Zwischen Kornäpfeln und Heimatgefühlen in Altenberga

Altenberga.  Den Sommer 2020 verbringt Familie Ingber/Kraft in ihrem Garten in Altenberga

Ute Ingber und ihre Kornäpfel

Ute Ingber und ihre Kornäpfel

Foto: Jens Henning

Ute Ingber (52) und ihr Mann waren schon in Spanien, in Italien, in Österreich und in Thailand im Urlaub. „Wir haben schon einiges auf der Welt gesehen, sind schon ein wenig herum gekommen. Da war es auch überall schön. Im Moment könnte ich mir aber nicht vorstellen, dorthin zu reisen. Die Angst wegen Corona ist einfach zu groß. Stundenlang im Flugzeug mit einer Maske sitzen, das kann doch nicht schön sein“, sagte die 52-Jährige.

Ihren zweiwöchigen Sommerurlaub verbringt sie in diesem Jahr in ihrer gewohnten Umgebung in Altenberga. Und die Verkäuferin, die in einem Einkaufsmarkt in Lobeda hinter der Fleischtheke arbeitet, hat einige Gründe, die für einen „Urlaub daheim“ sprechen. „Wir sind gern zuhause. Unser Garten ist groß. Da hat man den ganzen Tag zu tun. Man ist an der frischen Luft. Langeweile kommt nie auf“, sagte sie.

Einer ihrer Lieblingsplätze ist gleich am Eingang ihres Grundstückes, schräg gegenüber dem Hof. Dabei zeigt sie auf den prächtig wachsenden Apfelbaum. „Dieser Baum hat schon einige Jahre auf dem Buckel. Der könnte bestimmt einige Geschichten erzählen“, sagte Ute Ingber.

Ihre Mutter Karla Kraft (78) konnte da nur zustimmend nicken. „Der Baum steht bestimmt seit 1960 hier. Damals war ich selbst noch jung, da stand er schon. Der Baum fällt halt sofort auf. Er ist nicht nur schön gewachsen. Er steht auch direkt an der Straße. Wer nach Greuda fährt, sieht gleich diesen Baum.“

Weiße Klaräpfel reifen an ihm heran; besser bekannt als Kornäpfel. Die Bezeichnung könnte daher rühren, dass die Reife der Äpfel mit der beginnenden Roggenernte zusammenfällt.

Die Kornäpfel, die sich durch ihre außergewöhnlich frühe Genussreife auszeichnen, sind nicht nur bei der Familie Ingber/Kraft begehrt, sondern auch bei Horst Burghardt. Der Rentner ist über 80 Jahre alt. Er wohnt am anderen Ende des Dorfes. Er ist der Onkel von Utes Mann. „Dem Horst bringen wir regelmäßig Äpfel. Er mag nun mal Apfelmus. Und das Apfelmus kann man sehr gut aus Kornäpfeln herstellen. Das wird dann sehr lecker und sehr fruchtig.“

Selbstversorgung ist möglich

Einkaufen fahren müssten die Krafts eigentlich nur selten. Auf ihrem großen Grundstück auf dem Dorffleck, östlich an der Ortslage, können sie u.a. Bohnen und Erbsen ernten. „Und dann haben wir auch Viehzeug. Wir haben Schafe, Hühner und Enten. Wir könnten das Jahr über auch gut als Selbstversorger durchkommen, wenn wir das müssten“, sagte Ute Ingber.

Und fehlt denn nicht doch irgendwie der Erholungsfaktor im Urlaub in der Ferne? „Natürlich genießt man auch diese Tage“, sagte die 52-Jährige. Sie schränkte aber ein: „Wenn es am Schluss vom Urlaub wieder nach Hause geht, überkommt mich immer wieder dieses eine Gefühl, dass die Heimfahrt die schönste Fahrt ist.“

Denn für sie gilt: „Daheim fühlt man sich am wohlsten. Man kennt sich aus. Man trifft seine Nachbarn und Bekannten. Man findet hier sein gewohntes Umfeld vor“, sagte sie.

Urlaubsziele hat Ute Ingber dennoch. „Natürlich gibt es einige Orte auf der Welt, die wir noch gern sehen wollen. Doch jetzt genießen wir unsere Heimat. Und das in vollen Zügen. Es dauert nicht lange, dann hat uns der Alltag wieder.“