Zeit für Hund und Katz: Tierheim Jena braucht viele Freunde

Jena  Beim Sommerfest im Tierheim Jena erste Kontakte geknüpft

Sommerfest im Tierheim Jena: Viele Gäste interessierten sich für das neue Hundehaus. Es gab zahlreiche Anfragen wegen Patenschaften für Hunde oder Katzen. Sophia Bigalk (r.) mit ihren Hund Roy und Alexa aus Jena, die gern mit einem Tierheimhund Gassi gehen würde.

Sommerfest im Tierheim Jena: Viele Gäste interessierten sich für das neue Hundehaus. Es gab zahlreiche Anfragen wegen Patenschaften für Hunde oder Katzen. Sophia Bigalk (r.) mit ihren Hund Roy und Alexa aus Jena, die gern mit einem Tierheimhund Gassi gehen würde.

Foto: Angelika Schimmel

Alexa würde gern einen Hund haben. Doch ihre Mutti, Sissi Schleif, schüttelt den Kopf. „Das geht nicht, wir sind beruflich zu eingespannt, da fehlt einfach die Zeit, sich um einen Hund richtig zu kümmern. Und außerdem wissen wir nicht, ob er sich mit unseren beiden Katzen Elvis und Suki vertragen würde“, ergänzt sie. Alexa sieht das ein, und deshalb ist sie mit ihrer Familie am Sonnabend zum Tierheim nach Göschwitz gekommen. Denn hier gibt es doch Hunde, die sich vielleicht freuen würden, wenn ein Mädchen wie Alexa immer mal mit ihnen Gassi geht.

Natürlich sei das möglich, erfahren sie von Sophia Bigalk, der jungen Tierheim-Chefin. Voraussetzung ist, dass es Hunde gibt, die für eine solche Ausgeh-Patenschaft geeignet sind. Sowohl Größe als auch Charakter des Hundes müssten beachtet werden. Und ob der Hund sich auf den fremden Menschen einstelle. „Auch wenn er im Training gut auf Kommandos hört, kann ein fremder Tonfall oder eine andere Körperhaltung das Tier manchmal schon irritieren, und das Gelernte ist vergessen“, erklärt sie. Außerdem muss jeder, der mit einem Tierheim-Bewohner durch die Felder oder den Wald hinterm Haus spazieren gehen will, einen Hundeführerschein ablegen.

Elisabeth hat den schon. Zwei Stunden lang hat die Grundschülerin dafür im Tierheim genau zugehört und gelernt, wie man einen Hund richtig behandelt und worauf es ankommt, wenn man mit ihm draußen unterwegs ist. Dass man ruhig mit ihm reden muss, und dass eine Schleppleine viel besser als die automatisch zurück schnippenden Leinen ist, weiß das Mädchen. Mit dem Hundeführerschein in der Tasche durfte es deshalb auch schon mit den kleinen Vierbeinern Gassi gehen. Kiwi und Jackie, zwei kleine Jack-Russel-Terrier, hat Elisabeth ins Herz geschlossen, deshalb war sie auch ein bisschen traurig, dass beide am Sonnabend nicht mehr im Tierheim zu finden waren. „Sie haben jetzt ein neues Zuhause, das ist auch gut“, sagte sie verständig. Sie wird warten bis wieder ein kleiner Hund im Tierheim abgegeben wird, der sich auf ein kleines Mädchen zum Gassi gehen freut.

Im Moment jedoch sind im neuen Hundehaus überwiegend große Hunde einquartiert. Rottweiler, Stafford-Terrier, Schäferhunde oder Mischlinge, die hier Quartier bezogen haben, sind nicht geeignet für Kinder. „Zum einen sind sie zu groß, zum anderen haben viele von ihnen schlechte Erfahrungen in ihrem bisherigen Leben gemacht, so dass nur Tierheimmitarbeiter mit ihnen arbeiten dürfen“, erzählt Sophia. „Bei den amtlich eingezogenen Tieren ist das generell so und dann haben wir hier mehrere Tiere, die von anderen Tierheimen wegen ihres schwierigen Charakters nicht aufgenommen wurden“, berichtet die Tierheim-Leiterin. „Wenn wir sie nicht nehmen würden, müssten sie eingeschläfert werden.“

In Göschwitz wird mit den Hunden fleißig trainiert – „und wenn sie lange genug bei uns waren, dann finden wir auch ein geeignetes Zuhause für solche Tiere“, sagt sie. Doch ein halbes bis ein Dreivierteljahr seien die meisten Hunde Gast im Tierheim, ehe sie an neue Familien vermittelt werden können. Bei den Katzen – 50 bis 60 leben davon im Tierheim – geht das schneller. Fundtiere müssen vier Wochen in die Quarantäne, nach acht Wochen sind sie meist vermittelt. Selbst ältere Tiere und chronisch kranke finden ein neues Zuhause bei netten Tierfreunden.

Zur Zeit leben 15 Hunde , 30 Kleintiere – vom Vogel bis zum Hasen – und rund 50 Katzen in Göschwitz. „Ohne die vielen fleißigen ehrenamtlichen Helfer könnten wir die Tiere nicht gut betreuen und versorgen“, sagt Martin Schünemann, Vorsitzender des Tierheimvereins. 25 000 freiwillige Einsatzstunden leisten die Vereinsmitglieder und andere ehrenamtliche Helfer pro Jahr – das sind mehr als die hauptamtlichen Angestellten des Tierheimes hier auf Arbeit sind.

Nach Fertigstellung des neuen Hundehauses stehen im Außenbereich weitere Bauarbeiten an, informierte Schünemann die vielen interessierten Gäste. Geplant ist der Anschluss an die Abwasserkanalisation. Die alte Zisterne soll dann als Regenwasserauffang dienen, das für die Reinigungsarbeiten im Tierheim verwendet werden soll. 20 000 Euro Landesmittel erhält der Verein dafür, von der Stadt Jena kommt keine Unterstützung.