Zeitzeuge des Jenaer Stadtjubiläums aus erster Reihe

Jena.  Herbert Brauns erinnert mit Film und Episoden am 23. Januar im Rathaus an die Gründung der Organisationsgruppe für das Jenaer Stadtjubiläum 1986.

Herbert Brauns zeigt eine Fahne zum Stadtjubiläum von Jena 1986

Herbert Brauns zeigt eine Fahne zum Stadtjubiläum von Jena 1986

Foto: Michael Groß

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Für die Historiker ist es ein nicht bewiesenes, für manche sogar ein willkürlich festgesetztes Jubiläum – der 750. Jahrestag des Stadtrechts von Jena, der 1986 in Jena gefeiert wurde. Höhepunkt, so schwärmen heute noch viele, die damals das Spektakel miterlebt haben, war der Festumzug durch die Stadt mit Hunderten von Darstellern und vielen Tausend begeisterten Zuschauern.

Nun wird an jenes Fest und den Umzug erinnert – mit einem etwa halbstündigen Film des DDR-Fernsehens, den Herbert Brauns aus dem Vergessen geholt hat, um ihn am kommenden Donnerstag in der Jenaer Rathausdiele nebst anderen Erinnerungsstücken zu zeigen. Garniert mit vielen persönlichen Erlebnissen. Herbert Brauns war damals Mitglied im Organisationsbüro des Stadtjubiläums, wohin er wegen seines Organisationstalents vom VEB Textilreinigung (heute Mewa), delegiert worden war. Dieses Organisationsbüro ist vor genau 35 Jahren gebildet worden und saß im Gewerkschaftshaus (damals FDGB-Haus).

Es hieß, vor allem den 1,5 Kilometer langen Festumzug zusammenzustellen. „Einzelne historische Szenen dafür erhielten wir vom Filmstudio Babelsberg, und auch Handwerksbetriebe gewannen wir dafür, Aufbauten für Umzugswagen sowie Requisiten herzustellen.“ Auch spezielle Souvenirs sollten entwickelt und Lagerräume für all diese Dinge geordert werden.

Es wurden sogar zwei Stadttore nachgebildet, die mittelalterliche Stadteingänge am Holzmarkt und in der Weigelstraße symbolisieren sollten.

„Eines der beiden Tore“, so erinnert sich Brauns, „übernahm nach Jena die Stadt Gera für ihr Stadtjubiläum, und sogar in Berlin wurde es noch verwendet.“

Manches Materialproblem galt es, in den Griff zu bekommen. „Als ich bei einer Firma sagte, dass wir Taschen mit dem Jubiläumslogo brauchen, sagten die uns, sie könnten uns zehn Stück machen. Ein Witz! Wir brauchten 20.000! Also machten wir die Taschen selbst.“ Dafür organisierte Brauns bei der damaligen PGH Maler Vliestapete, schnitt und bedruckte sie zu Hause im Siebdruckverfahren und hängte sie nach und nach alle zum Trocknen auf den Balkon seiner Neubauwohnung in Winzerla.

Weniger witzig war eine andere Begegnung: Als das Team von Brauns die Bühne am Platz der Kosmonauten schmückte und das schwarz-rot-goldene Banner an der Bühnenwand befestigt hatte, wurde Pause gemacht. Sofort war die Stasi da und forderte, dass das noch fehlende DDR-Emblem angebracht werden soll.

Es dürfte also lebendig und unterhaltsam werden am Donnerstag. Der Film ist übrigens nie im Fernsehen gezeigt worden. Nun kommt er doch noch mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv der ARD zur Aufführung.

Vortrag/Film zur Jenaer 750-Jahrfeier von 1986, Donnerstag, 23. Januar, Rathausdiele, Einlass 17 Uhr, Beginn 17.15 Uhr, Eintritt frei

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