Stadt Jena hammerhart: Bitte zahlen oder Bank wird abgewrackt!

Jena.  Jenaer Bankkrise: Ein Brief des KSJ überrascht Stifter Jahre nach ihrer guten Tat - Verwaltung verweist auf laufende Kosten durch gestiftete Bänke.

Eine Stifterbank am Wegekreuz beim Gembdenbach: Nach Ablauf von sechs Jahren steht bei dieser und weiteren Bänken der Rückbau an. An Regentagen ist dies für Fußgänger verkraftbar.

Eine Stifterbank am Wegekreuz beim Gembdenbach: Nach Ablauf von sechs Jahren steht bei dieser und weiteren Bänken der Rückbau an. An Regentagen ist dies für Fußgänger verkraftbar.

Foto: Thomas Beier

Nach der Bankenkrise von 2008 steuert Jena auf eine Bankkrise zu: Viele Jenaer haben in den vergangenen Jahren Sitzbänke für Parks und Wegesränder gestiftet. Der prominenteste Stifter war der frühere Oberbürgermeister Albrecht Schröter (SPD), der auf mehr als zehn Stifterbänke kam. Sabine Teichgräber und ihre Familie taten es ihm nach und stifteten den Schwiegereltern zum 75. Geburtstag eine Bank in Jena-Ost. Nun erhielt die Familie einen Brief vom Kommunalservice (KSJ), in dem das Abwracken ihrer Bank angekündigt wurde. Es sei denn, die Stifter zahlen erneut Geld.

Den Text las die Jenaerin jetzt in der Bürgerfragestunde des Stadtrates vor, so überrascht war sie: „Die sechsjährige Periode Ihrer Stifterbank am Ostbad läuft aus. Ich möchte Sie deshalb fragen, ob Sie Interesse an einer kostenpflichtigen Verlängerung der Standzeit haben, falls nicht, wird die Bank durch uns zurückgebaut.“ 600 Euro sollte sie zunächst zahlen. Dabei ist die Bank in einem guten bis sehr guten Zustand. Teichgräber geht davon aus, dass viele Stifter solch einen Brief bekommen. Teichgräber fragte deshalb: „Warum wird das Engagement von Bürgern auf diese Art und Weise zurück gedrängt?“

Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD) sagte, dass eine Stifterbank in der Regel nicht mehr als sechs Jahre halte, dann sei sie verschlissen. Aufgabe des KSJ sei es, die Bänke jährlich auf Sicherheit und den allgemeinen Zustand zu prüfen. Dabei werde auch auf das Umfeld geschaut. Eine gestiftete Bank verursache damit auch laufende Kosten nach ihrer Aufstellung. Neben der Beseitigung von Vandalismus-Schäden gehörten auch Rasenmähen und Müllbeseitigung im Umfeld dazu. So erkläre sich die erneute Bitte um Geld.

Sabine Teichgräber konnte hier erwidern, dass die Familie über eine Tischlerei selbst die Holzbohlen an der Bank aufgeschraubt habe. „Ohne dass dies erwartet wurde, haben wir das Holz alljährlich neu gestrichen, hin und wieder den reichlich anfallenden Müll rund um den beliebt gewordenen Aufenthaltsort beseitigt und auch gemäht, wenn dass Gras zu hoch war.“

Alt-OB und Bankstifter Schröter ist dieser Formalismus fremd

Jenas Alt-OB Albrecht Schröter, der Initiator der Stifterbank-Aktion, sagte der Redaktion auf Nachfrage, dass es zu seiner Amtszeit keine Festlegung gab, dass die Bänke nach sechs Jahren wieder entfernt werden. Der Formalismus erschließe sich ihm auch nicht. Unabhängig von Unterhaltungsaufwand stelle jede Bank doch eine Mehrung des Gemeindeeigentums dar und sei gut für die Menschen.

Unbeantwortet blieb im Stadtrat die Frage, warum die Möglichkeit zur Stiftung von Bänken nicht mehr auf der städtischen Internetseite erwähnt wird. 600 Euro, also 100 Euro pro Jahr, war einst der Preis. Rathaus-Sprecher Kristian Philler bestätigte auf Zeitungsnachfrage, dass diese Möglichkeit zum Stiften einer Bank weiterhin besteht.

Damit es nicht zu einer größeren Bankkrise im Stadtgebiet kommt, sagte der Bürgermeister im Stadtrat zu, dass er mit dem KSJ über eine andere Verfahrensweise reden wolle. Denkbar sei ja, gut erhaltene Bänke nach dem Ende der Stifterzeit ins Stadtmobiliar zu übernehmen. Sabine Teichgräber fände das gut und würde sich - bei der Schwiegerelternbank - weiterhin um die Holzpflege kümmern, um Jena zu entlasten.