Treppen-Barriere am Lobedaer Impfzentrum

Vermieter Jenawohnen will eine „temporäre Lösung“ prüfen. Wird das Volksbad ein zweites Impfzentrum?

Die erste Impfstelle in Lobeda-Ost, Zigesarstraße 19, ist leider nicht barrierefrei. Der Zugang erfolgt über die Ziegesarstraße 17, dabei müssen einige Stufen überwunden werden.

Die erste Impfstelle in Lobeda-Ost, Zigesarstraße 19, ist leider nicht barrierefrei. Der Zugang erfolgt über die Ziegesarstraße 17, dabei müssen einige Stufen überwunden werden.

Foto: Jördis Bachmann

Jena „Man spricht vom 17. und 18. Januar.“ Derart vorsichtig hat Jenas Gesundheitsdezernent Eberhard Hertzsch am Wochenende geantwortet auf die Frage nach dem Start des Corona-Impfzentrums Ziegesarstraße 19 in Lobeda-Ost. Denn klar, für den Betrieb der Impfzentren ist im Auftrage des Freistaates die Kassenärztliche Vereinigung (KV) zuständig. Und die KV habe die Stadt gebeten, die Adressen der Impfzentren aus Sicherheitsgründen vorerst nicht zu nennen.

Allerdings hatte zuvor Seniorenbeiratsvorsitzender und Grünen-Stadtrat Ralf Kleist gegenüber der Zeitung seinen Unmut bekundet, dass der Zugang zum Impfzentrum in der Ziegesarstraße ganz und gar nicht barrierefrei sei: Acht Treppenstufen müssen überwunden werden, um die vormalige Arztpraxis erreichen zu können. Für höher betagte oder behinderte Impflinge sei das eine Zumutung.

Fahrdienste sollen eingerichtet werden

Eberhard Hertzsch erläuterte, dass der jetzige Nutzungszweck aber auch Ergebnis einer Kehrtwende sei: Die KV habe die Stadt im alten Jahr gebeten gehabt, bei der Suche nach Räumen zu helfen, die als Abstrichstelle für Corona-Tests nutzbar sind. Recht kurzfristig habe sich die KV angesichts der Ziegesarstraße 19 umentschieden: Impfzentrum. Rathaus-Sprecher Kristian Philler deutete an, dass das Jenaer Gesundheitsamt bei der abschließenden Begehung der Ziegesarstraße 19 auf die Treppen-Barriere hingewiesen und die KV erwidert habe, dass den Ansprüchen derart Genüge getan sei. Auch die Jenawohnen GmbH als Vermieter jener Räume teilt die KV-Einschätzung nicht. Unternehmensvertreter Gunnar Poschmann sagte, dass jetzt andere Voraussetzungen gefragt seien als bei einer Abstrichstelle. Zumindest eine „temporäre Lösung“ werde die Jenawohnen GmbH „wohlwollend prüfen“, sagte Poschmann. „Wir wollen ja auch, dass das funktioniert.“ Ralf Kleist fügte hinzu, dass er jetzt gemeinsam mit den Verantwortlichen in Seniorenzentren und Fachleuten der Sozialbetreuung am Überlegen sei, wie und ob sich Fahrdienste einrichten lassen, um ältere Leute ins Impfzentrum zu chauffieren.

Jenaer Bürger wurden nach Apolda und Sömmerda gelotst

Fest steht jetzt auch das für Jena geplante zweite und stadtzentral gelegene Impfzentrum. Eberhard Hertzsch folgt hier ebenfalls der Bitte der KV, die Adresse noch nicht zu nennen. Der Zeitung liegen aber Informationen vor, dass es sich um die großen Garderoberäumlichkeiten des Volksbades handeln soll. Garantiert wäre in diesem Fall schon einmal die Barrierefreiheit: Rollator- und Rollstuhl-Nutzer gelangen vom Parkplatz an der Rückseite des Gebäudes her über eine Rampe in die Räume. Der Startzeitpunkt für dieses Impfzentrum hänge davon ab, wann die KV ihre Utensilien in den Räumen untergebracht hat, sagte der Dezernent. Der relativ zögerliche Impf-Beginn in Jena erklärt wohl auch den bizarr anmutenden Bericht von Kristian Philler: Demnach wurden Jenaer Bürger, die sich einen aktuellen Termin ergattert hatten, zum Impfen nach Apolda und Sömmerda gelotst. Eberhard Hertzsch sagte dazu, die KV fühle sich in diesen Fällen nicht an Gebietskörperschaftsgrenzen gebunden.