Singerwäldchen ausgelichtet

Forstarbeiten im Mühltal an der Bahnlinie abgeschlossen. Mit der Fällung von Fichten und anderen Starkbäumen beginnt dort der Umbau zu einem naturnahen Laubwald.

Auslichtung im Singerwäldchen

Auslichtung im Singerwäldchen

Foto: zgt

Jena. Das Singerwäldchen im Mühltal unterm Tatzend ist nach dem Jenaer Oberbürgermeister Heinrich Singer benannt, der von 1889 bis 1912 amtierte und unter dessen Regie das damals noch außerhalb der Stadt liegende Flurstück aufgeforstet wurde. Dem Zeitgeschmack entsprechend wurden dazu Fichten verwendet. Über 100 Jahre später hat auch an ihnen der "Zahn der Zeit" genagt: Viele von ihnen sind, ohne dass dies äußerlich erkennbar ist, von Fäulnis befallen. Dies war ein wesentlicher Grund dafür, auch im Singerwäldchen den Umbau des Stadtforstes in Angriff zu nehmen. Mit der ungestörten Waldidylle war es deshalb in den letzten Wochen für Anlieger und Wanderfreunde vorbei. Kreischende Sägen, schwere Forstfahrzeuge und Holzabfuhr in Containern statt Frühlingsgezwitscher der Vögel. An zahlreichen Stellen ist das Waldstück noch gezeichnet von den Eingriffen, verschont blieb partiell auch nicht die Fortstraße Am Tatzend.

Stadtförster Olaf Schubert erklärte, dass es das Ziel sei, aus diesem "nicht standardgerechten" Wald wieder einen naturnahen Laubwald zu machen, wie er typisch sei für Jena und die Region. Der Umbau sei aber nicht zu bewältigen, indem lediglich die nicht hineinpassenden Fichten gefällt und aufgeforstet würde. "Ein solcher Umbau dauert 30 bis 50 Jahre, wir haben hier nur den Anfang gemacht."

Begonnen hatte es schon in den 90er-Jahren, als durch einen Sturm flächig Fichten umgeworfen wurden und die Fläche beräumt werden musste. Seither sind, so zum Beispiel nahe der Bahnlinie, immer wieder auch Bäume aufgrund der Verkehrssicherungspflicht zu fällen. Bestandteil des Auslichtens, mit dem Platz geschaffen werde für den Bewuchs durch Laubhölzer, sei aber auch die gezielte Regulierung der Lichtverhältnisse. Aus diesem Grund seien auch Starkbäume, darunter Buchen, zu fällen, dies wiederum in einem "Spagat" zwischen Naturschutz und der notwendigen Bewirtschaftung des Waldes. "Wir alle wollen nicht, dass die tropischen Wälder abgeholzt werden, das heißt aber, dass unter Beachtung ökologischer Grundsätze auf das ’Holz vor der Tür’ zurückgegriffen werden muss", so der Stadtförster.

Die Spuren der Eingriffe werden nur zum Teil beseitigt, so vor allem an den von Anliegern und Wanderern begangenen Stellen. Den Rest hole sich die Natur zurück – "das wird die nächste Humusschicht".

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