Weinberghäuser in Jena-West bekommen Lob aus der Politik

Jena.  Die Wohnungsnachfrage ist dreimal so groß wie das Angebot. Das exklusive Eigenheim am Waldrand ist bereits weg.

So sahen die Vorplanungen für die Häuser am Ortsteingang neben der Papiermühle aus. Zur Optik der Häuser soll es noch einmal eine Runde im Baukunstbeirat geben. Links die Erfurter Straße.

So sahen die Vorplanungen für die Häuser am Ortsteingang neben der Papiermühle aus. Zur Optik der Häuser soll es noch einmal eine Runde im Baukunstbeirat geben. Links die Erfurter Straße.

Foto: Stadt Jena/Heimstätten

Der westliche Ortseingang von Jena bekommt ein „Weintor“: Vier Stadthäuser, ein Weinberghaus und ein 400 Quadratmeter großer Weinberg sind die wesentlichen Bestandteile. „Wohnen am alten Weinberg“ heißt das Bauprojekt der Heimstätten-Verwaltungsgesellschaft neben der „Papiermühle“. Weil das Votum im Stadtentwicklungsausschuss einstimmig ausfiel, dürfte die abschließende Zustimmung im Stadtrat nur noch Formsache sein. Vor allem die geplanten 26 bis 28 Wohnungen an der Erfurter Straße überzeugen.

Zudem gefiel den Ausschussmitgliedern, dass die Planungen über fünf Jahre so „geräuschlos“ abliefen. Das lag vor allem daran, dass für den kniffligen Punkt „Straßenbau im Cospedaer Grund“ eine Lösung gefunden wurde und daran, dass die Heimstätten „sehr solide“ gearbeitet haben, wie es Ausschussmitglied Reinhard Wöckel (Linke) ausdrückte.

Dass mehr als 100 Bäume vor allem im unteren Teil gefällt werden, wurde im Ausschuss als bedauerliches, aber notwendiges Übel für den innerstädtischen Wohnungsbau akzeptiert. Die Natur hatte sich das ungenutzte Areal zudem ohne Abstimmung mit der Verwaltung zurückerobert. In den sozialen Netzwerken schlugen die Wellen dennoch hoch.

Können Datschenbesitzer ihre Hütte jetzt zum Weinberghaus aufmöbeln?

„Ich möchte das Stadtabwicklungsdezernat mal erleben, wenn ein Datschenbesitzer im Außenbereich seine Gartenhütte zum `Weinberghaus’ aufmöbeln wöllte“, schrieb jemand als Kommentar auf der Zeitungsseite und sprach von typisch Jenaer Zweiklassen-Baurecht. Dazu erwiderte die Heimstätten-Verwaltungsgesellschaft – ebenso online -, dass ein solches Verfahren auch dem „Datschenbesitzer“ nicht verwehrt werde. Wer möchte, könne sich dem Verfahren stellen, was aber nerven- und kostentechnisch nicht ohne sei. Die Heimstätten würden jedenfalls wie jeder andere Vorhabenträger behandelt.

Mit der Wiederbelebung der Weintradition ist es dem Vorhabenträger nach Auffassung des Bürgermeisters ernst. Etwa bis 1895 wurde auf dem ideal nach Süden ausgerichteten Hang Wein angebaut. Darauf deuten das Weintor, die Weinstiege und Trockenmauern hin. Die Objekte müssen vom Bauherren erhalten werden. Der ehemalige Weinberg ist als Denkmalensemble eingeordnet.

Das geplante Weinberghaus hat sich im Laufe der Jahre verändert. Beim Start des B-Plan-Verfahrens war noch von einer Wiederbelebung der etwa 90 Quadratmeter großen Laube als Einfamilienhaus die Rede. Zwei Jahre später stand dann ein Neubau mit 240 Quadratmetern Bodenplatte im Plan. An dieser Weinbergvilla gab es Kritik, so dass die Grundfläche auf maximal 200 Quadratmeter verringert wurde. Darüber könnten drei Etagen in den Hang gebaut werden. Zusätzlich ist eine Terrasse von 70 Quadratmetern möglich.

Wie Heimstätten-Vorstand Michael Gräf sagte, sei die Entscheidung für das Weinberghaus gefallen, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen. Das Interesse an den Wohnungen in den vier Stadthäusern sei dreimal so groß, wie es verfügbare Wohnungen im Baugebiet gebe. Alle Wohnungen sollen verkauft werden. Die Stellplätze für die Stadthäuser befinden sich in einer Tiefgarage unter den Häusern.

Und was kosten die Eigentumswohnungen? Als Vorhabenträger haben die Heimstätten nur bedingt Einfluss auf die Kosten. Nach Ausschreibung und Planung sämtlicher Bauleistungen soll es im Frühjahr/Sommer 2021 Klarheit über die Preise geben. Für das Weinberghaus lohnen sich Rückfragen nicht mehr. Es gibt bereits einen Weinbauern.