Zielstrebigkeit dank Weschenfelder

Jena  Aus der Sportgeschichte unserer Stadt: über den Fußball im Studentensport

Aus der Fotosammlung Kremer stammt dieses Foto vom Freundschaftsspiel der Uniauswahl gegen Leipzig von 1958; links Hugo Weschenfelder.

Aus der Fotosammlung Kremer stammt dieses Foto vom Freundschaftsspiel der Uniauswahl gegen Leipzig von 1958; links Hugo Weschenfelder.

Fußball gehört schon seit 1911 zum organisierten Studentensport der Jenaer Uni. Als 1911, vor 108 Jahren der Verein für Bewegungsspiele (VfB, heute USV) gegründet wurde, war neben der Leichtathletik der Fußball eine der ersten Sportarten, die von den meist studentischen Gründern gespielt wurde. In Jena gab es damals fünf Fußballvereine, die aber alle nicht bei der Uni als „Verbindungen“ gelistet waren, um Studenten als Mitglieder aufzunehmen. Lediglich beim FC Carl Zeiss tauchen sowohl im Fußball, wie auch in der Leichtathletik, die neben dem Hockey zu den Hauptsportarten des damaligen Mehrsparten Vereins gehörte, einzelne Studenten auf. Um die bürokratischen Hürden für sportlich interessierte Studenten zu senken, wurde wohl auf Initiative von Hermann Peter, der sowohl „Geschäftsführer“ des Spielplatzvereins war, als auch zum Vorstand des Tenniswettspielvereins gehörte, die Gründung des VfB initiiert. Ob auch die Beteiligung an den ersten „Akademischen Fußballmeisterschaften“ des Kaiserreichs, die 1911 stattfanden, geplant war, ist nicht überliefert. Der akademische Sport hatte im Deutschen Reich 1911 starke Impulse bekommen, so hatte der Kaiser „zur Hebung des Fußballsports unter den Akademikern“ dem Akademischen SC Münster einen wertvollen Ehren-Wanderpreis übergeben. Der Kronprinz stiftete wertvolle Preise für die akademischen Skimeisterschaften, und im Rahmen der Hygiene-Ausstellung in Dresden fanden die Deutschen Hochschulmeisterschaften im Lawn-Tennis und akademische Wettkämpfe im Fechten und Tennis statt.

Am 28. Juni 1911 wurde dann in der Jenaischen Zeitung über ein Rückspiel der VfB-Fußballer in Saalfeld, das sie 7:1 verloren, berichtet. Weiter wollen wir in dieser Stelle die Geschichte des akademischen Fußballs vor den Ersten Weltkrieg nicht vertiefen. Nach dem Ersten Weltkrieg ist dann für 1921 erstmals die Teilnahme einer Jenaer Uni-Fußballmannschaft an den Deutschen Hochschulmeisterschaften nachgewiesen. Vor über 1000 Zuschauern verloren sie auf dem heutigen Uni-Sportplatz in der Oberaue bei einem Vorrundenspiel gegen die Uni Erlangen. Bis in die 1930er Jahre gab es dann regelmäßig Unimeisterschaften im Fußball.

Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs und der Wiedereröffnung der Uni im Herbst 1945 gehörte der Fußball zu den ersten Sportarten, die Studenten wieder organisierten. Zeitweilig war 1949 sogar ein eigener Trainer, Rudolf Kaiser, für die Studentenmannschaft eingestellt worden. Ab Mitte der 1950 Jahre übernahm diese Funktion indirekt Hugo Weschenfelder. Nach Abschluss seines Sportlehrerstudiums wurde er 1955 Mitarbeiter der Abteilung studentische Körpererziehung an der Uni, und ihm wurde u. a. die Verantwortung für den Fußball übertragen. Als damals noch aktiver Spieler der 1. Mannschaft des SC Motor Jena (heute FC Carl Zeiss), kam er auch selber als Spieler für die Uni-Auswahl zum Einsatz. So spielte er 1958 im Rahmen der Feierlichkeiten zum 400jährigen Jubiläum der Uni bei einem Freundschaftsspiel gegen die Uni von Leipzig vor tausenden Zuschauern im Stadion in der Jenaer Auswahl. Sein damaliger Kollege am Institut für Körpererziehung und später erfolgreiche Fußballtrainer, Georg Buschner, schrieb dazu in der Unizeitung: „Es hat nicht wenige Stimmen gegeben, die der Fußballvertretung unserer Universität eine blamable Vorstellung im überfüllten Ernst Abbe Stadion voraussagten. Zugegeben, man hätte sich in diesem Rahmen und angesichts der Universitätsfesttage eine bessere Repräsentation gewünscht, etwa vom Format vergangener Studentenmeisterschaften und der großen Interzonenvergleichskämpfe – aber die großen Zeiten des Studentenfußballs scheinen vorbei zu sein. Zeitweilig wurde jedoch recht gefällig kombiniert, nur fehlte im entscheidenden Moment das Verständnis untereinander (...) In der zweiten Halbzeit wollten beide Mannschaften rasch eine Entscheidung erzwingen. Das Spiel wurde zusehends flotter, wobei die Gäste zunächst etwas glücklicher operierten und durch ihre beiden Außenstürmer auf 2:0 davonzogen. Das brachte Leben in unseren Sturm, der durch die Hereinnahme von Weschenfelder an Zielstrebigkeit gewonnen hatte. Nachdem Purgel auf 1:2 verkürzt hatte, gelang Weschenfelder, mit dem Schlusspfiff durch Freistoß den durchaus verdienten Ausgleich zu erzielen.“

Die eingangs des Artikels kritische Anmerkung zum Fußball an der Uni stellt sich aus der Sicht des Sporthistorikers als Eigentor von Buschner dar, der zu diesem Zeitpunkt zwar als Trainer die Fußballer des SC Motor Jena übernommen hatte, gleichzeitig aber noch als Oberassistent am Institut für Körpererziehung bezahlt wurde, wo er seit Anfang der 1950er Jahre auch für die Fußballausbildung der Sportstudenten zuständig war.

In jetzt gefundenen Manuskripten von Hugo Weschenfelder, die Prof. Werner Riebel für die Nachwelt bis heute aufbewahrte, kann man etwas genauer die Entwicklung des Fußballs in den 1950er Jahren an der Uni ablesen. Fußballer der 1949 gegründeten HSG Uni Jena beteiligten sich anfangs regelmäßig an Punktspielen. Da ein regulärer Punktspielbetrieb auf Grund der Studienabläufe immer zu Problemen bei der Freistellung von Studenten führte, zog sich die HSG aus dem Verbandsgeschehen Mitte der 1950er Jahre zurück. In diese Zeit fällt die Aufnahme der Tätigkeit von Hugo Weschenfelder als Sportlehrer an der Uni. Neben den traditionell jährlich ausgetragenen Unimeisterschaften im Fußball begann er mit dem Aufbau eines Rundenspielsystem an der Uni, was aber eine andere Geschichte ist.

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