Wachsen auf 65 Meter Höhe und 1000 Mitarbeiter in Jena

Jördis Bachmann
| Lesedauer: 5 Minuten
So könnte der Blick aus Richtung Zwätzengasse auf den zukünftigen DotSource-Campus im Jahr 2026 aussehen.

So könnte der Blick aus Richtung Zwätzengasse auf den zukünftigen DotSource-Campus im Jahr 2026 aussehen.

Foto: Visualisierung: ATP Berlin Planungs GmbH

Jena.  Das Jenaer Unternehmen DotSource hat den Bebauungsplan für das Gelände der alten Feuerwache vorgestellt.

Es ist ein Projekt, das in „Lichtgeschwindigkeit“ vorangetrieben wird, wie Stadtentwicklungsdezernent Christian Gerlitz (SPD) es ausdrückt. DotSource-Geschäftsführer Christian Otto Grötsch hat für seine mittelständische E-Commerce-Digitalagentur ambitionierte und ehrgeizige Wachstumspläne und scheint dennoch kaum glauben zu können, dass schon im kommenden Jahr auf dem Gelände der alten Feuerwache in der Saalbahnhofstraße eine Entwicklung starten könnte, die es dem Jenaer Unternehmen erlaubt, sich noch fester in der Lichtstadt zu verwurzeln und zunächst auf etwa 1000 Mitarbeiter anzuwachsen.

Lange hatte DotSource nach einer Fläche in Jena gesucht, um ein neues Firmengebäude zu errichten. Ins Auge gefasst wurden unter anderem die alte Gießerei in der Carl-Pulfrich-Straße, in der heute die Kriminalpolizei Jena untergebracht ist, das alte Schottgelände am Westbahnhof, wo nun der Zeiss-Standort entsteht sowie der Eichplatz. Letztlich wurde DotSource „durch glückliche Umstände“ auf das Gelände der alten Feuerwache aufmerksam und erwarb im vergangen Jahr das Grundstück, dessen einzelne Bereiche sich im Besitz von JenaWasser, Jenawohnen und der Stadt befanden (wir berichteten). Über die Verkaufssumme wird Stillschweigen gewahrt, sie habe sich aber nach dem Verkehrswert gerichtet, den ein Gutachter bestimmt habe, so Gerlitz.

Nun liegt bereits der vorhabenbezogene Bebauungsplan vor, der Einleitungsbeschluss für diesen sollte in der Donnerstagssitzung des Stadtentwicklungsausschusses gefasst werden. Guntram Wothly (CDU), der als Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses an der gestrigen Pressekonferenz zur Vorstellung des Bebauungsplanes teilnahm, sagte, dass mit diesem Bau weiter die Moderne in Jena Einzug halte. Das Projekt werde parteiübergreifend unterstützt und sei nicht nur aus städtebaulicher Perspektive zu begrüßen. Christian Gerlitz ordnete das Projekt unter Wirtschaftsförderung ein. Es werde Fachkräfte in Jena halten oder nach Jena bringen und Arbeitsplätze schaffen. DotSource habe Niederlassungen in Berlin, Leipzig, Dresden und Stuttgart. Dass das Unternehmen in Jena investiere und nicht in einer anderen Stadt sei wünschenswert gewesen.

Auch Stadträtin und Orteilsteilbürgermeisterin von Jena-Zentrum Kathleen Lützkendorf (Die Grünen) sprach sich für das Projekt aus. Natürlich müsse man sehen, ob alles so umgesetzt werden könne wie es der jetzige Entwurf vorsehe, räumte sie ein. Dazu müsse zunächst auch die öffentliche Bürgerbeteiligung stattfinden, die möglicherweise im Sommer oder Herbst diesen Jahres starten könnte.

Hoch hinaus am Rande des Damenviertels

Das Architekturbüro ATP, eines der größten Büros für integrale Planung in Europa, hat für DotSource den neuen Firmensitz entworfen. Bis zum Jahr 2026 soll das Gebäude fertiggestellt sein und Jena um einen Hochpunkt reicher. Auf dem neuen DotSource-Campus sollen 10.000 Quadratmeter Bürofläche entstehen, gleichzeitig aber auch Raum für die Mitarbeitergastronomie, Einzelhandel und 50 Mitarbeiterwohnungen sowie ein kleiner Park und Kulturflächen samt eines Mehrzweck-Gebäudes für „diverse Veranstaltungen und Ausstellungen“. Außerdem werden etwa 200 Stellplätze für die Mitarbeiter entstehen.

Der Wohnturm soll voraussichtlich elf Etagen umfassen und mit 65 Metern etwa so hoch werden wie der Bau 59 am Leutragraben. Auch sozialgebundener Wohnraum soll entstehen. Hier könnten die DotSource-Mitarbeiter aus dem unteren Einkommensdrittel untergebracht werden, erklärt Grötsch. Die alte Steineiche am Anger soll in die Architektur des Gebäudes einbezogen werden. Das Unternehmen werde eine höhere zweistellige Millionensumme in den Bau investieren – „irgendetwas zwischen 50 und 100 Millionen Euro“, sagt Grötsch.

Im Frühjahr 2023 könnte bereits mit dem Abriss der alten Gebäude auf dem Gelände der Feuerwache begonnen werden, ab 2024 könnte die dreijährige Bauphase starten, so dass DotSource 2026 einziehen könnte. Die 5000 Quadratmeter Bürofläche in der Goethe-Galerie will DotSource dann weiterhin behalten.

Immer wieder betonte Grötsch auch, dass er über die breite Allianz von Akteuren in der Stadt, die das Unternehmensvorhaben unterstützt, sehr dankbar sei. Er wolle der Stadt etwas zurückgeben, auch durch die Unterstützung von Kultur- und Sozialprojekten, die DotSource bereits jetzt in vielfältiger Weise leiste. „Demütig“ und froh sei er darüber, dass sein Unternehmen nun in Jena die Chance habe, weiter zu wachsen.

Auf einer von DotSource eigens dazu eingerichteten Internetseite können sich Interessierte zum Vorhaben weiter informieren und Kritik, Anregungen und Vorschläge per Mail abgeben: campus.dotsource.de

Über DotSource

Derzeit beschäftigt DotSource 432 Mitarbeiter. In wenigen Monaten werde man den 500. Mitarbeiter im Unternehmen begrüßen können. Bis zum Jahr 2025 will DotSource auf 1000 Mitarbeiter anwachsen und strebt bis dahin gleichzeitig einen Umsatz von 100 Millionen Euro an. Die bisherige Wachstumsrate des Unternehmens liegt bei 30 Prozent, diese soll gehalten werden.