Stadtroda. Stefanie Fiebig ist seit Jahresanfang neue Koordinatorin von „Verrückt? – Na und!“. Die Nachfolgerin von Veronika Walther-Koch sucht für Projekttage seelisch erkrankte Menschen, die ihren Alltag meistern, als „Persönliche Experten“.

Stefanie Fiebig ist seit Januar neue Koordinatorin bei „Verrückt? - Na und!“. Sie tritt die Nachfolge von Veronika Walther-Koch an, die das Projekt seit 2017 mit viel Herzblut geleitet hat.

Ziel des Projekts sei es, einfache und wirksame Wege zur Stärkung der seelischen Gesundheit aufzuzeigen, um Krisen besser zu meistern und den Schulerfolg langfristig zu fördern, heißt es in einer Mitteilung des Asklepios-Fachklinikums Stadtroda. Im Rahmen der durch die Dr.-Broermann-Stiftung finanzierte Veranstaltungsreihe des Vereins „Irrsinnig Menschlich“ veranstalten die Moderatoren regelmäßig Projekttage in Schulen des Saale-Holzland- und Saale-Orla-Kreises.

Seit 2015 ist Stefanie Fiebig am Stadtrodaer Fachklinikum als Sozialarbeiterin tätig. Für das Schulprojekt engagiert sie sich seit 2017. Sie hat an der Ernst-Abbe-Hochschule Soziale Arbeit studiert und lebt mit ihrer Familie in Jena. „Ich komme ursprünglich aus Leipzig und hatte beim Irrsinnig Menschlich e.V. mein Schülerpraktikum gemacht. Damals hatte ich noch keine richtige Vorstellung von den Inhalten des Projekts. Der Ansatz: mehr Offenheit, weniger Tabuisierung von seelischen Erkrankungen hat mir aber gefallen“, sagt sie.

In enger Vernetzung mit der Landesvereinigung zur Gesundheitsförderung in Thüringen e.V. engagiert sich die in Stadtroda angesiedelte Regionalgruppe im Rahmen von Projekttagen, Jugendliche für das Thema seelische Gesundheit zu sensibilisieren. „Denn seelische Gesundheit, Schulerfolg, Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit) und Wohlbefinden sind eng miteinander verbunden“, so heißt es in der Mitteilung.

„Bei den Projekttagen bin ich oft überrascht, was für Erfahrungen manche Schüler mit dem Thema Psychiatrie bereits haben, manchmal ist ein Elternteil psychisch erkrankt“, berichtet Stefanie Fiebig.

Nicht selten seien die Schüler sehr belastet von einem erheblichen Leistungsdruck. Für Fiebig, die in Leipzig ein Sportgymnasium besucht hat, ist das kein unbekanntes Thema. Auch Magersucht hat sie unter Mitschülerinnen in diesem Zusammenhang erlebt.

Stigmatisierungen entgegenwirken

„Wenn du nicht folgst, kommst du nach Stadtroda“ – das ist ein Satz, den Stefanie Fiebig schon öfter gehört hat. Sie ist regelmäßig schockiert darüber, dass Erwachsene Kinder und Jugendlichen heute noch mit so einem platten Klischee drohen.

Das Schulprojekt möchte gerade auch solchen Stigmatisierungen entgegenwirken. „Der Lockdown mit seinen Entbehrungen, gerade für Jugendliche, hat einiges in Bewegung gebracht. Das Interesse an unseren Projekttagen ist deutlich gestiegen“, so Stefanie Fiebigs Erfahrungen.

Den Moderatoren bei den Projekttagen zur Seite stehen seelisch erkrankte Menschen, die im Projekt als „Persönliche Experten“ bezeichnet werden. Katja Arnhold, eine der persönlichen Experten, erhält in den Bewertungsbögen immer ein ausgezeichnetes Feedback von den Schülern. Diese bewundern ihren Mut, offen über ihre psychische Erkrankung zu sprechen. Das wirke nicht zuletzt entstigmatisierend, weil die Schüler auf diese Weise erfahren, wie das Leben trotz und mit einer seelischen Erkrankung gelingen kann. Katja Arnhold ist kürzlich zum ersten Mal Mutter geworden, weshalb sie erst einmal pausieren muss.

Persönliche Experten werden dringend benötigt. Gesucht werden psychisch erkrankte Personen, die gemeinsam mit einem Moderator Projekttage an Schulen im Saale-Holzland-Kreis, im Saale-Orla-Kreis und im Landkreis Greiz durchführen möchten. Für die Durchführung eines Schultages erhalten persönliche Experten eine Aufwandsentschädigung und eine Fahrtkostenerstattung. Kostenlose Moderatorenschulungen und Hospitationen erleichtern den Einstieg in das Projekt.