Zivilcourage: Ein Vorbild aus Jena

Jena.  19. Zivilcouragepreis der Stadt Jena würdigt Konrad Erben und das Gedenken an die NSU-Opfer

Konrad Erben, Träger des 19. Jenaer Preises für Zivilcourage, während der Auszeichnung im Rathaus mit Preisstifter Heiko Krabbes und OB Thomas Nitzsche (von links).

Konrad Erben, Träger des 19. Jenaer Preises für Zivilcourage, während der Auszeichnung im Rathaus mit Preisstifter Heiko Krabbes und OB Thomas Nitzsche (von links).

Foto: Thomas Stridde

Konrad Erben ist am Freitag mit dem 19. Jenaer Preis für Zivilcourage ausgezeichnet worden. Erben, der an der Ernst-Abbe-Hochschule im Fachbereich Sozialwesen lehrt, wird somit geehrt für seine Mühen um das Gedenken an die Opfer des aus Jena stammenden Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Als Privatperson veranstaltet Erben jährlich etwa zwölf Mahnwachen, die zumeist am Gedenkort vor der Holzskulptur in der Johannisstraße stattfinden. Mit den Mahnwachen erneuert Erben beständig die Forderung, auch nach Ende des Gerichtsprozesses den NSU-Komplex lückenlos aufzuklären. Die Laudatio auf Konrad Erben hielt die Pädagogin und Aktivistin Ayşe Güleç. Den mit 1000 Euro dotierten Preis hat in diesem Jahr Heiko Krabbes gestiftet. Der Inhaber des Cafés Stilbruch sagte zu seiner Motivation, wer Zivilcourage zeige, solidarisiere sich mit den Opfern. Und Wirtschaft, so sehe er das in seinem Alltag, gedeihe nur in offener und gewaltfreier Atmosphäre, sagte Krabbes in der von der Koordinierungs- und Kontaktstelle Kokont organisierten Veranstaltung.

Konrad Erben verlas in seinen Dankesworten die Namen der bekannten zehn Mordopfer des NSU. Auch betonte Erben, dass er den Preis stellvertretend entgegennehme für Ricarda Holthaus als Anstoßgeberin der Gedenkveranstaltungen, für die Initiative „NSU-Komplex auflösen“, für die JG Stadtmitte, für das Aktionsbündnis gegen Rechts und weitere Antifaschisten. Der Preisträger nahm den Faden der These auf, dass Faschismus und mit ihm die Neonazis aus der Mitte der Gesellschaft entstehen, als „Produkt einer verrohten Mitte“. Man möge nur auf die repräsentativen Befragungen des „Thüringen-Monitors“ schauen. Da werde seit 20 Jahren die Frage nach der „Überfremdung Deutschlands“ regelmäßig von mehr als der Hälfte der Teilnehmenden bejaht. Hier drehe es sich um die Mitte der Gesellschaft. „Und was der NSU getan hat, war nichts anderes, als im Interesse dieser Mitte zu handeln“, sagte Erben. Das Problem seien „nicht zuerst die Neonazis. Sie sind sichtbar, ächtbar, bekämpfbar“. Es sei der „Extremismus der Mitte, der die Demokratie, aber vor allem die Menschen bedroht, die ins Visier von radikalisierten Menschenfeinden geraten“. Wiederum seien Neonazis und ihre Unterstützer aus den 90ern heute „gut im Establishment angekommen. Sie betreiben Speditionen, Gastronomie und organisieren sich im Umfeld von Fußballvereinen neu.“

OB Thomas Nitzsche (FDP) sagte, Konrad Erben stehe auch dafür, dass die Benennung eines Winzerlaer Platzes nach dem ersten NSU-Mordopfer Enver Şimşek als Initiative aus der Stadtgesellschaft kam. Letzthin habe der Zivilcouragepreis so einen „Zug ins dauerhafte Engagement“ bekommen: Mit Wissenschaft und Kunst an der Seite soll der NSU-Komplex in Jena weiter aufgearbeitet werden.