ZDF-Morgenmagazin in Jena: „Die Ost-West-Debatte muss aufhören“

Jena  Doch genau dieses Thema beherrscht nach der Sendung die Debatte in den sozialen Netzwerken.

Roland Jahn (rechts), der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, war als Jenenser ebenfalls ein gefragter Gesprächspartner von Andreas Wunn.

Roland Jahn (rechts), der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, war als Jenenser ebenfalls ein gefragter Gesprächspartner von Andreas Wunn.

Foto: Thomas Beier

Die Mainzelmännchen waren da. Und so viel lässt sich über den dreistündigen TV-Auftritt Jenas im ZDF-Morgenmagazin mit Sicherheit sagen: Geschadet hat es nicht! Denn es standen durchweg sympathische Menschen aus Jena vor der Kamera, die klar sagten, was ihnen wichtig ist am Thema „30 Jahre Wende“.

Die eingespielten Kurzberichte über die „Leuchtturm-Stadt Jena“ waren zudem eine prima Standortwerbung. Das klang sogar so gut, dass die Kritik in den sozialen Netzwerken nicht lange auf sich warten ließ: Einer fragte: War das die „Aktuelle Kamera“? So hieß in der DDR die Hauptnachrichten-Sendung, in der ebenfalls durchweg positiv berichtet wurde.

„Wir können uns hier auf dem Marktplatz streiten und über alle Themen reden, ohne am nächsten Tag abgeholt und ins Gefängnis gesperrt zu werden“, benannte Roland Jahn vor der ZDF-Kamera einen Hauptunterschied zu früher. Der Jenenser ist heute Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Als Oppositioneller war er in der DDR inhaftiert und 1983 ausgebürgert worden.

Oder Gisela Guthke von der evangelischen Kirchgemeinde, die Moderator Andreas Wunn nach seinem ersten Satz korrigierte. Nein, als Wendegewinnerin wollte sie nicht bezeichnet werden, auch wenn sich die Wende für sie positiv ausgewirkt habe. „Es ist für mich etwas ganz Großartiges, dass sich die Demokratie hier entwickeln konnte“, sagte sie. Am wichtigsten sei es heute vielleicht, „sich nicht nur die Dinge zu erzählen“, sondern sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen.

Zu den Frühaufstehern gehörte Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP), der sich um 7 Uhr auf dem Markt einfand. „Eine Stunde eher als mein normaler Arbeitsbeginn, aber für das ZDF steht man ja gern eher auf“, sagte er, kurz bevor er in die Maske verschwand. Nitzsche stand gemeinsam mit einem Mann vor dem Mikrofon, der sich heute eher als „Bürger zweiter Klasse“ sieht – auch wenn es ihm sichtlich schwer fiel, das so zu sagen: Roberto Büttner, der einst als Maurer arbeitete und heute Reinigungskraft in einem Kindergarten ist. „Man kommt einfach auf keinen grünen Zweig“, sagte er. Dennoch geht ihm das ständige Reden von Ost und West gegen den Strich. „Das muss aufhören, das ist doch Quatsch 30 Jahre nach der Wende“, sagte Büttner.

Was gestern bei den Kurz-Interviews so locker-flockig rüberkam, war von der Redaktion vorab recherchiert worden. Gespräche mit den Menschen waren die Grundlage, um dann frühstücksgerechte kurze Fragen abzuleiten. Alle 30 Minuten wurde aus Berlin nach Jena geschaltet. In einer Kurzreportage über Jena wurden die „Nordlichter“ des Wohnungsunternehmens WG „Carl Zeiss“ gezeigt oder wurde auf dem Balkon des Lobedaer Ortsteilbürgermeisters Volker Blumentritt mit selbigem geplaudert. „Das Wichtigste ist, den Menschen das Gefühl zu geben, dass man sich um sie kümmert“, sagte Blumentritt in noch höherem Redetempo als der Moderator des ZDF.

Zum Start der Liveübertragungen hatten sich etwa 20 Zuschauer eingefunden, außerdem die Händler des grünen Marktes, die um diese Zeit ihre Stände aufbauen. Nach einer Stunde waren es um die 50 Leute, die von den Mainzelmännern und -frauen teils animiert wurden, nicht weiterzulaufen: „Bitte bleiben Sie bei uns!“, sagte der Moderator wiederholt.

Erster und letzter Gesprächspartner von Moderator Wunn war der Jenaer Claus Suppe, der auch seine Lebensgeschichte kurz erzählte, die als DDR-Heimkind begann. Wieder Arbeit zu finden und soziale Teilhabe sind für ihn große Ziele heute. Als ihm der Mann vom ZDF – kurz bevor die Kamera anlief – sagte, schauen Sie bitte immer zu mir, konterte Suppe mit der Frage: Und was, wenn schöne Frauen vorbeilaufen? „Ich weiß, was sie meinen“, erwiderte Andreas Wunn. In seiner Zeit als Südamerika-Korrespondent sei das auch ein große Herausforderungen gewesen.

Als sehr beliebt erwiesen sich die Souvenirtüten des ZDF mit einem Mini-Mainzelmännchen und einer Schirmmütze darin. Kaffee holte man sich im Café Markt 11. Auch insofern leistete das ZDF einen echten Beitrag zur Wirtschaftsförderung.

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