Jena: Vom unermüdlichen Kampf gegen die Kurzarbeit

Jena  Modedesignerin Katrin Sergejew beteiligt sich mit ihrem Jenaer Laden an der Aktion "Wir machen auf...merksam".

Modedesignerin und Unternehmerin Katrin Sergejew vor ihrem Laden in der Jenaer Wagnergasse. Seit Wochen kann sie hier ihre Mode nicht mehr verkaufen und gerät nun an ihre finanziellen Grenzen.

Modedesignerin und Unternehmerin Katrin Sergejew vor ihrem Laden in der Jenaer Wagnergasse. Seit Wochen kann sie hier ihre Mode nicht mehr verkaufen und gerät nun an ihre finanziellen Grenzen.

Foto: Jördis Bachmann

Jena/Apolda/Weimar. Bis Anfang Dezember 2020 sei sie noch „oberoptimistisch“ gewesen, sagt Katrin Sergejew. Die 38-Jährige ist Mode-Designerin, Gründerin des Apoldaer Labels Kaseee, seit 14 Jahren erfolgreiche Unternehmerin, bald zweifache Mutter und ein umtriebiger Kreativgeist. Für ihre Arbeit und ihre Kollektionen erhielt Katrin Sergejew bereits verschiedene Auszeichnungen – unter anderem den Emily-Röbling-Preis als Unternehmerin des Jahres 2019. Auf Messen und Modeschauen in ganz Deutschland ist Sergejew mit dem Label Kaseee normalerweise unterwegs.

Von ihrer Energie und Kreativität müsse sie momentan jedoch mehr als doppelt so viel aufbringen, denn der Lockdown treibt die Thüringer Unternehmerin in die Enge. Nach dem gut überstandenem Frühjahrs-Lockdown in 2020 trifft der jetzige Lockdown das Unternehmen deshalb mit aller Wucht. Am Montag beteiligte sich Sergejew deshalb auch an der Aktion „Wir machen aufmerksam“, bei der Modehändler in ganz Deutschland auf ihre Situation hinweisen wollten und sich mit Plakaten vor ihren Läden wieder sichtbar machten.

Die Miete muss gezahlt werden, auch wenn die Läden dicht sind

Schon seit Wochen sind die beiden Läden in Jena und Weimar, in denen Katrin Sergejew ihre Mode anbietet, dicht. „Die Miete muss ich natürlich trotzdem zahlen. Da sagt niemand: 'Schön, dass ihr noch da seid, setzt doch mal einen Monat mit der Miete aus.‘“ Normalerweise habe es im Januar immer noch mal größere Aufträge gegeben, außerdem veranstaltete Kaseee auch Näh-Workshops im Januar und Februar, die ebenfalls sehr erfolgreich liefen. „Das ist durch den Lockdown alles nicht möglich.“

In dieser Woche entscheidet sich nun, ob Katrin Sergejew für ihre sieben festangestellten Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen muss. „Das war immer meine Horrorvorstellung“, sagt sie. „Ich konnte das bislang immer abwehren. Jetzt musste ich mit meinen Mitarbeitern bereits darüber sprechen, dass diese Option im Raum steht. Im Frühjahr haben wir den Lockdown über die Produktion von Masken gut abfedern können. Jetzt haben die meisten bereits einen Mund-Nasen-Schutz. Die Auftragslage ist momentan dürftig.“

"Noch mehr geht einfach nicht"

Das ist für Sergejew jedoch kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Mit ihren persönlichen Waffen kämpft sie um das Überleben ihres Unternehmens, sie kämpft dafür, ihre beiden Läden zu halten und vor allem ihre Mitarbeiter. „Seit dieser Woche habe ich eine neue Linie bei Kaseee eingeführt. Alles, was man nicht anprobieren muss, kann man online nämlich auch ganz gut verkaufen. Also habe ich ‚Kaseee-Home‘ entwickelt. Wir nähen jetzt Kissen, Decken und andere Dinge für ein schönes Ambiente zuhause. Außerdem haben wir uns verstärkt auf Kinderkleidung konzentriert, die kauft man ja auch eher nach Größe.“

Sie müsse im Moment sehr schnell arbeiten, viele Ideen haben, am besten jeden Tag etwas Neues präsentieren, um Aufmerksamkeit zu erregen. So präsentiert Kaseee jetzt auch täglich den „Syle des Tages“ in den sozialen Medien. „Es ist verrückt, eigentlich sollte der Lockdown ja entschleunigen, aber für mich bedeutet es viel mehr zu investieren an Arbeit, Zeit und Kreativität. Die Tage sind unglaublich voll und verfliegen sehr schnell. Mir geht einfach langsam die Luft aus, ich bin müde. Noch mehr als das, was ich jetzt tue, geht einfach nicht.“

Dabei lernt sie gerade noch eine Mitarbeiterin an, die sie bald vertreten soll. „Ich werde ja voraussichtlich zwei Monate ausfallen, wenn mein Kind geboren ist“, sagt sie. Wünschen würde sie sich ein halbes Jahr Auszeit mit dem Baby – man dürfe ja noch träumen.