Wie fair ist ein Fan?

Jena  Nur der FCC – der Wochenrückblick: OTZ-Chefredakteur Jörg Riebartsch auf der Suche nach Blutgrätschen, Abseitsfallen und Seitfallziehern.

Echte Fan-Liebe macht vor keinem Körperteil halt.

Echte Fan-Liebe macht vor keinem Körperteil halt.

Foto: Sascha Fromm

Neulich beschwerte sich ein Leser bei mir, dass die Sportredaktion der OTZ auch Latten werfende Randalierer im Stadion des FCC als Fans bezeichnet. Er hält das für eine Beleidigung all jener, die seit Jahrzehnten friedlich und zuverlässig ihrem FC Carl Zeiss Jena die Treue halten - auch dann, wenn es mal nicht so gut läuft. Diese wahren Fans dürfe man mit den Randalierern und Zündlern nicht in einen Topf werfen, meinte der Leser.

Auf dem Fußballplatz und auf den Rängen geht es tatsächlich nicht zu wie auf dem Ponyhof oder beim Hallen-Halma. Worte sollte man deshalb besser nicht immer auf die Goldwaage bugsieren. Vom Körper ausgeschüttetes Adrenalin lässt eine gute Kinderstube - sofern überhaupt vorhanden - schon mal in Vergessenheit geraten.

Aber die Anhänger des FC Carl Zeiss, die zu Gewalt neigen, übertreiben es ganz offensichtlich. Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Präsidium des FCC haben jetzt zu Saisonbeginn sogar eine Erklärung gegen Gewalt abgegeben. Ist es nicht traurig, dass das notwendig ist? Etwa 58 000 Euro an Strafen brummte der DFB dem Jenaer Fußballverein in der abgelaufenen Saison auf. Wäre das Team so gut auf dem Platz gewesen, hätte es für die Relegation zur zweiten Liga gereicht.

Gewalt kann übrigens auch in der Sprache stecken: „Kwasniok halt die Fresse oder wir entlassen Dich.“ Mit diesem Spruchband begrüßte die FCC-Südkurve ihren Trainer Lukas Kwasniok im März zu einem Heimspiel. Damals lag man schier aussichtslos sieben Punkte hinter einem Nichtabstiegsplatz. Kwasniok und sein Team haben es dennoch geschafft und danach waren wieder alle Freunde. Wäre es für Mannschaft und Trainer nicht besser, alle Fans stünden geschlossen als zwölfter Mann immer hinter dem Team, auch wenn es mal mies läuft? Das gibt Kraft und saugt einem nicht die Energie aus den Waden.

Ich schlage deshalb vor, die Südkurve startet am kommenden Wochenende, für den FCC ein Montag, in die neue Drittligasaison mit einem klaren Bekenntnis für das ganze Team, und zwar als Blankoscheck für die komplette Spielrunde. Zeit, um ein Transparent zu bemalen, ist ja noch ausreichend vorhanden. Motto: Wir!

Weitere Teile des Wochenrückblicks:

Ahoi FCC – Die Mannschaft ist der neue Stil

Borussia Dortmund und der FC Carl Zeiss Jena

Felix Magath und der FCC

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