Das sagen Betroffene in Zeulenroda-Triebes und Greiz zum Lockdown

Zeulenroda-Triebes/Greiz.  Wenig Verständnis herrscht bei den Betrieben und Vereinen.

Thomas Kirsch Inhaber des Gasthofes und Bowlingbahn „Das Haus im Haus“ in Triebes stellt die Zapfhähne ab. Wegen neuer Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bleibt die Gaststätte ab dem 2. November geschlossen.

Thomas Kirsch Inhaber des Gasthofes und Bowlingbahn „Das Haus im Haus“ in Triebes stellt die Zapfhähne ab. Wegen neuer Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie bleibt die Gaststätte ab dem 2. November geschlossen.

Foto: Norman Börner

Am Sonntag will Thomas Kirsch mit seinen fünf Mitarbeitern zum Abschluss noch mal eine Runde Bowlen. Sie werden sich wohl längere Zeit nicht sehen. Ab Montag bleibt „Das Haus im Haus“ in Triebes bis mindestens Ende November geschlossen. Um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, werden wohl bundesweit Gastronomiebetriebe sowie Theater, Konzertsäle, Kinos, Fitnessstudios oder Körperpflegebetriebe geschlossen. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

Auch der Freizeit- und Amateursport wird untersagt. „Das ist eine Katastrophe“, sagt Kirsch. Er ist sich sicher, dass es nicht bei einem Monat bleiben wird. „Es kann mir keiner erzählen, dass es mitten in der geschäftigen Weihnachtszeit wieder los geht“, sagt er. Er habe dieses Jahr abgehakt. Die Reservierungsbücher seien voll, der Sommer entgegen aller Erwartungen ein gutes Geschäft gewesen. Er könne verstehen, dass die Politik jetzt handeln muss, um das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen. „Aber warum muss sich die Gastronomie wieder hinten anstellen? Wir sind top vorbereitet und kein Ausgangspunkt von Infektionen“, sagt Thomas Kirsch.

Viele Infektionen nicht mehr rückverfolgbar

Laut dem Gesundheitsamt sei im Landkreis Greiz nur ein Fall bekannt, bei dem eine Person nach einem Gaststättenbesuch positiv getestet wurde. Daraufhin seien alle Kontaktpersonen in der Einrichtung getestet wurden. Dies bedeute aber nicht, dass von dort ein größeres Infektionsgeschehen ausgegangen sei. Das Robert-Koch-Institut weist Restaurants einen minimalen Anteil an der Verbreitung zu. Laut aktuellem Lagebericht seien vor allem private Haushalte, der Arbeitsplatz, Freizeitaktivitäten sowie Altersheime und Kliniken im Zentrum des Pandemiegeschehens. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte allerdings, dass bei rund 75 Prozent der Neuinfektionen nicht mehr nachzuvollziehen sei, woher sie kommen würden.

Peer Philipp, Kreisvorstand des Verbandes für das Thüringer Gastgewerbe Dehoga, sieht den Lockdown ebenfalls kritisch. „Viele Betriebe habe kaum Rücklagen“, sagt der Branchenvertreter. Sollte der Lockdown auf die kommenden Monat beschränkt bleiben, sei es für ihn persönlich noch machbar „Der November ist ohnehin ein schwacher Monat. Aber wenn der Dezember ausfällt, bekommen ich und viele meiner Kollege ein großes Problem“, sagt er.

Verhältnismäßigkeit und Ungleichbehandlung

Aber es sind nicht nur die Gastronomen, die vom neuen Lockdown betroffen sind. Auch Betriebe im Bereich Fitness, Kultur, Körperpflege und Sportvereine müssen schließen. „Ich habe alles getan, um den Infektionsschutz zu gewährleisten. Und obwohl bei mir immer nur zwei Personen im Laden sind, muss ich zu machen“, sagt Susanne Lindig, die ein Nagelstudio in Greiz betreibt. Sollte der Lockdown länger andauern, sei ihr Geschäft bedroht. Ähnlich sieht es auch Claudia Saballos Rodriguez vom Schönheitssalon „Zeitlos Schön“ in Zeulenroda-Triebes. Vor allem die Ungleichbehandlung der Branchen sorgt bei ihr für Unverständnis. „Sonst werden Friseur und Kosmetiker immer in einem Atemzug genannt. Jetzt sind wir – ein Bereich der sehr hygienisch arbeitet – plötzlich das größere Risiko“, sagt sie.

IHK Ostthüringen: Es trifft die Falschen

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostthüringen teilt mit, dass mit Gastronomie, Kultur und Fitness die Falschen getroffen werden. Gerade hier seien Infektionsschutzkonzepte erarbeitet und durch erhebliche Investitionen umgesetzt worden. „Die neuerlichen Zwangsschließungen stellen all diese Maßnahmen in Frage. Die Infektionsherde lagen woanders. Das trifft also die Falschen“, betont IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Höhne. Die nun angeordneten Schließungen seien für viele Unternehmer zudem existenzbedrohend.

Kultur konnte sich im Sommer nicht erholen

Unter anderem auch für die Kultur. So weiß Frank Böttger vom Kino UT99 in Greiz nicht, wie es nach dem Lockdown weiter gehen soll. Im Gegensatz zur Gastronomie habe es in der Kultur nämlich keine Erholung im Sommer gegeben. „Das ganze Jahr läuft miserabel. Die Gäste fehlen und es gibt kaum neue Filme der Verleiher. Wir werden kämpfen, aber die Zukunft wird hart“, sagt er. Auch Sportvereine wie der Greizer Judoclub sehen die Bemühungen der letzten Monate nicht gewürdigt. „Wir haben Konzepte entwickelt, die unseren Sport auch in schwierigen Zeiten ermöglichen“, sagt Richard Glagau, Präsident des Vereins. Es sieht vor allem auch die soziale Funktion und die positive Wirkung des Sports auf die Psyche nicht gewürdigt und in Gefahr. „Vielen fehlt ohne Sport im Verein ein wichtiger Teil des Soziallebens“, sagt er.