Über Machtverhältnisse im Kleingarten und im Jenaer Theater

Jördis Bachmann
| Lesedauer: 3 Minuten
Regisseur Tom Schneider (links) und Musiker Moritz Bossmann sind unter anderem Mitglieder im Theaterkollektiv „Farn“. Sie arbeiten derzeit gemeinsam mit „Wunderbaum“ am Eröffnungsstück der Kulturarena.

Regisseur Tom Schneider (links) und Musiker Moritz Bossmann sind unter anderem Mitglieder im Theaterkollektiv „Farn“. Sie arbeiten derzeit gemeinsam mit „Wunderbaum“ am Eröffnungsstück der Kulturarena.

Foto: Jördis Bachmann

Jena.  Regisseur Tom Schneider und Musiker Moritz Bossmann gehören zum Theater-Kollektiv „Farn“ und arbeiten mit „Wunderbaum“ am Jenaer Theaterspektakel „Miniathüringen“.

Wunderbaum und Farn: Zwei Theater-Pflanzen wachsen im Kleingarten auf der Kulturarena-Bühne zusammen. Das holländische Theaterhaus-Ensemble „Wunderbaum“ wird sich mit dem Kleingarten-Stück „Miniathüringen“ aus Jena verabschieden und hat sich für die Umsetzung das Theater-Kollektiv „Farn“ zur Unterstützung geholt.

Regisseur Tom Schneider und Musiker Moritz Bossmann von „Farn“ arbeiten derzeit gemeinsam mit den Wunderbäumlern an der Spektakel-Premiere, die das Publikum diesmal mitnimmt in den Mikrokosmos des Thüringer Kleingartenvereins. „Es hat uns sehr gefreut, dass Walter Bart von Wunderbaum auf uns zukam und gefragt hat, ob wir am Stück mitarbeiten möchten“, sagt Regisseur Tom Schneider.

Man kenne sich bereits, denn im Jahr 2020 habe „Farn“ ein Gastspiel in Jena gegeben. „Bilder deiner großen Liebe“ hieß das Stück mit Schauspielerin Sandra Hüller, die ebenfalls Mitglied im „Farn“-Kollektiv ist. „Wunderbaum arbeiten ähnlich wie Farn“, sagt Tom Schneider. Flache Hierarchien, Mitsprache und das Übernehmen von Verantwortung zeichnen die Arbeitsweise beider Kollektive aus. Verspielt, fast ein wenig kindlich und clownesk beschreibt Musiker Bossmann das Wunderbaum-Team. „Genau darauf hatten wir Lust.“

Die anarchische Natur der Gartenzwerge

Theater sei immer als Spiegel der Gesellschaft gedacht, „da sollte man nicht in alten hierarchischen Strukturen feststecken“, so Bossmann. Den Musiker und Komponisten von Theater- und Filmmusik kennt man unter anderem auch von der Band „Käptn Peng und die Tentakel von Delphi“, in der er Mitglied ist.

Das Jenaer Theater-Team sei in der freien Theaterarbeit und im kreativen Schaffensprozess, in den sich jeder Schauspieler einbringen könne, bereits so geübt, dass das Arbeiten sehr angenehm sei. Hier gehe es nicht um das „Aufspielen der eigenen Egos“, sondern um Mitgestaltung, so Bossmann.

Gemeinsam mit drei weiteren Musikern wird er in „Miniathüringen“ auf der Bühne stehen – als Gartenzwerg. Insgesamt stehen neun Zwerge auf der Bühne, und sie alle würden irgendwie auch zur Band gehören, denn in dem sehr musikalischen Stück „werden alle singen“. Tom Schneider übernimmt bei „Miniathüringen“ die Endregie. Bereits seit Februar hat das Jenaer Team recherchiert, Interviews geführt und das Stück geplant. Doch erst jetzt steht Tom Schneider regelmäßig bei den Proben am Bühnenrand und fügt zusammen, was die Wunderbaum-Mitglieder entwickelt haben.

Die künstlerische Arbeitsweise und der Inhalt des Stücks passen dabei bestens zueinander, denn in „Miniathüringen“ ist der Kleingarten ein Vehikel für die Gesellschaft. „Es geht um Demokratie, um vakante Machtpositionen und wer sie übernehmen will – wer sich in die erste Reihe drängt“, sagt Schneider. Ein Thema, das vor allem im Osten Deutschlands brisant sei.

Dabei nutzen die Wunderbäumler einen Trick: Auf der Bühne stehen nicht die Kleingärtner, sondern die Gartenzwerge, die zum Leben erwachen. „Die Zwerge haben eine anarchische Natur, sie sind nicht interessiert an festen Strukturen oder daran, die Form einzuhalten“, sagt Bossmann. Das ermögliche, Dinge zu tun und zu sagen, die Menschen nicht tun oder sagen könnten. „Miniathüringen“ sei eine Art Groteske, so Scheider. Er hoffe, dass das Kulturarena-Publikum etwas zu lachen haben werde – Lachen sei ja etwas sehr Befreiendes.