Student bringt bunte afrikanische Stoffe nach Jena

Jena  Der Student Paul Böger gründet in Ruanda ein Modelabel und verbindet damit zwei Kulturkreise

Paul Böger will seine Kollektion in Deutschland verbreiten, aber an der Produktion vor Ort festhalten. Dabei ist ihm ein fairer Umgang mit den Partnern wichtig. So bildet das Label gemeinsam mit einer Schneiderkooperative in Ruanda Frauen aus schlechten ökonomischen Verhältnissen aus.

Paul Böger will seine Kollektion in Deutschland verbreiten, aber an der Produktion vor Ort festhalten. Dabei ist ihm ein fairer Umgang mit den Partnern wichtig. So bildet das Label gemeinsam mit einer Schneiderkooperative in Ruanda Frauen aus schlechten ökonomischen Verhältnissen aus.

Foto: Paul Böger

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Es ist nicht alltäglich, dass ein junger Mann nach dem Abitur ein paar Monate in Ruanda lebt: Paul Böger tut es. Er gründet in dem afrikanischen Land ein Modelabel, weil ihn die Stoffe faszinieren. Und weil er seine Kollektionen verkaufen will, studiert er an der Ernst-Abbe-Hochschule E-Commerce. Morgens Student, nachmittags Geschäftsmann: Schneller lässt sich das Gelernte nicht anwenden.

Schon die Frage nach dem Nachschub zeigt, wie sehr Böger noch improvisieren muss: Es sei einfach billiger, die Kollektion mit zusätzlichen Koffern im Flugzeug zu transportieren als sie per Post zu schicken. Eher zufällig kommt Böger auf die Idee, westliche Kleidung mit afrikanischen Stoffen zu kombinieren.

Paul Böger interessiert sich seit jeher für Mode, macht in Darmstadt Abitur, will sich bei einem entwicklungspolitischen Freiwilligendienst engagieren und erfährt im Januar 2015, dass er zwei Monate später in der etwa 1,2 Millionen Menschen zählenden Hauptstadt Kigali arbeiten soll. Schon am Flughafen erkennt er, dass er viele Klischees über Bord werfen muss: Jeder Linienbus hat Internet an Bord, gang und gäbe ist es, mit dem Smartphone zu bezahlen, und Plastiktüten sind schon seit Jahren verboten. Für eine Hilfsorganisation vor Ort soll er die Webseite betreuen – und sehr schnell ist er fasziniert von den vielen bunten Stoffen, die auf den vielen Märkten feil geboten werden. „Mir gefällt daran, die in Deutschland außergewöhnlichen Stoffe mit urbaner, europäischer Mode verschmelzen zu lassen.“ Auch diese Schnittmenge sei in Ruanda nicht vorhanden. Ärmere Menschen könnten sich die Stoffe nicht leisten, der Mittelschicht seien sie zu traditionell, erst wohlhabende Menschen würden wieder kunterbunte Hemden tragen.

Onlineshop startet im Dezember 2016

Im Juni 2016 gründet Böger das Label „Izuba Clothing“. Er findet Partner vor Ort, die seine Ideen umsetzen. Im August 2016 entwirft Paul Böger die ersten Vorlagen, daraufhin startet die Produktion schon Ende September in Ruanda, im Dezember wird der Onlineshop gelauncht, heute produziert das Unternehmen an zwei Standorten in Ruanda. Zum Angebot gehören Hemden, Sakkos, Schuhe, T-Shirts, Pullover und Taschen.

Böger will seine Kollektion in Deutschland verbreiten, gleichzeitig aber an der Produktion vor Ort festhalten. Dabei ist ihm ein fairer Umgang mit den Partnern wichtig. So bildet das Label gemeinsam mit einer Schneiderkooperative in Ruanda Frauen aus schlechten ökonomischen Verhältnissen aus und ermutigt und unterstützt diese auf dem Weg in die Selbstständigkeit.

„Ich will ein realitätsnahes und informiertes Bild von Afrika – genauer Ruanda – verbreiten und der Gesellschaft bewusst machen, dass die gängigen Afrika-Klischees nicht der Realität entsprechen. Natürlich kann ich nur von meinen Erfahrungen sprechen, die ich in Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo in vielen Besuchen sammeln konnte“, erzählt er. Seit Oktober des vergangenen Jahres studiert der 22-Jährige in Jena, wobei er sich das Fach E-Commerce bewusst ausgesucht habe: Dass er ganz problemlos zwischen Theorie und Praxis wechseln könne, sei ein wunderbarer Zustand.

„Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass ich meine Mitmenschen dazu anregen möchte sich mehr Gedanken über die Herkunft unserer Kleidung zu machen. Die gängigen Styles ändern sich von Tag zu Tag und häufig wird sich mehrmals im Jahr komplett neu eingekleidet.“ Durch die Produktion in Ruandas Hauptstadt Kigali und den Slogan „Unique Fashion Made in Ruanda“ wolle er Menschen dazu anregen das gängige System von „Fast-Fashion“ zu hinterfragen. Immer mehr junge Labels legten großen Wert darauf, die Textilien fair herzustellen.

Übrigens: „Izuba“ steht in der Amtssprache Kinyarwanda für Sonne.

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