Gefiederte Touristen bleiben in Zeulenroda-Triebes nicht unerkannt

Zeulenroda-Triebes.  In den Wintermonaten zählen die Mitglieder der Fachgruppe Ornithologie die Vögel auf den Talsperren und tragen damit zu einem riesigen Datensatz bei.

Enrico Lux, Annette Pufe und Uwe Klimmer (von links) sind Mitglied im Dachverband Deutscher Avifaunisten. In den Wintermonaten erfassen sie die Vögel, die auf der Talsperre überwintern.

Enrico Lux, Annette Pufe und Uwe Klimmer (von links) sind Mitglied im Dachverband Deutscher Avifaunisten. In den Wintermonaten erfassen sie die Vögel, die auf der Talsperre überwintern.

Foto: Norman Börner

„Wo ist er hin?“, ruft Annette Pufe. „Ich habe ihn. Da drüben am anderen Ufer. Das ist ein Prachttaucher“, entgegnet Enrico Lux. Wie es aussieht, scheint sich auf der Talsperre in diesem Winter ein Premierengast niedergelassen zu haben. Enrico Lux will ihn am Gefieder erkannt haben. Aber noch wird diskutiert. Dann sind sich alle einig: Es ist ein Prachttaucher. Eine Vogelart, die normalweise in nördlicheren Regionen zuhause ist, aber hier auf dem Zeulenrodaer Meer sein Winterquartier bezieht.

Fünf Gruppe suchen die Wasseroberflächen ab

Wir sind an diesem sonnigen Sonntagvormittag mit der Fachgruppe Ornithologie unterwegs. Besser gesagt mit einem Teil der Fachgruppe. Denn die Vogelexperten haben sich in fünf Einheiten aufgeteilt, die heute die gefiederten Wintergäste auf dem Zeulenrodaer Meer und auf der Weidatalsperre zählen. Wir beobachten mit Enrico Lux, Annette Pufe und Uwe Klimmer den Bereich an der Talsperrenbrücke.

In über 100 Länder werden an diesem Wochenende Wasservögel gezählt

Mit Fernglas, Spektiv, Zettel und Stift bewaffnet, suchen sie die Wasseroberfläche nach Wasservögeln ab. Warum? Im Rahmen des an diesem Wochenende stattfindenden International Waterbird Census (IWC) schultern sie wie viele tausende Beobachter weltweit die Spektive. Seit Ende der 1960er-Jahre werden alljährlich Mitte Januar in mehr als 25.000 Gebieten in über 100 Ländern auf allen Kontinenten die Wasservögel gezählt. Die Zeulenrodaer gehen sogar noch weiter. Von Oktober bis März ziehen sie jeden Monat um die Talsperren, um den Vogelbestand zu erfassen sowie Alter und Art der Vögel festzustellen.

„Das läuft schon seit DDR-Zeiten. Ich könnte gar nicht mehr ohne“, sagt Enrico Lux. Der Vater eines Schulkameraden habe in ihm damals die Leidenschaft geweckt. Der Vater war kein geringerer als Eckhard Titz vom Naturschutzbund Gera-Greiz, der sich auch heute noch für den Erhalt der lokalen Tier- und Pflanzenwelt einsetzt. Die Daten der Zeulenrodaer werden an den Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) weitergeben. Als Avifauna wird die Gesamtheit aller in einer Region vorkommenden Vogelarten bezeichnet. Der Dachverband hat mehrere solcher Erfassungsprogramm für verschiedene Vogelarten.

Artenvielfalt auf Zeulenrodaer Talsperre nimmt ab

Mit dem Datensatz werden wissenschaftliche Erkenntnisse über Brutverhalten, Artenvielfalt und Populationsentwicklung gewonnen. Wer wie Enrico Lux schon seit Jahrzehnten dabei ist, der hat aber auch ganz eigenen Beobachtungen gemacht. „Die Artenvielfalt an der Zeulenrodaer Talsperre hat abgenommen. Als Brutstelle wird sie durch den reduzierten Wuchs am Ufer immer uninteressanter“, sagt er.

Außerdem wurde eine Muschelart eingeschleppt. Die Dreikantmuschel. „Das hat zahlreiche Tauchenten angelockt“, sagt er. Als die drei ihre Ausrüstung zusammen packen, fliegt plötzlich eine Möwe über die Brücke. Schnell holen sie die Spektive wieder raus. „Das ist eine Sturmmöwe“, ruft Uwe Klimmer. Obwohl Möwen schwer zu unterscheiden sind, haben sie den gefiederten Touristen am Gefieder erkannt. Nein, unerkannt Urlaub machen, ist für Wintervögel in Zeulenroda-Triebes schwer möglich.