Wohnbau in Jena möglichst ohne Kleingärten

Jena.  CDU und SPD im Stadtrat einigen sich auf ein gemeinsames Konzept für Wohnbauflächen in Jena

Kleingärten am Jenzig soll es auch weiterhin geben. Die Wohnbauflächenkonzeption, die heute im Stadtrat beschlossen werden soll, sieht jedenfalls den Verzicht des Jenzigfußes als Wohnbaufläche vor. 

Kleingärten am Jenzig soll es auch weiterhin geben. Die Wohnbauflächenkonzeption, die heute im Stadtrat beschlossen werden soll, sieht jedenfalls den Verzicht des Jenzigfußes als Wohnbaufläche vor. 

Foto: Michael Groß

Ein heißes Eisen bleibt der Wohnungsbau in Jena. Die Nachfrage nach Bauland ist ungebrochen stark. Doch die Flächen dafür sind im Stadtgebiet knapp. Deshalb will der Jenaer Stadtrat heute Abend eine Wohnbauflächen-Konzeption diskutieren und beschließen. Dafür haben sich CDU, SPD, FDP und Bürger für Jena auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. So soll auf den bislang heiß umstrittenen Jenzigfuß als potenzielle Wohnbaufläche verzichtet werden. Außerdem sollen die Kleingärten im Mädertal und auf der Schweizerhöhe möglichst erhalten bleiben und nicht als Wohnbauflächen dienen. Für sie werden Alternativ-Flächen geprüft.

Das hört sich erst einmal nach weniger Bauland an. Doch Stadtentwicklungsdezernent Christian Gerlitz (SPD) und CDU-Fraktionschef Guntram Wothly sind zuversichtlich, dass dafür ausreichend Ersatz gefunden werden kann. Zum Beispiel in Ammerbach, wo in Richtung Hahnengrund Institutsgebäude gebaut werden sollten, die aber nun wohl nicht mehr realisiert werden. Möglicherweise bieten sich auch an anderen Orten, die bislang für Gewerbe vorgesehen waren, Alternativflächen an.

Außerdem seien nach Absprachen mit den Ortsteilbürgermeistern auch Gebiete in Lützeroda, Zwätzen (Kreuzgasse und Kaiserberg) sowie in Münchenroda als neue Potenzialflächen in die Konzeption aufgenommen worden. „Das haben wir uns auch bei einer Tour durch die Ortsteile genau angesehen“, sagt Wothly, „und dafür Aufgeschlossenheit vor Ort angetroffen.“

Ebenso stehen Einzelstandorte im Fokus, unter anderem an der Talschule, am Ricarda-Huch-Weg, westlich der Emma-Heintz-Straße, am Trießnitzweg, Am Loh und am Hufelandweg.

Nicht für den Wohnungsbau in Frage kommt vorläufig das Gebiet Fuchslöcher 3. Hier macht Gerlitz auf die ablehnende Haltung der Oberen Naturschutzbehörde aufmerksam, wie man in Jena überhaupt beim Wohnungsbau oft an die Grenzen der zahlreichen Landschaftsschutzgebiete stoße. Allerdings sieht er auch noch bei Fuchslöcher 2 Reserven. Hier gebe es noch eine stattliche Fläche der Ernst-Abbe-Stiftung, die möglichst bald bebaut werden sollte.

Insgesamt soll es gelingen, so Gerlitz und Wothly, bis ins Jahr 2035 in Jena 4830 neue Wohnungen zu errichten. Und zwar in Form von Eigenheimen, Reihen-, Doppel und Mehrfamilienhäusern. Damit könne man gut auf den sich weiter entwickelnden Bedarf reagieren.

Dezernent Gerlitz verweist auch auf den engen Zusammenhang von zwei heute im Stadtrat zu verhandelnden Tagesordnungspunkten. So stehe das Wohnbauflächenkonzept in Beziehung zum Punkt „Verstetigung der Wohnungspolitik für Jena“. „Was dort an sozialpolitischen Zielen festgelegt wird, können wir nur umsetzen, wenn wir auch die Wohnbauflächen dafür haben“, sagt Gerlitz. So steht nun als sozialpolitisches Ziel im Änderungsantrag der CDU die genannte Zahl von 4830 neuen Wohnungen in den kommenden 15 Jahren. Ein anspruchsvolles Ziel, schätzen beide Politiker ein, aber man brauche viele Wohnungen, um auch sozial wirksam zu werden. Je mehr Wohnungen es gebe, um so besser könne man die Erhöhung von Mieten und Grundstückspreise bremsen.

Außerdem wird das Ziel in der Wohnungspolitik formuliert, dass bei der Konzeptvergabe für Wohnprojekte wenigstens 20 Prozent dem sozialen Wohnungsbau vorbehalten sein sollen. So soll auch einkommensschwachen Haushalten die Chance auf neuen Wohnraum gegeben werden. Beim derzeitigen Projekt An der Oelste werde das auch erreicht, betont Wothly.