Die bewegte Geschichte des Kloster Mildenfurth

Hohenleuben  Sonntagsgespräch würdigt ungewöhnliches Architekturdenkmal. Baumeister auch an Naumburger Dom tätig

Zum ersten Sonntagsgespräch des Vogtlänischen altertumsforschenden Vereins zu Hohenleuben im neuen Vereinsjahr besuchten 40 Interessierte das Museum Reichenfels. Rainer Müller führte mit spannenden und kurzweiligen Informationen durch die Baugeschichte des Klosters. Das Kloster Mildenfurth, eine wichtige Keimzelle der neueren Besiedlung unserer Gegend, wurde 1193 von Vogt Heinrich II. von Weida gegründet. Erste Bautätigkeiten entstanden um 1206 mit dem Bau der Stiftskirche, später folgten die dreischiffige Basilika mit dem Chorgewölbe. Am südlichen Ende schloss sich der Kreuzgang an.

Verschiedene Bauelemente und Baustile lassen auf eine Zusammenarbeit mit den Bauherren des Naumburger Doms schließen. So ist anzunehmen, dass die ausführenden Baumeister an beiden Bauwerken tätig waren, zumal diese nur kurz zeitversetzt begonnen und fertiggestellt wurden. Man habe mit den gemachten Erfahrungen beide Häuser gebaut und neue, dem zeitlichen Trend folgende Ausführungen umgesetzt, sagte Müller.

Vom Kloster zum Jagdschloss umgebaut

Dem Kloster zugehörig war wie in dieser Zeit üblich, eine Klostermühle. Diese versorgte die Mönche mit den verarbeiteten Grundlebensmitteln. Nach der Reformation verlor das Kloster seine kirchliche Bedeutung und wurde ab 1617 zum Jagdschloss umgebaut. Die Umwidmung kirchlicher Bauten sei keine Mode der Neuzeit, sondern die Gebäudehülle sei bereits vor Jahrhunderten weiter genutzt worden, betonte Müller. Die Vollendung des Jagdschlosses wurde nie abgeschlossen, ein weiterer Verfall zog sich über viele Jahrhunderte mit wenigen Unterbrechungen dahin.

Nach der politischen Wende wurde durch den Arbeitskreis Kunst und Kultur „Kloster Mildenfurth“ die Substanz des Klosters wieder erforscht. Es wurde freigelegt, entkernt, enträtselt und erhalten. 1995 übernahm die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten das Objekt und restaurierte es. Der Arbeitskreis veranstaltet Konzerte, Theateraufführungen und Lesungen in der Anlage. Das Künstlerehepaar Volkmar Kühn und Marita Kühn-Leihbecher, bewohnt ein Nebengebäude des Klosters und verschönert das Gebäude und den Garten mit Skulpturen und anderen Kunstwerken.

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