Wintervögel-Zählung: Eisvogel in Jena unter Beobachtung

Jena.  Bei der Aktion des Nabu erblicken die Teilnehmer an der Burgauer Brücke in Jena manch Überraschendes.

Ist es eine Schaf- oder eine Gebirgsstelze, die sich da am Wehr blicken lässt? Peter Schendel (links) und Sielmanns-Ranger Horst Ertel diskutierten das bei der Vogelzählung an der Burgauer Brücke.

Ist es eine Schaf- oder eine Gebirgsstelze, die sich da am Wehr blicken lässt? Peter Schendel (links) und Sielmanns-Ranger Horst Ertel diskutierten das bei der Vogelzählung an der Burgauer Brücke.

Foto: Katja Dörn

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Schon nach wenigen Minuten herrscht helle Begeisterung. „Dort!“, schreit jemand auf der Burgauer Brücke. Aufgeregt greift ein gutes Dutzend Vogelzähler zu den Ferngläsern und fixiert das Gebüsch an der Saale. Und ja, tatsächlich sitzt dort ein Eisvogel in seiner schillernden Pracht, ein selten zu sehendes Exemplar, das allerdings sichtlich unberührt ist vom Trubel, der da von menschlicher Seite um ihn gemacht wird. Dabei ist es wichtig, dass sich am Wochenende wie in Jena Menschen mit Handzetteln aufmachen, um Eisvögel, Kohlmeisen und andere Arten zählen.

Der Naturschutzbund hat zum zehnten Mal zur „Stunde der Wintervögel“ aufgerufen, um einen Überblick über den Zustand der heimischen Arten zu erhalten. Die Ortsgruppe der „Sielmanns Natur-Ranger“ greift diese Aktion immer gern auf und lud Kinder wie Erwachsene zur Zählung an die Burgauer Brücke ein.

Artenkenntnis ist von Vorteil

Ein junger Profi ist beispielsweise Julia, die mit Mama Kerstin Frank von den Natur-Rangern gekommen ist. Während sie zwei Kormorane, die über sie hinwegfliegen, gleich erkennt, wirft ein kleiner Junge noch einmal eine essenzielle Frage in die Runde: „Sind Enten auch Vögel?“

Sind sie, allerdings werden sie unter dem Abschnitt Stockenten vermerkt. Die gibt’s reichlich auch an der Burgauer Brücke. Auch Sperlinge, Kohl- und Blaumeisen fliegen umher.

Horst Ertel von den Sielmanns-Rangern ist derweil in eine Debatte mit Peter Schendel vertieft. Sitzt da unten am Wehr eine Schaf- oder eine Gebirgsstelze? Sie greifen abwechselnd zu Fernglas und Bestimmungsbuch.

„Wir sind keine Artenkenner“, stellt Ertel klar, maximal beim Thema Fledermäuse und Orchideen. Die Ranger wollen junge Menschen an die Natur heranführen und Wissen vermitteln, dafür bietet sich auch die Wintervögel-Zählung an, „zum Mitmachen ist das schön.“ Es sei eben nicht der Spatz, der von Laien vielerorts gesichtet wird, sondern ein Haus- oder ein Feldsperling. Die Natur-Ranger wollten künftig stärker mit Ornithologen zusammenarbeiten.

Wanderfalke aus Winzerla gesichtet

Plötzlich zieht ein ganzer Schwarm vorbei, „das sind Erlenzeisige“, ruft Ertel. Wieder Aufregung, diesmal muss geschätzt werden. Waren es 25 oder 30 Erlenzeisige? Und wie konnte er so schnell die Art erkennen? „Der Schwarm ist typisch für sie“, sagt Ertel, im Winter können das nur diese kleinen grünlichen Vögel sein.

Die einstündige Zählung hat sich für die Teilnehmer gelohnt, selbst der Wanderfalke, der rund um das Heizkraftwerk in Winzerla sein Revier hat, ließ sich blicken. Und die Debatte um die Stelze wurde schließlich einhellig mit Schafstelze beantwortet.

Noch bis zum 20. Januar können die Ergebnisse der Wintervögel-Zählung beim Nabu eingereicht werden: www.nabu.de

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