Eineborn. Der Gnadenhof Happy Kuh ermöglicht Kühen einen glücklichen Lebensabend. Weil Windräder gebaut werden, suchen die Tierschützer händeringend einen neuen Standort.

Der Verein „Happy Kuh“ aus Eineborn hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kühen ein Leben abseits der Milch- und Fleischindustrie zu ermöglichen. Die Kühe dürfen leben um ihrer selbst Willen. Nun müssen sie jedoch ihre Zelte abbrechen und umziehen. Der Grund dafür sind Windkraftanlagen und ein Wald, der zum Ausgleich gepflanzt werden soll.

Zuerst war geplant, dass Kühe und Windräder auf einer Wiese zusammen stehen sollen. Jedoch änderten sich die Pläne. Die Windräder sollen nun woanders hin, wofür einige Bäume gefällt werden müssen. Für einen Ausgleich wird an anderer Stelle aufgeforstet. Diese Stelle ist nun die Kuhweide des kleinen Tierschutzvereins, dessen Pacht auch zum Ende des Jahres regulär auslaufen würde. Der Verein hatte damit gerechnet, bleiben zu können.

Umzug nach Thüringen verschlang bereits 10.000 Euro

Ein Umzug mit derweil 22 Rindern ist nicht nur schwer zu organisieren, sondern auch sehr teuer. Sebastian Becher von Happy Kuh erinnert sich an Umzüge mit sieben Rindern, die schon damals ein großes Unterfangen waren. „Der Umzug von Bayern nach Thüringen hat uns damals um die 10.000 Euro gekostet. Mittlerweile besitzen wir nicht nur mehr Rinder, sondern auch viele Gerätschaften, um unsere Wiesen zu pflegen. Die müssten jetzt auch mit umziehen“, sagt er. In der aktuellen schwierigen Lage seien auch die Spenden und Patenschaften eingebrochen.

Mehr zum Thema

Saale-Holzland: Gnadenhof in Eineborn bekommt Aufschub

Ein knappes Jahr um einen neuen Standort für 22 Rinder und eine Familie zu finden, ist wenig. Daher bekam Happy Kuh einen Aufschub von einem Jahr. Umziehen müssen sie dennoch, jedoch fällt immerhin der enorme Zeitdruck weg. Zuvor hatte der Verein die Rinder bei einem Landwirt stehen, der selbst Milchkühe hielt. Als Gegenleistung sollten die Tierschützer im Betrieb mit anpacken. „Das, was dort mit den Tieren gemacht wurde, konnten wir nicht mit unserem Tierschutzgedanken vereinbaren. Daher sind wir damals umgezogen und sowas käme heute auch nicht in Frage“, sagt Becher.

Am liebsten würde der Verein etwas Eigenes kaufen. Das würde Sicherheit geben. Jedoch sind die Preise dafür zu hoch, sagen sie. Zwar gebe es in der Nachbarschaft Agrargenossenschaften mit Flächen, jedoch seien sie nicht darauf ausgelegt, die Wiesen an Tierschutzvereine zu verpachten. Gerne würde die Familie nicht allzu weit weg ziehen. Nicht zuletzt, da die Kinder zur Schule gehen und ein Umzug nicht nur stressig für die Rinder wäre, sondern auch die Kinder aus ihrem gewohnten Umfeld reißen würde.

Familie, die Gnadenhof betreibt, will hier bleiben

„Wir haben ein Angebot am Bodensee bekommen. Das wäre unser absoluter Notfallplan, bevor wir die Rinder schlachten lassen müssten, wenn wir gar nichts finden“, sagt der Verein. Gesucht wird Grünland. Sechs bis 20 Hektar brauchen die Rinder, die es nicht gewohnt sind im engen Stall zu stehen. Außerdem wünscht sich der Verein ein Gelände mit Wasser- und Stromanschluss. Das würde die Arbeit bei Wind und Wetter draußen um einiges erleichtern. Eine eigene Scheune als Unterstand für die Tiere wäre ein weiterer Luxus, über den sich der Verein freuen würde.

Über ihre Webseite und ihre Social Media Kanäle sammelt der Verein Spenden, die sie für den Umzug brauchen. Ihr Aufruf nach einem neuen Platz wurde auf Facebook bereits von über 260 Nutzern geteilt. Die Familie hofft für sich und die Rinder, etwas in der Nähe zu finden.