Welttag der Suizidprävention: Jena beteiligt sich mit Aktionstag

Jena  Welttag der Suizidprävention auch in Jena: Vorträge und Gespräche mit Angehörigen und Betroffenen sind geplant für den 10. September.

Das Team des Netzwerks zur Suizidprävention in Thüringen, kurz „Nest“, möchte mit einem Aktionstag am Montag, 10. September, auf den Welttag der Suizidprävention aufmerksam machen.

Das Team des Netzwerks zur Suizidprävention in Thüringen, kurz „Nest“, möchte mit einem Aktionstag am Montag, 10. September, auf den Welttag der Suizidprävention aufmerksam machen.

Foto: UKJ/Schroll

Angehörige und Betroffene werden zum Welttag der Suizidprävention in Jena Vorträge halten und Ansprechpartner sein. Psychologen werden beratend zur Seite stehen. „Gemeinsam ins Gespräch kommen, ist wichtig und der erste Schritt zur Hilfe“, sagt Gert Wagner, der das Projekt „Nest“ zusammen mit Karl-Jürgen Bär leitet. „Besonders ist uns dran gelegen, das Thema Suizid zu enttabuisieren.“ „Nest“ steht für Netzwerk zur Suizidprävention in Thüringen und ist ein Gemeinschaftsprojekt der psychiatrischen Kliniken in Jena, Stadtroda und Saalfeld.

Petra Reinhold wird zum Aktionstag einen Vortrag halten und ganz offen über ihre Erfahrungen und die anderer Angehöriger aus der Agus-Gruppe sprechen. Sie hat ihren Sohn durch Suizid verloren, engagiert sich daher in der Selbsthilfegruppe „Angehörige um Suizid“ (Agus) und unterstützt „Nest“ in Thüringen. Es könne jede Familie aus allen Bevölkerungsschichten treffen. „Niemand ist schuld.“ In vielen Fällen liegen einem Suizid schwere seelische Krankheiten zugrunde. Sie sagt: „Die meisten, die Suizid begehen, wollen nicht heraus aus dem Leben, sondern raus aus ihrer Krankheit.“ 90 Prozent der Selbsttötungsfälle geht eine psychische Erkrankung voraus, darunter zu einem hohen Prozentsatz die Depression.

Zudem werden Angehörige eines Suizidenten oft stigmatisiert. Man höre Sätze wie „Da stimmt doch was in der Familie nicht„. „Das ist äußerst verletzend.“ Petra Reinhold hat die Erfahrung machen müssen, dass ihr seit dem Suizid ihres Sohnes aus dem Wege gegangen wird. Für viele Menschen ist es schwer, über das Thema Tod zu sprechen, besonders im Falle eines Suizides.

Die Arbeit des „Nest“-Projektes setzt bei der Früherkennung und der Versorgungslage von depressiv Erkrankten an. Beides soll weiter verbessert werden. Dazu werden Schulungen für Hausärzte, Lehrer, Pflegepersonal und Sozialarbeiter angeboten. Denn auch diese Personenkreise können der Tabuisierung der Themen Depression und Suizid nur schwer entgehen und sie müssen in der Lage sein, Warnsignale zu erkennen.

Wege aufzeigen aus der Hoffnungslosigkeit

Mögliche Auffälligkeiten wie Verhaltensänderungen, soziale Zurückgezogenheit, Äußerung von Gefühlen der Hoffnungs- oder Sinnlosigkeit oder plötzliche Stimmungsaufhellung nach einer schweren Krise bei fehlenden Zukunftsideen sollen dadurch besser erkannt werden.

Für Betroffene werden spezifische verhaltenstherapeutische Behandlungskonzepte entwickelt und angeboten.

„Jemandem, der Suizid-Gedanken in sich trägt, müssen Wege aus der Hoffnungslosigkeit aufgezeigt werden“, sagt Gerd Wagner. Gerade das sei oft die einzige Möglichkeit, Betroffenen zu helfen. Sie sind in ihrer Perspektive eingeengt und sehen absolut keine Lösung für ihre Probleme. Sie sehen einzig in der Selbsttötung einen Ausweg aus dem unerträglichen Leiden. Wagner appelliert ausdrücklich, dass mit Hilfe professioneller Beratung Lösungen aufgezeigt werden können.

Am Anfang dieses Prozesses steht immer das Gespräch. Dafür muss das Thema Depression und Suizid aus der Tabuzone geholt werden. Genau deshalb hat sich Diethard Scheit als Betroffener dafür entschieden, Menschen auf ihrem Weg durch die Depression zu begleiten. Er selbst hat schon einen Suizid-Versuch hinter sich und weiß, wovon er redet. „Wenn ich nur einen retten kann, dann hat sich mein Leidensweg gelohnt.“ Scheit machte eine Ausbildung zum „Ex-In“-Genesungsbegleiter und Berater für seelische Gesundheit.

„Ex-In“ steht für Experienced Involvement (deutsch: Einbindung durch Erfahrung), das heißt, dass jene Genesungsbegleiter selbst einmal in psychiatrischer Behandlung gewesen waren und aufgrund ihrer Erfahrungen nun Menschen, die sich in psychiatrischer Behandlung befinden, begleitend zur Seite stehen. Scheit möchte zum Aktionstag für Suizid-Prävention darüber sprechen, wie sich aus seiner Sicht Suizid-Gedanken entwickeln, was Depressionen mit Betroffenen machen, welche zerstörerischen Gedankenspiralen einen Depressiven tagtäglich begleiten.

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