Streng geschützte Heuschrecke fühlt sich in Göschwitz zu wohl

Jena  Eine streng geschützte Heuschrecke fühlt sich am Bahnhof in Jena-Göschwitz wohl. Deshalb werden nun Freiflächen am Bahnsteig mit Folie abgedeckt.

Das Ödlandschrecken-Revier am Bahnhof Jena-Göschwitz:

Foto: Thomas Beier

Kleine Tiere haben schon die größten Bauprojekte verzögert. Dazu soll es beim für das Jahr 2020 geplanten Neubau der Bahnsteige 1, 2 und 3 in Jena-Göschwitz nicht kommen. Deshalb wurde jetzt eine Freifläche zwischen den Bahnsteigen 3 und 4 so drapiert, dass sich die Blauflüglige Ödlandschrecke dort auf gar keinem Fall ansiedeln kann.

Die Ödlandschrecke hat die Bahnstrecken am IC-Knoten nämlich bereits für sich entdeckt. Und weil die besonders geschützte Heuschreckenart in der Roten Liste steht, ist das keine Kleinigkeit.

„Der Schwerpunkt ihres Vorkommens liegt zwischen den Prellböcken der Stumpfgleise 18 bis 21 und dem Fußweg zum Bahnsteig 6 sowie zwischen Bahnsteig 4 und Bahnsteig 5“, schreibt Diplom-Biologe Thomas Kling in seinem Umweltplanerischen Fachbeitrag für das Planfeststellungsverfahren. Die genannten Bereiche lägen zwar alle außerhalb des Baufeldes. Doch vereinzelt wurden auch schon Ödlandschrecken an Stellen gesichtet, auf denen demnächst Baucontainer stehen und Materialien lagern sollen. Die Tiere wären unter diesen Bedingungen in Lebensgefahr.

Der Flächeneigentümer Deutsche Bahn hat deshalb eine Firma beauftragt, das Areal nördlich vom Empfangsgebäude ­vorübergehend mit einer reißfesten Folie abzudecken. So lässt sich die Eiablage und die Entwicklung der Nymphen verhindern. Dazu haben Helfer die Folie nicht einfach nur ausgerollt und mit Gehwegplatten beschwert. Zuvor durchkämmten sie das Gelände und versuchten, erwachsene Individuen abzufangen, um sie in Nachbarbereichen auszusetzen.

Reisende müssen sich wegen der Tiere keine Sorgen machen. Sie ernähren sich von kleineren Pflanzen, haben mit Menschen nichts am Hut und stellen mit einer Körpergröße von maximal 23 Millimetern auch keine Gefahr für den Zugverkehr dar. Vielmehr wird vermutet, dass sich die Schrecke nach dem Beginn der Bauarbeiten auf geeignete Habitatflächen in der unmittelbarer Nachbarschaft zurückzieht.

Wenn die Bauleute Ende 2020 wieder abreisen, darf die Blauflüglige Ödlandschrecken auf der Freifläche landen. Im Göschwitzer Heuschrecken-Erwartungsland können sogar Kosten gespart werden. An der Böschung beim Gleis 3 verzichtet die Bahn nämlich auf eine anschließende Bodenandeckung und die Ansaat von Wiese. Ödland ist ganz nach dem Geschmack der Blauflügler.

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