Traditionsreiches Gasthaus „Zum Rieseneck“ bei Kahla schließt

Kleineutersdorf  Das Ehepaar Anske in Kleineutersdorf bewirtete über Jahrzehnte Stammgäste, Ausflügler, Diskofreunde und Karnevalisten.

Monika und Dietmar Anske schließen die Gaststätte „Zum Rieseneck“ in Kleineutersdorf. Sie haben das Wirtshaus in dritter Generation bewirtschaftet, aber nun keinen Nachfolger gefunden. 

Monika und Dietmar Anske schließen die Gaststätte „Zum Rieseneck“ in Kleineutersdorf. Sie haben das Wirtshaus in dritter Generation bewirtschaftet, aber nun keinen Nachfolger gefunden. 

Foto: Katja Dörn

Ein traditionsreiches Gasthaus im Saale-Holzland-Kreis wird auch nach dem Corona-Lockdown seine Pforten geschlossen halten: die Gaststätte „Zum Rieseneck“ in Kleineutersdorf, die idyllisch am Saaleradweg liegt und einen Biergarten besitzt, der den Blick auf die Leuchtenburg bei Kahla ergibt. Still und leise mussten sich die Wirtsleute Monika (67) und Dietmar Anske (65) in den Ruhestand verabschieden, denn an große Feiern ist in dieser Zeit nicht zu denken. Das war einst anders.

Herzog gab Namenserlaubnis

Seit 1986 führt das Ehepaar das Gasthaus. Benannt ist es nach der nahen Jagdanlage, in der sich einst die ernestinischen Herzöge auf die Pirsch begaben. Es war denn auch Herzog Ernst II von Sachsen-Altenburg, der 1913 den Namen „Zum Rieseneck“ genehmigte, erzählen sie. Früher war es eine kleine Gaststätte im Ort, die dann umzog in das Haus mit angeschlossenem Saal.

In dritter Generation bewirtete die Familie Anske die Kleineutersdorfer, Ausflügler und andere Gäste, denen es nach ihrer deftigen Küche gelüstete. Für Dietmar war der Beruf Koch von klein auf klar, gelernt hat er im Jenaer Schwarzen Bären. Seine Frau, eigentlich Erzieherin, zog er dagegen hinein ins Wirtshausleben, nachdem sie sich in der einstigen „Forelle“ am Holzmarkt kennengelernt hatten. „Es war pure Liebe“, sagt er und lächelt.

Es waren geschäftige Zeiten in Kleineutersdorf, als sie den Gasthof 1986 von seinem Vater übernahmen. Sie wussten teilweise nicht, „was wir auf den Teller bringen können“, sagt sie, der DDR-Mangelwirtschaft geschuldet. Dabei mussten mittags auch mal 70 Essen herausgegeben werden. Zudem ging in Kleineutersdorf die Luzie ab. Tanzwillige aus der Region zog es in die „angesagteste Disco im Umkreis“, nämlich in ihren Saal, wo Ralf Börner, heute Besitzer der nahen Linzmühle, die Platten auflegte. „Nachts waren die Straßen voll“, erinnert sich Monika Anske.

Nachwendezeit und Karneval

Nach der Wende verabschiedeten sie sich allerdings vom Tanzspektakel. Zu aggressiv wurden manche Feierwütigen, Anwohner beschwerten sich. Überhaupt sei die Nachwendezeit mau für die Gastronomie gewesen, zwischenzeitlich mussten sie ein Küchenstudio im Saal einziehen lassen. Sie ließen sich immer mal etwas Neues einfallen und tischten auch Pferderouladen auf.

1994 aber kam der Fasching in den Ort, angestachelt durch einen jeckigen Stammgast, der aus Köln zugezogen war. Während die Tanzmariechen und das Männerballett die Beine schwangen und das Publikum jubelte, flitzten die Anskes mit Getränken durch den Saal. Die Karnevalsgesellschaft Kleedorf pflegt eine enge Beziehung zu den Wirten und verabschiedete sich mit Geschenken, wenn auch nur in kleiner Delegation. Ein großes Dankeschön übermittelte Präsidentin Sabrina Kämmer. „Sie sind wie eine Familie für uns“, sagt sie. Das Gute sei, dass sie weiter Hand in Hand arbeiten wollen und der Verein den Saal mieten kann.

Nach Jahrzehnten in der Gastronomie, war macht man dann im Ruhestand? „Luft holen und den Druck weglassen“, sagt Dietmar Anske. Und eigentlich in den Urlaub fahren, was ja derzeit schwierig ist. Aber er freut sich auch, endlich „mal wieder selbst Gast zu sein“. Zur nächsten Karnevalssaison nach Corona ist ihnen auf jeden Fall versprochen: „Jetzt bringen wir euch das Bier“, sagt Timmy Kobs vom Verein.