Das Bevölkerungskarussell in Langenwetzendorf dreht sich

Langenwetzendorf.  So könnte die Zukunft und Gegenwart der Gemeinde Langenwetzendorf in den Bereichen Bevölkerung, Wohnen und Tourismus aussehen.

Historische Aufnahme eines Kettenkarussells auf dem Parkfest in Langenwetzendorf. In den nächsten Jahrzehnten werden sich Bevölkerung, Wohnformen und Freizeitangebote in der Gemeinde weiter verändern.

Historische Aufnahme eines Kettenkarussells auf dem Parkfest in Langenwetzendorf. In den nächsten Jahrzehnten werden sich Bevölkerung, Wohnformen und Freizeitangebote in der Gemeinde weiter verändern.

Foto: Privat

Die Gemeinde Langenwetzendorf hat in der Gemeinderatssitzung am Dienstag ein Entwicklungskonzept in den Bereichen Wohnen- und Tourismus beschlossen. Es handelt sich dabei um ein Konzept für die gemeindliche Entwicklung, das von der Gesellschaft für Stadt- und Landentwicklung (GSL) Sachsen/Thüringen entwickelt wurde. Es ist also eine Art Handlungsgrundlage für Zukunft und Gegenwart der Gemeinde in den Bereichen Bevölkerung, Wohnen und Tourismus im Hauptort und den insgesamt 17 Orten und Ortsteile. Wir haben uns die Zahlen und Prognosen der einmal genauer angeschaut.

Bevölkerung – Einwohnerzahl fällt weiter und Wegzug junger Frauen

Zum Stichtag 31. Dezember 2019 hatte die Gemeinde Langenwetzendorf mit allen 18 Ortsteilen 4142 Einwohner. Nicht betrachtet werden hier die Gemeinden Hohenleuben und Kühdorf für die Langenwetzendorf die erfüllende Gemeinde ist. Eine Betrachtung der Entwicklung der Einwohnerzahl ist nur bedingt möglich, da sich das Gebiet durch Eingliederungen stetig vergrößert hat. Seit den letzten Eingemeindungen im Jahr 2013 sank die Einwohnerzahl aber um sechs Prozent. Das ist etwas deutlicher als im Durchschnitt des Landkreises Greiz (vier Prozent) und des Freistaates Thüringen (ein Prozent).

Für das Jahr 2035 werden noch 3465 Einwohner in Langenwetzendorf erwartet. Gegenüber 2018 wäre das ein Rückgang um 16 Prozent. Die Altersstruktur ist seit 2011 fast gleich geblieben. Im Jahr 2018 waren somit 35 Prozent der Einwohner 45 bis 65 Jahre alt. Sie sind somit die größte Bevölkerungsgruppe. Auffällig ist, dass der Frauenanteil bei den 18 bis 45-Jährigen deutlich niedriger ist. Frauen in dieser Altersgruppe ziehen häufig fort. Es ist das potenzielle Alter für Haushaltsgründung, Erwerbstätigkeit, Ausbildung oder Wohnungssuche. Ihr Glück suchen Frauen im dem Alter demnach oft woanders.

Stärken der Bevölkerungsentwicklung sieht die Erhebung vor allem Zuzug von Familien mit Kindern und Altersgruppe 30 bis 45 Jahre. Außerdem ist die Altersstruktur seit 2011 relativ stabil. Eine Chance für die Zukunft sei daher der Zuzug von Menschen, die sich bewusst für das dörfliche Leben entscheiden.

Wohnen – Neue Wohnformen und Erhalt bestehender Häuser

Die Gemeinde Langenwetzendorf ist als ländlicher Raum von einem hohen Anteil landwirtschaftlicher Flächen und dörflichen Ortsstrukturen geprägt. Es gibt einen großen Bestand an Fachwerkhäusern.

So sind 77 Prozent der Gebäude mit Wohnraum in der Gemeinde Langenwetzendorf frei stehende Häuser.

59 Prozent wurden vor 1950 gebaut. Typisch auch: 64 Prozent der Wohnungen werden vom Eigentümer selbst bewohnt. Im Vergleich zum Landkreis (46 Prozent) und zum Freistaat Thüringen (42 Prozent) signifikant mehr. So entstehen besondere Herausforderungen für die Wohnraumentwicklung der Zukunft.

Deshalb will die Gemeinde vor allem auf Sanierung von in der Regel in Privateigentum befindlichen Häuser setzen. Obwohl aufgrund der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung eigentlich kein zusätzlicher Wohnungsbedarf entsteht, sollen bis 2035 zwischen 25 und 30 Bauplätze geschaffen werden. Die Nachnutzung leerstehender Bausubstanz soll allerdings Priorität haben. Die Ausweisung von neuem Bauland soll mit Bedacht, Rücksicht auf die dörflichen Strukturen und mit Konzentration auf Bereiche, die infrastrukturell gut versorgt sind, erfolgen. Außerdem sollen Angebote für eine älter werdende Gesellschaft und neue Wohnformen geschaffen werden, beispielsweise durch Nachnutzung vorhandener Gehöfte.

Tourismus - Naturnaher Tourismus mit Alleinstellungsmerkmalen

Im Gemeindegebiet gibt es laut der Studie keine touristischen „Hotspots“ oder überregional bekannte Sehenswürdigkeiten. Im Umkreis von circa 20 Kilometern seien aber viele Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten gut zu erreichen. Die örtlichen Wanderwege seien gut beschildert. Allerdings sei die Unterhaltung der Wege durch die Gemeinde mit großem finanziellen und personellen Aufwand verbunden.

Die Gemeinde wolle sich weiterhin auf das Potenzial der Natur und der landschaftlichen Lage konzentrieren. Die Talsperren in der Nähe seien vorteilhaft, allerdings entstehe dadurch auch Konkurrenzdruck. Mit der Vermarktung regionaler Produkte in Hofläden hat man bereits gute Erfahrungen gemacht. Solche Angebote könnten in Zukunft weitere Touristen locken.

Die Übernachtungszahlen in den letzten Jahren sinken. Die Gemeinde will sich daher zu einem Standort für „sanften“ naturnahen Tourismus – zu einem Ausgangspunkt für Wander- und Radtourismus in Verbindung mit Wassersport – entwickeln. Dabei sollen auch Alleinstellungsmerkmale der Gemeinde und örtliche Traditionen wie Floßerlebnisfahrten ausgebaut werden.