines Aufstiegs?

Dann müssen wir bereit sein, müssen uns so weiter entwickelt haben, dass wir vom Etat her, von der Struktur her, nicht vom ersten Spiel an gegen den Abstieg spielen müssen. Die 3 Millionen reichen nicht, wir wollen mehr erreichen.

Testspiel: Jena – Paderborn, Sonntag, 15 Uhr

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