„Fleischlose Gerichte gibt es in unseren Kantinen zu selten“

Zeulenroda-Triebes.  Eine Ernährungsumstellung ist ein beliebter Neujahrsvorsatz. Doch wie schafft man es, ihn auch durchziehen?

Ernährungswissenschaftlerin Claudia Braun ist Ernährungsberaterin in der „Iss dich top fit“-Praxis für Ernährungstherapie und Gesundheitsförderung von Sindy Zimmermann aus Zeulenroda-Triebes.

Ernährungswissenschaftlerin Claudia Braun ist Ernährungsberaterin in der „Iss dich top fit“-Praxis für Ernährungstherapie und Gesundheitsförderung von Sindy Zimmermann aus Zeulenroda-Triebes.

Foto: Norman Börner

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Im heutigen Teil der Serie zu den guten Vorsätzen beschäftigen wir uns mit dem Entschluss, sich besser ernähren zu wollen. In einer Studie der Krankenkasse DAK gaben immerhin 53 Prozent der Befragten an, im Jahr 2020 dieses Ziel zu verfolgen. Wir sprechen mit Claudia Braun von der Ernährungsberatung „Iss dich topfit“ in Zeulenroda-Triebes. Warum wollen die Menschen, die zu ihr kommen abnehmen und welche Tipps gibt sie, um auch wirklich dauerhaft seine Ernährung umzustellen? Welche spezifischen Stolpersteine gibt es in einer Stadt wie Zeulenroda-Triebes?

Vielen Diäten setzen auf kurzfristige Gewichtsreduzierung

Die Praxis berät sowohl Patienten, die bereits krankhaft übergewichtig sind oder zur Prävention kommen. Das Verhältnis sei ungefähr ausgeglichen. Oft haben die Klienten eines gemeinsam. „Viele haben schon zahlreiche Diäten durchprobiert. Aber sie verfallen wieder in alte Muster“, sagt Claudia Braun. Viele Diäten würden nur auf kurzfristige Gewichtsreduzierung setzen. Meist durch Verzicht. Gewohnheiten würden dadurch aber nicht aus dem Gehirn radiert. Meist tritt dann auch der sogenannte Jo-Jo-Effekt ein. Also die erneute Zunahme nach dem anfänglichen Gewichtsverlust.

Ein Ziel vor Augen haben

Ein beliebter Fehler von Menschen, die sich besser ernähren wollen, sei es auch sich kein richtiges Ziel zu setzen. „Nur der Vorsatz alleine reicht nicht aus, um unser Verhalten zu ändern“, sagt sie. Es sollte ein konkretes Ziel vorhanden sein. Sei es ein bestimmtes Gewicht, eine Portion Obst pro Tag oder der Vorsatz, zweimal in der Woche frisch zu kochen. „Es sollte ein realistisches Ziel sein und man sollte sich selbst keine absoluten Verbote auferlegen“, sagt sie. Wer beispielsweise jeden Tag ein Stück Schokolade verputzt, sollte die süße Versuchung einfach an einigen Tagen auslassen, statt komplett darauf zu verzichten.

Fleischlose Gerichten in Schulen und Unternehmen noch selten

Thüringen gilt als Fleischland. Das schlägt auf das Gewicht durch. Eine Studie der Krankenkasse Barmer zeigt, dass mittlerweile etwa jeder Zehnte im Freistaat mit einer gesicherten Diagnose Adipositas lebt. Laut Thüringer Landesamt für Statistik gelten sogar rund 60 Prozent der Thüringerinnen und Thüringer als übergewichtig. Daten für Zeulenroda-Triebes gibt es nicht. „Wir haben aber die Beobachtung gemacht, dass bei uns in vielen Kantinen oder Schulspeisungen fleischlose Gerichte teilweise noch immer zu selten sind“, sagt Claudia Braun. Die Empfehlung der Ernährungswissenschaftler lautet: Nicht täglich Fleisch und nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche.

Vorteil: Weniger Fast-Food in der Innenstadt

„Was auffällt, dass der Konsum von Fleisch und tierischen Fetten bei unseren Klienten seltener als Problem gesehen wird“, sagt sie. Viele seien auf Zucker fixiert oder würden im Rahmen von Low-Carb-Diäten sogar den Fleischkonsum noch steigern. Viele tierische Fette gehen allerdings irgendwann auf Kosten der Muskulatur und fördern Herzerkrankungen. Die Ernährungskultur in einer kleineren Stadt wie Zeulenroda-Triebes habe auch einen Vorteil. „Wir haben in der Innenstadt weniger schnelle und ungesunde Snackmöglichkeiten“, sagt Claudia Braun.

Stolpersteine sollte man sich bei seinem Vorsatz immer vor Augen halten und überlegen, wie man auf sie reagiert. „Rückfälle sind normal und man sollte sich auch mal etwas gönnen“, sagt die Ernährungsberaterin. Dann wird es auch was mit dem Vorsatz, sich im Jahr 2020 und darüber hinaus besser zu ernähren.

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