An immer mehr Schulen im Landkreis Greiz fehlen Lehrer

Landkreis Greiz.  Vorab die gute Nachricht: Für die Regelschule in Auma-Weidatal wurde wohl nach langer Suche eine Mathelehrerin gefunden.

Eine Kunst für sich: Stundenpläne und Vertretungspläne unter Lehrermangel erstellen. Wenn Lehrer ausfallen, steigt die Belastung für die gesamte Belegschaft. An der Regelschule in Langenwetzendorf ein Dauerzustand.

Eine Kunst für sich: Stundenpläne und Vertretungspläne unter Lehrermangel erstellen. Wenn Lehrer ausfallen, steigt die Belastung für die gesamte Belegschaft. An der Regelschule in Langenwetzendorf ein Dauerzustand.

Foto: Norman Börner

In Thüringen fehlen Lehrer. Um die 240 Stellen waren im Oktober unbesetzt. Das ist nicht neu. Wir berichteten über Lehrermangel an der Regelschule in Auma-Weidatal. Hier fällt weiter Unterricht aus, weil mindestens zwei Lehrerstellen unbesetzt sind.

Zumindest für eine Stelle zeichnet sich eine Lösung ab. In Hohenleuben und Hohenölsen führte der Lehrermangel dazu, dass Klassen der beiden Grundschulen zusammengelegt worden. Eine Lösung, gegen die vor allem die Hohenleubener Eltern weiter Sturm laufen. An der Regelschule „Georg Kresse“ Triebes würden derzeit circa 70 Lehrerwochenstunden fehlen. Das geht aus einer kleinen Anfrage des Landtagsabgeordnete Volker Emde (CDU) an das Bildungsministerium des Freistaats Thüringens hervor. Nun erreichte uns auch von der Bio-Landschule in Langenwetzendorf ein offener Brief der Eltern. Auch hier soll im großen Umfang Unterricht ausfallen. Eine Bestandsaufnahme.

Eltern: In Langenwetzendorf seit einem Jahr kein Chemieunterricht

In Langenwetzendorf machen die Eltern vor allem in zwei Fächern Probleme aus. So würden die Kinder statt 16 derzeit nur in elf Wochenstunden im Fach Englisch unterrichtet. Seit November 2019 gäbe es keinen Chemieunterricht mehr. Die zuständige Lehrerin falle aus und werde langfristig keinen Unterricht geben können. Da auch noch die Direktorin ausfalle, sei die Situation belastend. Und die Lage könne sich weiter zuspitzen, wenn mit Ende des Schuljahres 2020/2021 drei Lehrkräfte in den Ruhestand gehen würden. Direktorin und Chemielehrerin würden weiter auf der Gehaltsliste stehen, ihre Unterrichtsstunden somit als gesetzt gelten und es könne kein neue Stelle ausgeschrieben werden. Personalangelegenheiten unterliegen dem Thüringer Bildungsministerium und nachgeordnete dem staatlichen Schulamt Ostthüringen. Hier steht man der derzeitigen Lage in Thüringen aber weiter ohnmächtig gegenüber.

Rund 1000 Lehrer in Thüringen fallen langfristig wegen Krankheit aus

Die Situation an der Schule in Langenwetzendorf ist bezeichnend für den Rest des Bundeslandes. Laut Lehrergewerkschaft GEW gibt es in Thüringen derzeit rund 1000 langzeiterkrankte Lehrer. Diese seien vor allem unter den vielen älteren Kollegen zu finden. Das habe auch mit der hohen Arbeitsbelastung zu tun. Ein Teufelskreis: Wenn Kollegen ausfallen, haben die Lehrer und Lehrerinnen vor Ort zusätzlichen Stress.

So auch in Langenwetzendorf, wo die Vertretung der Direktorin laut Eltern nicht nur Stundenplan und Vertretungsplan erstellt, sondern auch selbst unterrichtet sowie IT-Beauftragter sei. „Wir hoffen, dass er durch die Überlastung nicht krankheitsbedingt ausfällt“, schreiben die Elternvertreter. Sie fordern, die umgehende Stellenausschreibung einer Lehrerstelle für die Biolandschule Langenwetzendorf. Aber selbst wenn die Stellen ausgeschrieben werden, fällt es in Thüringen weiter schwer geeignete Kandidaten zu finden. Der Freistaat setzt verstärkt auf Seiteneinsteiger. Aber rechtliche Hürden bei der Anerkennung von Abschlüssen sowie Quereinsteiger, die mit den pädagogischen Herausforderungen überfordert sind, erweisen sich oft als Hinderungsgrund.

Schulen als Standortfaktor und Teil des öffentlichen Lebens

Dass Schulen im ländlichen Raum für viele Menschen weitaus mehr sind, als ein Ort der Bildung, zeigte sich in diesem Jahr in Hohenleuben. Eine Bürgerinitiative engagiert sich hier weiter gegen die teilweise Zusammenlegung der Grundschulklassen, die nun zum Teil in Hohenleuben und zum Teil in Hohenölsen unterrichtet werden. Jugendarbeit und Vereinskultur sind hier eng mit der Schule verknüpft. Auf lange Sicht fürchtet man hier einen Komplettumzug beider Schulen nach Weida, wo derzeit ein neuer Campus entsteht. Mit den Schulkindern würde auch ein gutes Stück Stadtkultur für immer verschwinden. Das Thema ist emotional. Vor allem weil Entscheidungen in letzter Instanz vom Schulamt getroffen werden. Dies hatte auch im aktuellen Fall den Landkreis Greiz zum Handeln aufgefordert, weil Lehrer fehlten.

In Triebes sind laut Bildungsministerium vor allem das Fach Mathematik und der technische Bereich betroffen. Es würden aber alle Anstrengungen unternommen, um Lehrplanziele zu erfüllen. Das Schulamt Ostthüringen stehe mit mehreren Bewerbern in Kontakt – sowohl für die Regelschule Triebes als auch für die Regelschule in Auma. Zumindest an der Schule in Auma zeichnet sich eine Entspannung der Lage ab.

In Auma-Weidatal wohl Mathe-Lehrerin gefunden

So habe man für das Fach Mathematik eine Lehrerin gefunden, die aufgrund einer Kündigungsfrist allerdings erst im Mai 2021 anfange könne. Bis dahin würde aber in den unteren Klassen weiter nur zwei von vier Mathestunden stattfinden sowie der Werkenunterricht komplett entfallen, sagt Elternsprecherin Doreen Göritz-Köber. „Die Neueinstellung eine gute Nachricht. Auch wenn damit noch nicht alle Probleme gelöst wären“, sagt sie. Denn viele Lehrer seien im höheren Alter. Das Problem der Überalterung und fehlender Nachfolger werde aktuell an sehr vielen Schulen sichtbar. Wohl wahr – und nicht zu übersehen.